Gedanken zur Fastenzeit von Pfarrer Georges Schwickerath – warum Verzicht guttut
Mit dem Aschermittwoch endet – zumindest in den katholischen Gebieten – die Fasnacht, und es beginnt für die Christen die
Fastenzeit oder österliche Busszeit.
Während 40 Tagen bereiten sich die Christen aller Konfessionen und Bekenntnissen auf Ostern vor. Sie tun dies durch Gebet, Studium der Heiligen Schrift und natürlich auch durch Fasten. Früher bedeutete das Fasten Verzicht von gewissen Nahrungsmitteln wie Fleisch, Süssigkeiten oder den Genuss von Alkohol. Diese Entsagungen dienten der Läuterung und der spirituellen Vorbereitung auf Ostern.
Innere Reinigung von Fehlern
Das Fasten, also den bewussten und selbst auferlegten Verzicht von Speisen und Getränken, kennt man aber nicht nur im Christentum. Auch
in anderen Religionen und Weltanschauungen gehört Fasten zur inneren Reinigung von Fehlern. Es geht aber auch um ein inneres «Freiwerden», um ein «Zu-sich-selber-Finden». Nachdem man die Anfangsschwierigkeiten (Hungergefühl, mö­gliche Übelkeit, dumme Bemerkungen von Mitmenschen usw.) beim Fasten überwunden hat, entsteht das Gefühl, dass man die Welt mit «neuen Sinnen» wahrnimmt. Der Stoffwechsel des Körpers ändert sich und damit auch die Wahrnehmung des Lebensgefühls. Viele sagen mir, dass sie durch Fasten die Welt «intensiver» wahrnehmen. Medizinisch gesehen, kann Fasten dem Körper sehr gut tun.
Bewusst verzichten ist zeitgemäss
Im Internet kann man ganze Wellness-Seminare oder Kurse zum Thema Heilfasten buchen. Sogar Promis «schwören» auf die positiven Auswirkungen des Fastens.
Fasten scheint also wieder im Trend zu liegen, weil es uns gut tut. Ganz nebenbei verliert man ja auch noch ein paar Pfunde des sogenannten «Winterspecks».
Fasten bedeutet aber auch innerlich frei werden von Dingen, die uns abhängig machen. So bekommt das moderne Fasten noch ganz andere Dimensionen. Der bewusste Verzicht oder das Reduzieren von Fernsehkonsum, Computer, Smartphone usw. zeigen uns, dass es noch andere Dinge gibt als die Wahnvorstellung, ständig erreichbar sein zu müssen, oder immer über alles informiert sein zu müssen. Wer nicht ständig am Smartphone hängt, hat plötzlich wieder Zeit für einen Spaziergang in der Natur oder ein gutes, vielleicht längt überfälliges Gespräch mit einem ­lieben Mitmenschen. Wer nicht für jeden Meter ins Auto steigt, tut nicht nur etwas für die Bewegung und die Gesundheit, sondern schont auch noch die Umwelt. Wer sich wieder mal Zeit für sich selber nimmt, der ist innerlich wie äusserlich wesentlich ausgeglichener und damit zufriedener mit sich selbst und erträglicher für seine Mitmenschen.
Damit die Seele gern im Körper wohnt
Fasten bedeutet frei werden von Dingen, die einem nicht gut tun oder die einen zu stark in Besitz nehmen. Fasten kann aber auch bedeuten, herauszufinden oder neu zu entdecken, was einem gut tut und dies auch bewusst tun. Die heilige Teresa von Avila (1515 bis 1582) hat es vor hunderten vor Jahren wie folgt auf den Punkt gebracht: «Tu deinem Leib ­etwas Gutes, damit deine Seele Lust hat, darin zu wohnen.»
In diesem Sinne wünsche ich uns allen eine lustvolle Fastenzeit, wie auch immer diese aussehen möge…

Mehr im «Freiämter» vom Dienstg, 13. Februar