«De Hampi» sagt Adieu
28.11.2025 KelleramtEr war der erste vollamtliche Werkhof-Mitarbeiter Islisbergs, heute wird Hanspeter Stutz pensioniert
Schulhauswart, Werkhofmitarbeiter, Friedhofsgärtner, Bestatter – Hanspeter Stutz ist alles in einem und spricht dabei von einem Traumjob. 25 Jahre lang hat er ...
Er war der erste vollamtliche Werkhof-Mitarbeiter Islisbergs, heute wird Hanspeter Stutz pensioniert
Schulhauswart, Werkhofmitarbeiter, Friedhofsgärtner, Bestatter – Hanspeter Stutz ist alles in einem und spricht dabei von einem Traumjob. 25 Jahre lang hat er diesen ausgeführt. Heute ist sein letzter Arbeitstag. Langeweile droht aber trotz Pensionierung keine.
Annemarie Keusch
«Verjagt» habe es ihn. Dass ihm Tränen gekommen sind, dafür schämt sich Hanspeter Stutz nicht. Schliesslich haben alle Kinder extra für ihn ein Lied eingeübt. «Det äne am Bergli» wurde zu «Det äne am Islisbergli» – eine Hymne für den scheidenden Schulhauswart. «Damit hätte ich nicht gerechnet.» Entsprechend emotional war es. Wer mit Hanspeter Stutz über das Schulareal in Islisberg schlendert, glaubt sofort, was er zuvor erzählt hat. «Natürlich, ich bin manchmal streng. Aber die Kinder mögen und wertschätzen mich.» Hoi Hampi, tschüss Hampi. Fast jedes Kind spricht ihn an. «Das Du war mir immer wichtig, solange sich dies nicht in fehlendem Respekt bemerkbar macht.» Solche Probleme hatte er nie. «Im Gegenteil. Die Lehrer fragten mich immer wieder, wie ich es anstelle, dass alle ruhig sind, wenn ich etwas sage.» Hanspeter Stutz lächelt. So wie er es während des Gesprächs immer wieder tun wird. Mit Stolz, mit Zufriedenheit, mit Genugtuung.
Eigentlich war Stutz Landwirt, arbeitete auch in dieser Branche. «Nur nie mit eigenem Hof.» Schon zehn Jahre lang war er Teil des Werkhofteams in Birmensdorf, als in Islisberg im Jahr 2000 das neue Schulhaus gebaut wurde. Erstmals wurde nun ein 100-Prozent-Pensum ausgeschrieben – für Werkhof und Schulhauswart. «Natürlich habe ich mich beworben», sagt Stutz. Er ist Islisberger, lebt rund hundert Meter neben seinem Arbeitsort. Und er hatte Vorteile: «Der damalige Gemeindeammann war einst mein Lehrmeister. Das Vorstellungsgespräch war entsprechend lustig.»
Putzen war Neuland
Putzen – als Schulhauswart ist es eine der zentralen Aufgaben. «Das war für mich Neuland. Ohne Unterstützung wäre es schwierig geworden.» Unterstützung von Berufskollegen in Nachbargemeinden. «Sie sagten von Anfang an, dass ich unter keinen Umständen täglich putzen soll. Dann ist halt eine Treppe bei regnerischem Wetter mal dreckig. Sonst drohst du dem Putzfimmel zu verfallen.» Unterstützung aber auch von Aussendienst-Mitarbeitenden der Putzmittelfirmen, «auf diese zähle ich heute noch». Zu seiner Ausrüstung gehört nämlich kein Computer. «Will ich nicht.» Er bestellt kein Putzmittel im Internet. «Höchstens telefonisch.» Will ihm jemand neue Produkte verkaufen, kommt er oder sie nicht um einen Besuch in Islisberg herum. «Ich will vorgeführt bekommen, was ich kaufen soll.» So handhabte er es bis zum Schluss.
Nicht nur für die Schule war Stutz zuständig, auch für Werkhofarbeiten im ganzen Dorf. «Anfangs noch ganz ohne Werkzeug», erzählt er. Schaufel, Heckenschere, Holzfräse, und, und, und. «Ich durfte mir eine ganze Werkstatt einrichten. Überhaupt, die Gemeinde, der Gemeinderat war immer sehr grosszügig.» Auch Fahrzeuge kamen dazu. Anfänglich ein Occasion-Einachser, später ein Schmalspur-Traktor und vor drei Jahren ein neues John-Deere-Modell. Damit ist Stutz in Islisberg unterwegs, leert die Abfalleimer, schneidet die Hecken, mäht die öffentlichen Rasen, sorgt sich um den Friedhof und macht den Winterdienst. «Das mache ich von allem am liebsten.» Die breiten Strassen pflügt zwar nach wie vor ein Landwirt, Stutz übernimmt die Plätze, die Trottoirs, die schmalen Strassen, streut überall Salz. «Morgens früh unterwegs zu sein, das mag ich. Alles ist schön ruhig, man sieht die ersten Spuren im Schnee.»
Dorf ist stark gewachsen
Die Abwechslung, sie ist der Hauptgrund, weshalb Hanspeter Stutz davon spricht, dass es für ihn ein Traumjob war. Dass er im Alltag oft alleine unterwegs war, störte ihn dabei nie. «Dafür war mir das Kafi fast heilig.» Möglichst in einem Restaurant, auch wenn er dafür mittlerweile zwei Dörfer weiter fahren muss. Hier trifft er sich mit Berufskollegen, tauscht sich aus. «Überhaupt, wir helfen einander, nicht selten auch mit Werkzeugen und Maschinen.»
Veränderungen hat Stutz so manche miterlebt. Als er vor 25 Jahren anfing, gingen in Islisberg 40 Kinder zur Schule, das Dorf zählte 500 Einwohner. Heute sind es 70 Schulkinder und 700 Einwohner. 2017 kam die neue Turnhalle hinzu. Auch hier hilft Stutz mit, wenn auch gewisse Bereiche an Reinigungspersonal ausgelagert sind. «Was sich nicht verändert hat, sind die Kinder. Und das ist auch gut so», betont Stutz. Er kennt sie alle, sie kennen ihn alle – über 25 Jahre hinweg. «Wenn sie am Dorffest auf mich zukommen und mit mir in Erinnerungen schwelgen, dann berührt mich das sehr», sagt er. Apropos Dorffest, Stutz organisierte dieses 20 Jahre als OK-Präsident mit, engagierte sich ähnlich lang im Vorstand der Schützen. Schiessen und Trycheln sind nach wie vor seine Hobbys.
Begegnungen werden fehlen
Überhaupt, langweilig droht es ihm trotz Pension nicht zu werden. «Ich werde nächstes Jahr Grossvater», sagt der Vater zweier erwachsener Kinder. Stutz hat Pläne für Veränderungen im und ums Haus. Und er arbeitet künftig Teilzeit bei einer Metzgerei und hilft im Catering-Bereich mit. «Trotzdem, ich hoffe auf mehr Zeit für mich, für die Familie und für den Freundeskreis.» Einen solchen pflegt er nämlich bis in die USA und nach Kanada. Den ganzen Oktober über weilte er dort. «Ferien abbauen», sagt er und grinst. Was er gemacht hat? «Freunden auf der Ranch geholfen.» Gearbeitet, so ist Hanspeter Stutz eben.
Schwer fällt ihm der Abschied nicht. «Weil ich vieles bewirken konnte und quasi für den Betrieb gelebt habe.» Fehlen werden ihm aber sicher all die Begegnungen. «Vor allem die Kinder.» Heute Abend steigt nun das grosse Abschlussfest. Islisberg bleibt Hanspeter Stutz aber auch nach seiner Pensionierung treu.

