«Wir leben einen Traum»

Fr, 05. Mär. 2021
Der Zuchthengst Shambo Boy wird von Rebekka Narcisi auf die Weide gebracht. Die liebenswerten Tinker sind im Durchschnitt zwischen 145 und 170 cm gross. Bilder: Sabrina Salm

Adino und Rebekka Narcisi führen den Tinkerhof in Besenbüren seit 17 Jahren

Tinker, das sind Pferde mit irischen Wurzeln. In der Schweiz ist die Pferderasse selten anzutreffen. Ausser in Besenbüren. Hier werden von Rebekka und Adino Narcisi Tinker gezüchtet, liebevoll gepflegt und eingeritten.

Sabrina Salm

Anmutig, mit erhobenem Kopf stolziert Shambo Boy durch den Stall. Schnell kommen die Stuten an die Gitter, recken den Kopf in Richtung des Zuchthengstes und wiehern ihm zu. Der scheint es zu geniessen. Oder vielleicht ist es auch die Vorfreude darauf, dass der Irish Tinker auf die Weide darf. Kaum auf dem Grün angekommen, springt Shambo Boy in die Luft, seine wallende Mähne flattert im Wind und er präsentiert seine ganze Schönheit. «Ja, du bist ein Prachtskerl», sagt Adino Narcisi an Shambo Boy gerichtet. Rebekka Narcisi, die den Hengst streichelt, ergänzt: «Und ein ganz Lieber.»

Seit 17 Jahren führen Rebekka und Adino Narcisi den Tinkerhof in Besenbüren. Hier werden Boxen für Pensionspferde vermietet und Tinkerpferde gezüchtet. Mittlerweile gehören 17 Tinker auf ihren Hof und 9 Pensionspferde.

Haarig, farbig, ausgeglichen

Ursprünglich waren Tinker Zug- und Arbeitspferde der fahrenden Travellers, einer irischen Bevölkerungsgruppe ohne festen Wohnsitz, die abwertend als Tinker (Kesselflicker, Zigeuner) bezeichnet wurde. In ihren Ursprungsländern Irland, England und Wales werden diese Pferde als Blackys, Irish Cobs, Vanner und Gypsies genannt. Sie haben ein markantes Äusseres. Charakteristisch für den Tinker ist sein dichtes Fell, sein üppiger Behang auch an den Beinen, eine volle Mähne und viel Schweif. Viele Tinker haben zudem einen Schnurrbart auf der Oberlippe. «Haare, wohin man schaut», lacht Rebekka Narcisi. «Ich stand schon immer auf gescheckte Pferde und habe Ausschau nach einer geeigneten Rasse für mich gehalten», erzählt die 36-Jährige ihren Beginn der Liebe zu Tinkers. Per Zufall kam sie auf die Rasse Irish Tinker. «Diese sind meist gescheckt und es gibt sie in allen Farben.» Man falle auf mit den Tinkers. «Sind wir mit ihnen unterwegs, werden wir oft angesprochen», erzählt Rebekka Narcisi. In der Schweiz ist die Pferderasse nicht weit verbreitet. Der Tinkerhof gehört zu einer der wenigen Zuchten im Land.

«Irlands coole Schecken», wie sie auch genannt werden, seien das ideale Therapie-, Familien- und Freizeitpferd, da sie «gäbig» und lässig seien. Auch die Ausgeglichenheit und Nervenstärke gehört zu den Charaktereigenschaften der Tinker. «Tinker haben mich überzeugt und ich wurde ein grosser Fan.» Ihre Faszination für diese Pferde übertrug sich auf ihren Mann Adino. «Mit den Tinkers kann man eine gute Bindung aufbauen. Sie sind sehr menschenbezogen», schwärmt er. Sie sind offen, haben ein vertrauliches, liebes Wesen und man findet schnell den Zugang zu ihnen.

Genau ihr Ding

Die Zucht mit den Tinkers sei nicht geplant gewesen, sondern habe sich eher einfach ergeben. Rebekka Narcisi ist in Besenbüren auf dem Munimastbetrieb ihres Vaters aufgewachsen. «Ich bin ein typisches Landei, liebe es, draussen in der Natur zu sein, und liebe Tiere. Der Wunsch, mehr mit Pferden zu arbeiten, reifte immer mehr», erinnert sie sich. Ihr Mann Adino kommt ursprünglich aus dem Schaffhausischen. Der 42-Jährige ist ebenfalls auf einem Hof aufgewachsen. «Pferde zu haben, war immer ein Bubentraum von mir.» Der gelernte Postbeamte hat bis vor zehn Jahren hauptberuflich als Autodesigner gearbeitet. Als sie den Betrieb der Eltern übernahmen, war schnell klar, dass sie auf die Karte Tinkerpferde setzen wollen. Reitstunden kann man auf dem Hof allerdings keine buchen. «Wir arbeiten lieber nur mit den Tieren», erklären sie lächelnd.

Unterstützung bekommen die Narcisis von ihrer Familie. Auch ihre Kinder packen mit an. «Wir leben unseren Traum», sagen Rebekka und Adino Narcisi. Ihr Glück haben sie auf dem Rücken der Pferde gefunden.

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