Wie aus einem verlassenen Bachtobel nicht nur eine romantische, sondern auch eine nützliche Sache wurde. Am Schweizer Mühlentag öffnen jeweils 127 historische Mühlen und Sägen in allen Landesteilen ihre Tore. Dies tat auch die «Wyssebacher Sagi» am vergangenen Samstag. Dabei hätte das mittlerweile denkmalgeschützte Kulturgut beinahe einer Überbauung weichen müssen.

Sie wurde 1380 erstmals erwähnt, ist eine der ältesten im Freiamt und gehörte damals zum Kloster Muri. Die Rede ist von der Säge Weissenbach. Mit der Aufhebung des Klosters ging sie in Besitz der dort ansässigen Familie Köchli über. Mit zunehmendem Alter und schwieriger wirtschaftlichen Lage zerfiel die Mühle immer mehr. Martin Köchli, damaliger Besitzer, empfand die Sägerei als Last, was er auch von Nachbarn und Freunden immer wieder zu hören bekam. Einem Landverkauf für eine Überbauung stand nichts mehr im Weg, doch dann kam alles ganz anders.
Martin Köchli lernte seine Frau Josy kennen, welche der Ansicht war, dass man so etwas Altes mit einer solchen Geschichte nicht einfach zerstören durfte. Dank ihres Zutuns änderte sich der Blickwinkel von Köchli und er suchte nach einer geeigneten Lösung für den Erhalt der Sägerei. Diese wurde im eigens gegründeten Verein «Wyssebacher Sagi» gefunden. So wurde aus etwas Bedeutungslosem ein Kulturgut mit nationaler Bedeutung. Dank Spenden, Förderbeiträgen und unzähligen Arbeitsstunden steht die alte Sägerei in neuer Pracht da und ist nicht nur am nationalen Mühlentag zugänglich.
Ein Kubikmeter Holz pro Tag
Die Sägerei wurde mit der Absicht renoviert, sie später auch in Betrieb zu nehmen. Seit 2003 sägt nun die «Wyssebacher Sagi» CO2 neutral, mit ihrer Eingattersäge regelmässig Kleinaufträge. Säger Martin Köchli, nun vom Verein angestellt, führt spezielle Aufträge von Kunden aus. Rund einen Kubik Holz vermag Köchli in einem Tag zu verarbeiten. Gut Ding will Weile haben, und deshalb kann sich die Sägerei nach alter Holzfällerregel richten: Der Stamm sollte nach dem Fällen noch einen Frühling lang liegen. «Der Stamm treibt nochmals aus und so wird ihm Wasser entzogen», wusste Köchli zu berichten, «es entsteht ein formstabiles und schädlingsresidentes Holz». Was ein grosser Vorteil gegenüber den heutigen Sägereien biete.

Bild und Text: Monica Rast

Mehr im «Freiämter» vom Dienstag, 15. Mai.