«Geben uns nicht geschlagen»

Fr, 19. Feb. 2021
Urs Lehmann kann stolz auf sein Team sein. Die Bilanz an der alpinen Skiweltmeisterschaft in Cortina d’Ampezzo ist beeindruckend. Zehn Wettkämpfe, neun Medaillen. Mehr als jede andere Nation. Bilder: Archiv, Freshfocus

Alpine Ski-WM: Swiss-Ski-Präsident Urs Lehmann ist mit dem bisherigen Abschneiden zufrieden

Seit gestern Donnerstag steht die Schweiz an der alpinen Ski-WM in Cortina d’Ampezzo bei neun Medaillen aus zehn Wettkämpfen. Ein Grund zur Freude für Swiss-Ski-Präsident Urs Lehmann aus Oberwil-Lieli. Bis zum Ende der WM hofft er, Österreich in der Nationenwertung abfangen zu können.

Josip Lasic

Journalisten aller Medienanstalten versuchen es immer wieder. Doch Urs Lehmann beantwortet die Frage danach, wie viele Medaillen die Schweiz holt, nicht mehr. «Das endet nicht gut, egal in welche Richtung ich danebenliege», erklärt er lächelnd. Stattdessen schätzt der Freiämter lieber ein, in welchen Disziplinen die Schweiz Medaillenchancen hat. So auch vor der alpinen Skiweltmeisterschaft in Cortina d’Ampezzo.

Die Prognose war dabei – aufgrund der bisherigen Weltcup-Resultate – sehr positiv. Lehmann sah überall Medaillenchancen für die Schweiz. Der Erfolg gibt ihm recht. Gestern Donnerstag, hat die Schweiz die neunte Medaille im zehnten Wettkampf gewonnen. Lara Gut-Behrami triumphierte im Riesenslalom der Frauen. «Einfach grossartig», sagt ein stolzer Swiss-Ski-Präsident. «Wir hatten einen sensationellen Start in die Weltmeisterschaft mit den Leistungen von Corinne Suter und Lara Gut-Behrami in der Abfahrt und im Super-G. Diesen Spirit hat das Team danach mitgenommen.»

Glück eher nicht auf Schweizer Seite

Besonders stolz ist der Schweizer Ski-Boss darauf, dass seine Athleten das Glück nicht gross beanspruchen mussten, um ihre Medaillen zu holen. «Es waren wirklich enorm gute Leistungen von allen. Wir hatten das schon lange nicht mehr, dass wir in allen Disziplinen ein so starkes Teilnehmerfeld stellen konnten.»

Die einzige Enttäuschung ist für ihn der Super-G der Männer. Den Sportlern wirft er allerdings nichts vor. Die Anfahrt beim Super-G war durch tiefe Temperaturen so schnell geworden, dass zahlreiche Sportler überrascht wurden. Eine frühe Startnummer war ein deutlicher Nachteil. Die ersten drei Fahrer schieden alle aus. Darunter auch die Schweizer Loïc Meillard und Mauro Caviezel.

Parallel-Rennen: «Das ist das Risiko bei neuem Format»

Lehmann, der 1993 in Morioka selbst Weltmeister in der Abfahrt wurde, ist auch zufrieden mit der Organisation der Weltmeisterschaft. die wegen Covid-19 unter herausfordernden Rahmenbedingungen stattfindet. Allerdings hat das neu eingeführte Parallel-Rennen für grosse Kritik gesorgt. Der rote Kurs war deutlich schneller als der blaue. Der Vorsprung im 1. Lauf beträgt nach dem Reglement höchstens eine halbe Sekunde. Die Fahrer, die im 2. Lauf auf dem blauen Kurs starteten, hatten grosse Mühe, ihren Vorsprung zu verteidigen. Die Schweiz hatte dadurch ebenfalls Nachteile. Marco Odermatt schied früh aus. Loïc Meillard gewann deswegen «nur» Bronze. Wendy Holdener, die bei den Frauen als Medaillenkandidatin gegolten hat, blieb trotz starker Leistung ebenfalls ohne Podestplatz. Lehmann: «Ja, das Reglement hat uns vermutlich eine Medaille gekostet. Aber das ist das Risiko bei einem neuen Format.»

Österreich führt in der Nationenwertung

Der Swiss-Ski-Boss ist der Ansicht, dass 1,5 Sekunden Vorsprung im 1. Lauf sinnvoller gewesen wären als nur 0,5 Sekunden. Gleichzeitig betrachtet er die ganze Angelegenheit sportlich. «Es ist gut, wenn es neue Formate gibt. Die Disziplin Parallel ist noch jung. Es gilt nun, Analysen vorzunehmen, die richtigen Massnahmen abzuleiten und das Format stetig in die richtige Richtung weiterzuentwickeln. Ich glaube nicht, dass das Reglement nach dieser Durchführung nicht angepasst wird. Die FIS lernt aus den Fehlern.»

Der in Oberwil-Lieli wohnhafte Freiämter hebt stolz hervor, dass die Schweiz mit neun Medaillen deutlich mehr hat als alle anderen Nationen. Das nächstbeste Team – Österreich – hat fünfmal Edelmetall geholt.

Der kleine Wermutstropfen in diesem Zusammenhang: Während die Schweiz «nur» drei Goldmedaillen erringen konnte, hat Österreich in diesem Bereich eine beinahe makellose Bilanz. Fünfmal Edelmetall, viermal Gold, einmal Bronze. Damit führt der Nachbar und Erzrivale in der Nationenwertung vor der Schweiz. «Gratulation an Österreich. Das ist wirklich eine ausgezeichnete Leistung. Wir geben uns aber noch nicht ganz geschlagen. Es sind noch drei Anlässe bis zum Ende der WM. Noch können wir Österreich abfangen.»

Gut-Behrami bringt Schweiz näher ran

Seit gestern Donnerstag sind die Chancen in dieser Hinsicht gestiegen. Mit ihrer Goldmedaille im Riesenslalom führte Lara Gut-Behrami die Schweiz bis auf ein Gold an Österreich heran. Holt die Schweiz noch eine weitere Goldmedaille und Österreich keine mehr, dann geht die Nationenwertung auch an die Schweiz.

Und wie viele Medaillen erwartet der Präsident von Swiss-Ski in den verbliebenen drei Disziplinen, im Slalom der Männer und Frauen sowie im Riesenslalom der Männer? «Guter Versuch», sagt Lehmann lachend. «Wir haben auf jeden Fall bei jedem Rennen sehr gute Medaillenchancen.»

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