In den Bergen statt in der Küche

Di, 11. Mai. 2021
Die Lust am Kochen ist Laura Diethelm (hinten rechts) nicht vergangen. In der Küche ihrer Eltern in Muri veranstaltet sie auf privater Basis Kochkurse – hier für einige ihrer ehemaligen Lehrerinnen und Lehrer. Bild: zg

Die Pandemie verändert den Alltag vieler Berufsleute – eine junge Köchin erzählt

Seit Mitte Dezember stand Laura Diethelm nicht mehr in der Küche des Gasthofs Krone in Blatten. Dabei ist die junge Murianerin eigentlich Köchin. Die Kurzarbeit zwang sie, ihre Tage anders zu füllen. Dabei hat sie neue Hobbys gefunden, das Wandern und die Skitouren.

Annemarie Keusch

Das Team, die Stimmung, die Gäste, das Kochen, gar der Stress. All das fehlt Laura Diethelm. Und das schon seit fünf Monaten. Die 21-jährige Murianerin, die seit zwei Jahren in Luzern lebt, ist Köchin – aus Leidenschaft. Das Experimentieren mit Lebensmitteln, den Gästen eine Freude machen, das sind nur zwei ihrer Argumente, weshalb sie einst die Kochlehre startete. Und sie tat dies nicht irgendwo, sondern im Art-Deco-Hotel Montana in Luzern. «Ich will nicht nur Schnitzel braten», sagt sie. Gehobenere Küche kombiniert mit traditionellen Gerichten, das ist das Konzept des Gasthofs Krone in Blatten. Und das passt bestens zu Laura Diethelm. «Wir bereiten auch Kutteln oder Markbein zu», betont sie. Seit Juni letzten Jahres ist sie Teil des «Krone»-Teams.

Kochkurse – aus Spass

Aber eben, die Restaurants sind geschlossen. Obwohl es möglich wäre, die Terrassen offen zu halten, bleibt die «Krone» zu. Laura Diethelm kann also ihrer Leidenschaft für das Kochen nicht nachgehen. Zumindest beruflich nicht. «Dafür habe ich die Motivation wieder gefunden, zu Hause aufwendig zu kochen», sagt sie. Und sie gibt Kochkurse, nicht offiziell und nicht aus wirtschaftlichen Gründen, dafür mit viel Spass.

Und Laura Diethelm hat neue Hobbys gefunden. «Die Berge faszinierten mich schon immer und zogen mich schon immer an», sagt sie. Jetzt, wo sie mehr Zeit hat, unternimmt sie mit Vater Stephan und teils mit einem Bergführer ausgedehnte Touren, im Sommer mit den Wanderschuhen, im Winter mit dem Splitboard. Die erste grosse Wanderung führte sie im Sommer auf den Uri Rotstock. Mittlerweile kamen zig Gipfel dazu, vor allem in den Urner Alpen. Doch trotz der grossen Freude am Alpinismus hofft sie, bald zurück in die Restaurantküche zu können.


Der Stress fehlt ihr

Laura Diethelm ist eigentlich Köchin im Gourmet-Tempel Gasthof Krone in Blatten

Schon monatelang war sie nicht mehr in der Küche der «Krone» in Blatten. Die Coronakrise trifft die Gastronomie hart. Betroffen sind vor allem auch die Arbeitnehmenden. Eine davon ist Laura Diethelm – viel Freizeit statt Stress in der Küche. Doch die junge Murianerin hat dadurch ein neues Hobby entdeckt.

Annemarie Keusch

«Es würde sich für uns nicht lohnen», sagt Laura Diethelm. Sie ist als Köchin im Gasthof Krone in Blatten angestellt. Und noch immer kann sie nicht arbeiten, auch nicht in einem kleinen Pensum. Die Terrasse im kleinen Dorf neben Malters ist noch immer geschlossen. «Das Restaurant steht zwar an einer Hauptstrasse. Aber Blatten ist klein. Hier hält nicht jedes Auto an. Wer zu uns kommt, der tut das bewusst und nicht per Zufall», sagt die 21-jährige Murianerin. In der «Krone» in Blatten ist das Essen ein Erlebnis. Die Küche entspricht gehobenerem Standard. «Klar, man kann auch Schnitzel mit Pommes bestellen, aber auf der Karte ist dieses Menü nicht aufgeführt.»

Genau das ist es, was die junge Murianerin suchte. Bewusst wählte sie für ihre Lehre das Art-Deco-Hotel Montana in Luzern und nicht eine Dorfbeiz im Freiamt. «Beide haben ihre Berechtigung und das ist gut so», betont sie. Das eine gegen das andere ausspielen, dass will Diethelm nicht. Es ist das Ausprobieren, das Spezielle, das ihr gefällt. «Den ganzen Tag frittieren oder Schnitzel anbraten, das sagt mir nicht zu.»

Von jedem Koch etwas lernen

Kochen spielt schon seit Jahren eine wichtige Rolle in Laura Diethelms Leben. Schon viele Jahre kocht sie immer wieder mit ihrem Vater und ihrem Grossvater. Und fand Gefallen daran. Eine Schnupperlehre in Luzern brachte Gewissheit: Das sollte der Beruf sein, den sie erlernen würde. Seit gut zwei Jahren ist die Lehrzeit vorbei, seit Juni letzten Jahres ist sie als Köchin in der «Krone» in Blatten tätig. «Wie der Betrieb so richtig auf Hochtouren läuft, habe ich erst während wenigen Wochen im Sommer miterlebt», sagt sie. Die Pandemie macht dem Ganzen einen Strich durch die Rechnung.

Aber die junge Köchin weiss, dass ihr die Arbeit in Blatten gefällt, auch wenn sie seit Dezember unter Kurzarbeit steht, hundert Prozent. Chefkoch Raphael Tuor war einst selbstständig, erreichte Michelin-Sterne. Die «Krone» war einst ein sehr berühmtes Restaurant. Mit der neuen Kombination soll der alte Glanz wieder aufscheinen. Teil dieses Teams zu sein, das ehrt Laura Diethelm. «Ich kann ganz viel lernen, jeder Koch, jede Köchin arbeitet anders, hat andere Tricks. Das ist sehr wertvoll.»

Nicht einfach, die Tage zu füllen

Auch das ist ein Punkt, weshalb die Murianerin, die seit zwei Jahren in Luzern in einer WG lebt, Köchin werden wollte. «Du kannst viele Eindrücke vereinen.» Das kreative Element gefällt ihr, auch die Tatsache, dass sie mit ihrem Handwerk Leute glücklich machen kann. «Es ist aber für mich einfach schön, dass ich mein Hobby und meine Leidenschaft zum Beruf machen konnte.»

Aber eben, diesen Beruf kann sie aktuell nicht ausüben. «Der Alltag fehlt mir, auch der Stress.» Es fehle ihr, den Lehrlingen etwas beibringen zu können, kreativ zu sein, aber auch ab und zu mit einem Gast zu plaudern. Und die Tage zu füllen, wird zunehmend schwierig. Die beiden Mitbewohner arbeiten. «Manchmal stehe ich auf und überlege, was ich heute machen soll.» Toll findet das Laura Diethelm nicht, auf jeden Fall nicht immer, oder nicht mehr.

Kochkurs mit ehemaligen Lehrerinnen und Lehrern

Das Positive daran: Laura Diethelm hat die Lust wieder gefunden, zu Hause in der WG aufwendig zu kochen. «Wenn man den ganzen Tag in der Küche steht, muss das sonst nach Feierabend nicht immer sein.» Jetzt hat sie Zeit dafür. Zeit zum Backen, zum Tortenmachen. Und um Kochkurse zu geben. Laura Diethelm lacht. Die Idee kam zustande im Gespräch mit der Nachbarin ihrer Eltern in Muri, die gleichzeitig ihre Grosstante ist und als Kindergärtnerin tätig war. Regelmässig hatte sie Lehrerkolleginnen und -kollegen zu Besuch. Und weil Laura Diethelm bei einigen selber als Schülerin im Unterricht sass, ging sie bei einigen der Treffen kurz vorbei, um Hallo zu sagen.

Im Gespräch kam die Idee des Kochkurses zustande. Vor wenigen Wochen wurde er durchgeführt. Diethelm bereitete Rezeptbüchlein vor, die zusammen durchgekocht wurden – von Spargelsuppe bis zu selber gemachten Ravioli. Die Begeisterung sei gross gewesen, «beidseitig». Das Gelernte weitergeben, Laura Diethelm mag das. Entsprechend kann sie sich auch vorstellen, nebenberuflich häufiger Kochkurse anzubieten.

Auf vielen Berggipfeln im Urnerland

Aber jeden Tag nur mit Kochen zu füllen, das gehe nicht. «Ein neues Hobby musste her», sagt die 21-Jährige, die in ihrer Freizeit viel Sport treibt, gerne reist und oft im Hockeystadion des EV Zug anzutreffen ist. Und diese neue Beschäftigung fand sie in den Bergen, die seit jeher für sie sehr wichtig sind. Im Sommer war es das Wandern. Im Winter entdeckte sie zusammen mit ihrem Vater Stephan Diethelm die Skitouren. Beide kauften sich ein Splitboard, erklimmen zu Fuss die Berge und fahren auf dem Board wieder runter. «Ein unglaubliches Gefühl. Die ganze Anstrengung ist vergessen.»

Immer höhere Gipfel nehmen die beiden in Angriff, mittlerweile oft in Begleitung eines Bergführers. Das Ziel? «Mein Vater will alle Gipfel, die er von unserer Terrasse aus sieht, erklimmen.» Bei schönem Wetter und guten Bedingungen können sie wöchentlich mehrere abhaken. Im Sommer sind wieder mehr Hüttentouren angesagt. Wenn Laura Diethelm dann noch Zeit dafür hat. Denn natürlich hofft sie, bald wieder in der Küche der «Krone» Blatten aktiv werden zu können.

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