Die «Waldband» darf bleiben
28.11.2025 MuriBesuch beim Samichlaus
Bereits zum 30. Mal «Chlaushüsli» in Muri
Es symbolisiert in Muri traditionell den Start in die Nüssli- und Mandarindli-Saison, das Chlaushüsli. Heuer lud die Samichlaus-Gruppe Muri ...
Besuch beim Samichlaus
Bereits zum 30. Mal «Chlaushüsli» in Muri
Es symbolisiert in Muri traditionell den Start in die Nüssli- und Mandarindli-Saison, das Chlaushüsli. Heuer lud die Samichlaus-Gruppe Muri bereits zum 30. Mal Familien ein, dem Chlaus und den Schmutzli im Wald einen Besuch abzustatten. Manche, die heute organisieren helfen, haben den Brauch schon in ihrer eigenen Kindheit erlebt. Mit entsprechend viel Herzblut setzen sie sich für ein Weiterbestehen ein. --tst
Zu Besuch beim Samichlaus: Strahlende Kinderaugen am beliebten Anlass im Maiholz
Bevor es mit dem Chlausauszug und den Familienbesuchen losgeht, steht in Muri traditionell der Besuch im «Chlaushüsli» an. Die Nachfrage ist ungebrochen, auch bei der 30. Auflage.
Thomas Stöckli
Die Christbaum-Allee macht es deutlich: Jetzt ist es nicht mehr weit. «Wir haben die Allee auf dieses Jahr hin etwas verlängert», sagt Thomas Meyer, Materialchef im Vorstand des Vereins Samichlaus Muri sowie Co-Organisator des «Chlaushüsli», und lobt die gute Zusammenarbeit mit dem Forstbetrieb. Die Bäumchen erhält der Samichlausverein leihweise. Ihnen steht zu Weihnachten ein zweiter grosser Auftritt in einer hiesigen Stube bevor.
Singen und tanzen
Der Anmarsch vom Dorf am Waldrand, entlang der Lichterkette, gehört zum Erlebnis «Chlaushüsli» dazu. Hier kann die Spannung steigen. Dazu gehört auch das Anstehen vor dem Zulass. Die Kinder überbrücken die Zeit mit Singspielen und Tanz. Manche üben noch einmal ihr Versli. Andere haben ihre Laterne mitgebracht, ganz Teil des stimmungsvollen Lichterzaubers im dunklen Wald, hinter dem Forstwerkhof. Der Samichlaus, der zu den Wartenden stösst, hat sichtlich Freude am Gesang: «Möchtet ihr grad bei mir bleiben, als ‹Waldband›?», fragt er die Kinder. Mit dem vielstimmigen «Ja!» hätte er offenbar nicht gerechnet. Dann nimmt er sich Zeit, für Erinnerungsfotos zu posieren.
Es ist das 30. Mal, in dem der Murianer Verein ins «Chlaushüsli» einlädt. Und auch heute noch strahlt der Anlass weit über die Gemeinde- und Bezirksgrenze hinaus. «Das sieht man nur schon an den Auto-Nummernschildern: ZH, LU und sogar SO.» Von Letzteren weiss er, dass es sich um eine vor Jahren «ausgewanderte» Familie handelt, die mittlerweile mit der nächsten Generation kommt.
Mediale Aufmerksamkeit
Das «Chlaushüsli»-Jubiläum hat sich durch die beiden Ausfälle in den Pandemiejahren etwas verzögert. «Am Anfang waren wir weitherum die Einzigen, die das anboten», sagt Thomas Meyer. Vor 25 Jahren war denn sogar das Schweizer Fernsehen zu Gast, um über das Murianer «Chlaushüsli» zu berichten.
Damit alles bereit ist, wenn die Gäste kommen, sind am Samstagmorgen jeweils ab 9 Uhr 35 bis 40 Vereinsmitglieder am Aufbauen und Einrichten. Das gemeinsame Zmittag mit Suppe und Fleisch entschädigt für den Einsatz und stärkt das Gemeinschaftsgefühl. An den Abenden sind dann jeweils noch 20 Leute beschäftigt. Wenn alles vorbei ist, essen sie gemeinsam Znacht. «Das Dessert ist gegeben», sagt Meyer, «es gibt immer Lebkuchen.»
Familiäre Prägung
Meyer hat das «Chlaushüsli» selbst schon als Kind erlebt. Konkrete Erinnerungen habe er kaum noch, die Faszination Samichlaus hat er allerdings von seinem Vater Bruno geerbt, der vor ihm in der gleichen Funktion im Vereinsvorstand war. Kein einzigartiger Werdegang, wie er mit Beispielen untermauert: Auch Präsident Martin Burkart und «Mr. Chlaushüsli» Stefan Frey seien ähnlich familiär vorgeprägt worden.
Mit grossem Engagement und Liebe zur Tradition geben sie und die anderen Vereinsmitglieder ihre Faszination weiter. Und das kommt an: Bereits um 16.30 Uhr stehen die ersten Samichlaus-Fans vor dem «Holzhüsli» mit den stimmigen rot-weiss-karierten Vorhängen an den Fenstern an. Drinnen wird fleissig Lebkuchen gebacken. Der Geruch komplettiert die Sinneseindrücke. Gebannt lauschen die Kinder dem zehnminütigen «Gschichtli» des Samichlaus, der vor ihnen auf dem eindrücklichen Stuhl thront. Strahlende Kinderaugen nehmen die zauberhafte Atmosphäre auf.
Mithilfe bei der Schmutzli-Arbeit
Das Erlebnis setzt sich im Freien fort. Hier feuern zwei Schmutzlis ein, um über der Grillstelle Wasser zu erhitzen.
Zum Lebkuchen wird nämlich traditionsgemäss Tee angeboten. Weitere Schmutzlis binden mit Unterstützung der Kinder Ruten, sägen Holz und kümmern sich ums «Eseli». Dem gefällt es offenbar beim Samichlaus: «Gestern dauerte es zwanzig Minuten, bis es wieder im Anhänger war für die Heimfahrt nach Boswil», erzählt Thomas Meyer und lacht.
An drei Abenden in Folge betreibt der Samichlaus Muri Verein jeweils sein «Chlaushüsli», von Samstag bis Montag. «Der Sonntag ist am beliebtesten», weiss Meyer aus Erfahrung. Dann reisen die Leute teilweise auch von weither an. Am Montag ist die Dorfbevölkerung dann weitgehend unter sich. Man kommt zu Fuss – wenn denn das Wetter mitspielt. Am stimmungsvollsten ist das Erlebnis natürlich mit Neuschnee. «Vor 14, 15 Jahren hatten wir das», erinnert sich Thomas Meyer. «Da war jede Tanne weiss.» Dieses Jahr zeigte sich das Nass in anderer Form, insbesondere am Montag. Aber vielleicht ja nächstes Jahr ...?




