Ein Ball ohne Gäste

Fr, 19. Feb. 2021

Tanzschule Dancer’s World in der Zwangspause

Die leeren Säle der Murianer Tanzschule sprechen Bände. Eine kesse Sohle aufs Parkett zu legen oder über selbiges zu gleiten wie Fred Astaire und Ginger Rogers, davon kann man im Moment nur träumen. Dancer’s World gibt jedoch nicht auf.

Seit bald einem Jahr befindet sich die gesamte Tanzbranche im Ausnahmezustand. Dancer’s World muss einschneidende Auflagen einhalten und monatelang stand und steht das Tanzleben still. Das hinterlässt Spuren. Die Tanzlehrerinnen und -lehrer der Tanzschule in Muri und Dietikon warten ungeduldig auf ihren Wiedereinstieg. Tanz ist ihr Beruf, Hobby und Leben. Die Zwangspause zermürbt.

Krisen befeuern aber auch immer die Fantasie. Es gibt innovative Ideen. So lanciert der Tanzlehrer-Verband ein völlig neues, noch nie da gewesenes Charité-Projekt: Ghost-Ball am 20. März. Der Ball ist ein «Amuse-Bouche». Es ist ein Augenzwinkern. Es ist ein Ball, der nicht stattfinden wird. Und trotzdem soll er an die Schönheit der Bälle, den Zauber der Vorbereitung, die Aufregung bei den ersten Tanzschritten am Ball oder das Flanieren im Kaleidoskop wunderschöner Ballkleider erinnern. Alle Ticket-Einnahmen von www.ghostball.ch werden direkt an die Swissdance-Tanzschulen gleichmässig verteilt. Jedes Tanzstudio und jede Tanzschule bekommt unabhängig von ihrer Grösse den gleichen Betrag. Das Überleben kann dieses Pflästerli bei vielen leider nicht sichern, aber es ist ein Zeichen der Solidarität.

Unterricht per Zoom

Dancer’s World präsentierte ihren Kundinnen und Kunden mit einer Unterrichtseinheit per Zoom ein eigenes Schmankerl. Tanzt in der eigenen Stube, hiess es am Donnerstag, 28. Januar. Es gab Linedance-Instruktionen und dann auch eine Dance-Party mit DJ Kay. Manch eine Küche oder ein Wohnzimmer eignete sich bestens, um das Tanzfeuer am Brennen zu halten. Über 100 Menschen haben mitgemacht.

Bis März ist die Tanzschule in Muri und Dietikon geschlossen. Gerda Leimgruber und Marcus Mnerinsky sind froh, haben sie noch finanzielle Reserven. Aber die Rücklagen schmelzen. Die Tanzschulinhaber sind dankbar für die neue Härtefallregelung des Bundes. Die angekündigte Hilfe entlastet und gibt Hoffnung. Vor allem vermissen Leimgruber, Mnerinsky und ihr 11-köpfiges Team die unbeschwerte Atmosphäre der Unterrichtsstunden. Die herzlichen Begegnungen fehlen, aber alle sind überzeugt, dass die Stammkundschaft mit neuem Elan, mit grossem Tanzhunger und unbändiger Lernfreude im Frühling das Parkett wieder bevölkern wird. Ob Tanzreisen, Hochzeitstänze oder allgemeine Tanzkurse – im Frühling darf man hoffentlich wieder das Tanzbein schwingen.

Sich gegen einen Koller zu wehren, obwohl die Zeichen der Zeit entmutigen könnten, das geht mit Tanz. So kommen Paare mit einem feurigen Salsa ins Schwitzen in ihrer Küche. Einzelne gucken sich die Tanzschritte vom Jahreshit Jerusalema ab.

Tanz spendet Lebensfreude

Andere erinnern sich an die Discofoxfiguren und wirbeln zwischen Sofa und TV-Station herum. Was Fred und Ginger schon wussten, gilt auch heute noch: Heisse Sohlen zaubern gute Laune. --zg

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