Dietrich gegen die Hitze
09.06.2026 Bremgarten, SchuleBremgarter Lehrer und SP-Grossrat mit Interpellation in Aarau
Stefan Dietrich hat beim Regierungsrat einen Vorstoss eingereicht, der Massnahmen gegen zu heisse Schulzimmer fordert. Ein Problem, das er in seinem Alltag auch in Bremgarten immer wieder antrifft. ...
Bremgarter Lehrer und SP-Grossrat mit Interpellation in Aarau
Stefan Dietrich hat beim Regierungsrat einen Vorstoss eingereicht, der Massnahmen gegen zu heisse Schulzimmer fordert. Ein Problem, das er in seinem Alltag auch in Bremgarten immer wieder antrifft.
Marco Huwyler
Es sei «längst kein Randproblem mehr», findet Stefan Dietrich. Die Hitzebelastung in Schulzimmern. «Der Klimawandel führt auch in unserem Kanton zu immer mehr Hitzetagen, längeren Trockenperioden und häufigeren Extremereignissen», schreibt der Bremgarter SP-Grossrat in einer Interpellation, die er als Sprecher gemeinsam mit weiteren Unterzeichnenden von GLP, Mitte und FDP in Aarau eingereicht hat.
Die Situation erfordere Massnahmen und Anpassungen, findet Dietrich. «Darauf weist der Kanton selbst hin, indem er sich neben dem Klimaschutz auch Klimaanpassung auf die Fahne schreibt.» Besonders betroffen seien dicht besiedelte Gebiete sowie ältere Gebäude mit unzureichender Beschattung und Lüftung.
Auch in Bremgarten spürbar
Das Problem ist bekannt: Gerade ältere Schulhäuser heizen sich während sommerlicher Hitzeperioden stark auf. «Das erlebe ich in Bremgarten selber», sagt Dietrich. Als Sekundarschullehrer unterrichtet er seit vielen Jahren im Isenlauf-Schulhaus – einem Gebäude aus den 1970er-Jahren. «Egal, wie gut wir lüften und die Storen runterlassen – es wird trotzdem immer sehr heiss an Hitzetagen.» Und dies, obwohl das Schulhaus direkt an der Reuss und ohne allzu sehr Asphalt-versiegelte Nachbarschaft klimatisch vergleichsweise gut liege. «Ich kann mir deshalb gut vorstellen, wie es andernorts noch prekärer sein muss», sagt Dietrich. In Bremgarten denkt er dabei beispielsweise ans altehrwürdige Stadtschulhaus. Wobei der Horizont des Grossrats selbstverständlich nicht aufs Städtli beschränkt ist. «Ich weiss, dass Lehrer und Kinder in ganz vielen Gemeinden unter der Problematik leiden», berichtet Dietrich. Das Thema aufs kantonale politische Parkett zu bringen, schwirrt im deshalb schon länger im Kopf herum. «Nun, mit einem weiteren Sommer vor der Brust und wo der Dachverband der Lehrer ebenfalls Massnahmen forderte, war der richtige Zeitpunkt für einen Vorstoss gekommen», findet Dietrich. Der schweizerische Lehrpersonen-Dachverband (LCH) hatte unlängst in einem Positionspapier Massnahmen wie Klimaanlagen und Grenzwerte gefordert.
Eigentlich von vielen Stellen gefordert
«Es ist erwiesen, dass Hitze Konzentration, Leistungsfähigkeit und Wohlbefinden von Schülern und Lehrpersonen gleichermassen beeinträchtigt», sagt Dietrich. In seiner Interpellation weist er darauf hin, dass verbindliche Hitzeschutzmassnahmen und klare Empfehlungen für Schulen vom LCH seit Jahren gefordert werden. «Zumal auch arbeitsmedizinische Empfehlungen des Bundes darauf hinweisen, dass hohe Temperaturen Gesundheit und Leistungsfähigkeit beeinträchtigen können.» Das Staatssekretariat für Wirtschaft (SECO) halte ebenfalls fest, dass Arbeitgeber verpflichtet sind, zumutbare klimatische Bedingungen sicherzustellen und bei Hitze geeignete Schutzmassnahmen zu treffen. Entsprechend sei jetzt in den Unterrichtsräumen ein Handeln gefragt. «Und zwar nicht nur auf Gemeindeebene», wie Dietrich findet. «Der Kanton darf diese hier nicht allein lassen.» Gerade auch vor dem Hintergrund der gut dastehenden Kantonsfinanzen – im Vergleich zu vielen klammen Gemeinden.
Ein kantonaler Stufenplan?
«Schulen haben gleichzeitig einen Bildungs- und Betreuungsauftrag», betonen Dietrich und seine Mitunterzeichnenden. Es gehe deshalb nicht einfach um «hitzefrei», sondern «um planbare, pädagogisch sinnvolle und gesundheitlich verantwortbare Lösungen», fordern sie im Schreiben an den Regierungsrat. Viele Gemeinden stünden vor erheblichen finanziellen und planerischen Herausforderungen, wenn Schulhäuser auf ihre Kosten an die zunehmende Hitze angepasst werden müssen. Der Regierungsrat solle deshalb aufzeigen, ob und wie ein kantonaler Stufenplan entwickelt werden kann, der kurzfristige organisatorische Massnahmen mit langfristiger Klimaanpassung der Schulgebäude verbindet.
10 Fragen an die Regierung
Dietrich ist froh, dass es ihm gelungen ist, eine breite parteiübergreifende Interpellation einzureichen. «Uns geht es allen primär einmal darum, dass man das Thema überhaupt auf dem Schirm hat», sagt Dietrich. Zu diesem Zweck stellen der Bremgarter Grossrat und seine Mitunterzeichnenden dem Regierungsrat 10 konkrete Fragen:
Wie beurteilt der Regierungsrat die zunehmende Hitzebelastung in Schulzimmern und auf Schularealen im Kanton vor dem Hintergrund der erwarteten klimatischen Entwicklung?
Gibt es kantonale Daten, Erhebungen oder Erkenntnisse zu Raumtemperaturen in Aargauer Schulhäusern während Hitzeperioden? Falls nein, besteht Bedarf für eine systematischere Datengrundlage?
Welche Empfehlungen gelten heute für Schulen, wenn Unterrichtsräume übermässig heiss werden, und welchen Handlungsspielraum haben Schulen und Gemeinden gemäss geltender Gesetzeslage?
Welche Massnahmen sind heute für Schulen bei grosser Hitze rechtlich verbindlich, welche beruhen auf Empfehlungen, und sieht der Regierungsrat Bedarf, diese Vorgaben kantonal zu präzisieren oder zu vereinheitlichen?
Ist der Regierungsrat bereit, gemeinsam mit Gemeinden, Schulen und Fachstellen die Erarbeitung eines kantonalen Stufenplans Hitze an Schulen zu prüfen? Welche Elemente sollte ein solcher Stufenplan aus Sicht des Regierungsrats enthalten (z.B. Schwellenwerte, organisatorische Massnahmen oder Empfehlungen für Unterrichtsanpassungen)?
Welche kurzfristigen organisatorischen Massnahmen erachtet der Regierungsrat als geeignet, um die Belastung durch Hitze zu reduzieren, beispielsweise die Verlegung des Unterrichts in kühlere Räume, Anpassungen bei Sport und Prüfungen, zusätzliche Trinkmöglichkeiten oder flexible Stundenpläne?
Ist der Regierungsrat bereit, zu prüfen, ob bei aussergewöhnlicher Hitze beziehungsweise unzumutbaren Raumtemperaturen kantonal einheitliche Regelungen für Unterrichtsanpassungen oder Unterrichtsverkürzungen geschaffen werden sollen?
Welche langfristigen baulichen und klimaanpassenden Massnahmen erachtet der Regierungsrat als besonders wirksam, um die Hitzebelastung an Schulstandorten zu reduzieren (z.B. Beschattung, Begrünung, Bäume, Entsiegelung, Lüftung, Nachtauskühlung oder Schwammstadt-Elemente)?
Wie kann der Kanton die Gemeinden bei der Planung und Umsetzung solcher Massnahmen unterstützen, beispielsweise durch Beratung, Richtlinien, Förderprogramme oder finanzielle Beiträge?
Sieht der Regierungsrat angesichts häufiger werdender Hitzeperioden langfristig auch Anpassungsbedarf bei der Schuljahres- und Ferienplanung? Wurden oder werden Modelle geprüft, die stärker auf klimatische Entwicklungen und wiederkehrende Hitzepeaks Rücksicht nehmen?

