Der Wille bleibt eisern

Do, 01. Apr. 2021
Dominique Meier beim Training im letzten Jahr vor dem Reusslauf. Es sollte der erste Vorbereitungswettkampf für den Ironman-Final werden. Stattdessen wurde es der erste von zahlreichen Anlässen, die abgesagt wurden. Bild: Archiv/jl

Triathlon: Dominique Meier aus Wohlen bereitet sich auf den Ironman in Hawaii vor – der vielleicht nicht stattfinden wird

Da der Final der Ironman-Triathlon-Serie im Vorjahr nicht stattfand, ist Dominique Meiers Qualilkation nach wie vor gültig. Er bereitet sich das zweite Jahr in Folge auf einen Wettkampf vor, der vielleicht nicht stattfindet. Ohne Wettkämpfe und mit erschwerten Trainingsmöglichkeiten.

Josip Lasic

Sonnenschein, türkisblaues Meer, grosse grüne Palmen und dazwischen über 2000 Athleten, die an ihre körperlichen Grenzen und darüber hinaus gehen. So sieht der Ironman-World-Championship-Final auf Hawaii normalerweise aus. 2020 war allerdings kein normales Jahr. Genauso wie zahlreiche andere Sportveranstaltungen auf der Welt, wurde der Final der Ironman-Serie wegen der Coronapandemie abgesagt.

Eine grosse Enttäuschung für Dominique Meier. Der Triathlet aus Wohlen hatte sich für den Final auf Hawaii qualifiziert. 2019 konnte er schon einmal am ältesten Triathlon über die Langdistanz starten. Er beendete ihn damals in einer Zeit von 9:36.24 auf dem 447. Rang unter rund 2500 Athleten. Ende 2019 konnte er in Vichy das Qualifikations-Ticket für den Final erneut lösen. Für die 2020er-Ausgabe hatte er sich ein besonderes Ziel gesetzt. Meier wollte die 3,86 km Schwimmen, 180,2 km Radfahren und den Marathonlauf über 42,195 km in weniger als neun Stunden beenden. Kurz nach der Qualifikation für den Final in Hawaii ist ihm das ein erstes Mal in Barcelona gelungen. «Auf Hawaii herrschen andere klimatische Bedingungen als in Spanien. Ich wollte die Leistung aus Barcelona dort bestätigen.» Die Pandemie liess das allerdings nicht zu. «Ich hatte schon alles gebucht. Flug, Unterkunft, Mietauto, alles. Schliesslich war ich qualifiziert und es gab keinen Grund nicht zu gehen – bis die Pandemie kam.» Die Buchungen konnten alle storniert werden, die Kosten wurden dem 29-Jährigen zurückerstattet. Um den Wettkampf wurde Meier dennoch gebracht.

Mittlerweile auch Lösung für Schwimmtraining gefunden

Die gute Nachricht: Da der Final 2020 komplett abgesagt wurde, gilt Meier nach wie vor als qualifiziert. Er ist an der Ausgabe vom 9. Oktober 2021 startberechtigt. Unermüdlich trainiert Meier weiter. Auch wenn die pandemische Lage die Bedingungen erschwert. «Laufen und Rad fahren geht problemlos. Vor allem jetzt, wo es wärmer wird. Ich habe ausserdem die Möglichkeit, in der Wohnung auf dem Rad zu trainieren», erklärt er und ergänzt, dass er froh ist, dass die Schweiz nie eine Ausgangssperre wie andere Nationen hatte. «Dann hätte ich nur noch Rad fahren können.» Das Problem war das Schwimmen. Mittlerweile hat Meier allerdings auch da eine Lösung gefunden. Ein Schwimmbad, wo er alleine trainieren darf. «Jetzt muss ich schauen, dass ich dort auch wieder fit werde. Auf dem Rad und beim Laufen glaube ich nicht, dass meine Form gelitten hat.»

Genau kann er es nicht sagen. Wettkämpfe, an denen er sich messen konnte, gab es nur sehr wenige. Genauer gesagt nur einen. Im vergangenen September startete er am «Tägi-Tri», einem Triathlon in Wettingen. Beenden konnte er den Wettkampf, der deutlich kürzer ist als der Ironman, auf dem 9. Rang. «Es wäre schon interessant zu sehen, wie meine Zeit an einem der Ironman-Wettkämpfe aussehen würde. Ich brauche die Anlässe aber nicht zwingend. Meine Motivation ist nicht kleiner.» Zusätzliche Motivation gibt ihm, dass er immer ein «Trainingsgspänli» hat. Meier lebt mit seiner Partnerin, Anja Schwegler, zusammen. Die Niederwilerin ist eines der Aushängeschilder der LR Wohlen. «Mittlerweile trainiert sie auch viel auf dem Velo. Wir haben uns einen Raum so eingerichtet, dass wir auf den Bikes nebeneinander trainieren können. Am ‹Tägi-Tri› hat sie auch ihren ersten Triathlon bestritten. Sie ist aber noch nicht so angefressen wie ich. Laufen ist eher ihr Ding.» Sich gegenseitig pushen und motivieren beim Training ist sicher nicht die schlechteste Voraussetzung für das Paar. «Auf ein Ziel, einen Wettkampf hintrainieren, ist momentan schwierig. Es ist aktuell nichts planbar.»

Kommen genug Teilnehmer zusammen?

Das gilt auch für den Ironman-Final. Es ist noch unklar, ob der Wettkampf dieses Jahr ausgetragen wird. Da wäre nach wie vor die Coronapandemie. Ausserdem ist unklar, ob genug Teilnehmer zusammenkommen. Der in Wohlen wohnhafte Sportler hat sich bei einem der ersten Qualifikationsevents für den Final 2020 die Teilnahme gesichert.

Ein grosser Teil der späteren Qualifikations-Wettkämpfe musste abgesagt werden. Die Veranstalter sind darauf angewiesen, dass diese Wettbewerbe im Frühling und Sommer stattfinden können, damit sich genügend Sportler für den Final in Hawaii qualifizieren können. «Finanziell würde es sich nicht lohnen, den Event mit nur 500 Startern durchzuführen.»

Keine Ferien auf Hawaii

Im Rennkalender sind etliche Qualifikationsrennen rund um den Globus aufgeführt. Ob diese durchgeführt werden können, steht in den Sternen. Der Triathlet befürchtet, dass die Organisatoren deswegen die Qualiikationsrichtlinien lockern. «Das würde den Anlass aus sportlicher Sicht verfälschen», sagt Meier. «Am Ironman-Final treten im Normalfall die besten Triathleten der Welt an. Deshalb ist es so etwas Besonderes, sich zu qualifizieren. Wenn sie dann anfangen, quasi die Qualifikationen zu verschenken, um genug Teilnehmer zusammenzukriegen, nimmt das dem Ganzen den Reiz.» Dominique Meier hat dieses Jahr noch nichts gebucht für Hawaii. Er wartet ab, wie sich die Situation entwickelt. «Dorthin reisen, um Ferien zu machen, wäre mir zu weit und zu teuer. Wenn ich hinfliege, dann für den Anlass.»

So trainiert er gegenwärtig weiter. Für einen Wettkampf, der vielleicht zum zweiten Mal in Folge nicht stattfindet. Der Wille des Triathleten ist auf jeden Fall eisern.

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