Ein erster Einblick

Fr, 15. Jan. 2021
Ein zufriedener Hans-Peter Budmiger in der ersten Sitzung als GLP-Grossrat des Bezirks Muri. Bild: Alexander Wagner

Hans-Peter Budmiger ist als Grossrat vereidigt

Wirklich spannend war sie nicht, die erste Grossratssitzung. Viele Reden, Wahlen, die Vereidigung. Nur ein Sachgeschäft galt es zu besprechen. Trotzdem gewährte die Sitzung Hans-Peter Budmiger einen ersten Blick in sein neues Amt als Grossrat. «Der Parlamentsbetrieb ist für mich neu, entsprechend war es spannend», sagt der Murianer Gemeindepräsident.

Er spricht über die Ziele als Grossrat und darüber, welche Themen er konkret ansprechen will. --ake


Die Euphorie ist immer noch da

Hans-Peter Budmiger (GLP) ist der einzige Neue für den Bezirk Muri im Grossen Rat

Vereidigt ist er. «Viel mehr aber auch nicht», sagt Hans-Peter Budmiger. Die erste Grossratssitzung hat er hinter sich. Noch im Januar folgt die erste in seiner Wunschkommission, Gesundheit und Sozialwesen. «Dort beginnt die grosse Arbeit.» Auf diese freut er sich, denn Ziele hat Budmiger als Grossrat einige.

Annemarie Keusch

Er ist gefordert. Die Erwartungen sind hoch. Das weiss Hans-Peter Budmiger. Vorschusslorbeeren hat er viele erhalten. Dass er diese Erwartungen nicht erfüllen kann, davor hat der Murianer Gemeindepräsident und Neo-Grossrat keine Angst. Trotzdem sagt er: «Eine erste Bilanz wird es in zwei Jahren geben.» Es werde ihm nicht alles gelingen, «ganz sicher nicht». «Aber es wird auch nicht alles schlecht sein.»

Gewählt wurde Budmiger im Herbst mit einem Glanzresultat. Seine Partei, die GLP, legte im Bezirk Muri erdrutschartig an Wähleranteilen zu. Die Feier war überschwänglich – so überschwänglich, wie es zu Coronazeiten eben ging. Die Euphorie war gross. Und sie ist immer noch da, wenn auch etwas abgeschwächt. «Das ist doch normal.» Die erste Grossratssitzung hat Budmiger hinter sich. Ob er nervös gewesen ist? Budmiger spricht von einer gesunden Anspannung. «Nervös bin ich wohl dann, wenn ich mich erstmals zu Wort melde», sagt er. Bei der ersten Sitzung war dies nicht der Fall. «Das gehört sich nicht.»

Auf viele bekannte Gesichter getroffen

Budmiger grinst, angesprochen auf die ersten Eindrücke. «Ich wusste, dass es eine Art Aufwärmsitzung ist.» Die Vereidigung stand an, Wahlen, Reden und nur ein Sachgeschäft. Dennoch, erste Grossratsluft hat der Murianer geschnuppert. Vieles sei für ihn neu. «Ich kenne den Parlamentsbetrieb überhaupt nicht.» Auch die Parteiarbeit in einer Fraktion ist für Budmiger Neuland. An der ersten Sitzung traf er aber auch auf viele bekannte Gesichter. Aus den Bezirken Muri und Bremgarten habe er schon fast alle Grossräte gekannt, auch von der Gemeindeammännervereinigung oder seinem Amt als Präsident des Stiftungsrates der Pro Senectute Aargau seien ihm viele Gesichter bekannt gewesen. «Das Verhältnis ist kollegial, freundlich, ungezwungen», beschreibt er.

Die grosse Arbeit geht bald los, in den Kommissionen. Dass er gerne in der Kommission Gesundheit und Sozialwesen mitarbeiten würde, daraus machte Budmiger schon im Wahlkampf keinen Hehl. Dass ihm die GLP-Fraktion dies ermöglichte, freute ihn ungemein. Den ersten Vorstoss hat Budmiger schon vorbereitet. Der Hausärztemangel, speziell im Freiamt, ist dabei das Thema. «Ich werde mich daran machen, diesen Vorstoss an einer der nächsten Sitzungen einzureichen.»

Andere Anreize schaffen

Die Themen, die Budmiger in der Kommission und im Grossrat ansprechen will, sind breit gefächert. «Es ist mir wahnsinnig wichtig, dass – gerade in der jetzigen Zeit – die ältere Generation nicht als Risiko gesehen wird.» Er werde dagegen ankämpfen, dass die Generationen gegeneinander ausgespielt werden. «Wie ich das konkret mache? Das ist schwierig. Aber als Präsident des Stiftungsrates der Pro Senectute Aargau ist es in meiner Verantwortung, dass die älteren Leute nicht stigmatisiert werden.» Das Alter als Chance zu sehen, wäre ein Aspekt. Flexibles Rentenalter ist ein Stichwort. «Das wird aber auf Bundes- und nicht auf Kantonsebene entschieden.»

Vorgelagertes Wohnen zu fördern, etwa betreutes Wohnen in unmittelbarer Nähe zu Heimen, ist ein weiteres seiner Ziele. «Heute ist der finanzielle Anreiz so, dass die Leute möglichst lange zu Hause bleiben und dann direkt ins Heim gehen. Hier will ich Gegensteuer geben.» Solche Alterswohnungen machen laut Budmiger volkswirtschaftlich Sinn. Nur, sind sie bisher nicht mittels Ergänzungsleistungen unterstützt. «Das muss sich ändern.»

GLP soll keine Fahne im Wind sein

Am gleichen Ort arbeiten, wohnen und die Freizeit verbringen, ist auch etwas, was Budmiger am Herzen liegt. Und auch Umweltanliegen will er angehen. «Es kann nicht sein, dass Autos mit alternativen Antriebsformen bei der kantonalen Besteuerung nicht bevorteilt werden», sagt er. Zu nennen, was nach seinem ersten Vorstoss folgt, fällt Budmiger schwer. «Zuerst muss ich mich einleben, sehen, wie alles läuft.»

Der Murianer Gemeindepräsident verfolgt als Grossrat nicht nur persönliche Ziele. Auch jene der Partei sind für ihn zentral. «Wir müssen als GLP für andere Parteien ein verlässlicher Partner werden», sagt er. Dank den vielen Sitzgewinnen verfüge die GLP nun über eine Fraktionsstärke, die das Zünglein an der Waage sein könne. Eine Windfahne wolle die Partei nicht sein und entsprechend sei es an jedem Grossratsmitglied, zur Identität der GLP beizutragen.

Beim Thema Landwirtschaft nicht auf einer Linie

Seit gut einem Jahr gehört Budmiger einer Partei an. «Die GLP ist in sehr, sehr, sehr vielen Punkten ganz nahe bei mir», sagt er. Wo nicht? Budmiger schmunzelt und überlegt. «Allenfalls beim Thema Landwirtschaft», sagt er. Auf einem Bauernhof aufgewachsen befürworte er eine produzierende Landwirtschaft. «Hier bin ich vielleicht näher bei den Landwirten, als es meine Partei ist.» Es ist der einzige Punkt, den Budmiger auf diese Frage nennt.

Erst im März folgt die zweite Grossratssitzung für Neuling Budmiger. Dazwischen wartet der Start in der Kommissionsarbeit. Dass die Erwartungen an ihn hoch sind, dessen ist sich der Murianer bewusst. Auch, dass er neu von morgens früh bis abends spät als Grossrat wahrgenommen und angesprochen wird. Trotzdem, oder gerade deshalb, sagt er: «Ich will kein 0815-Politiker sein, obwohl ich mich sehr stark in der Politik bewege.» Was heisst das? Sich als Politiker nicht allzu wichtig zu nehmen? Nicht nur auf die Politik reduziert zu werden? «Ich möchte einfach Hans-Peter Budmiger sein und nicht nur der Politiker, obwohl das natürlich sehr eng zusammengehört.»

Category: 

Neuen Kommentar schreiben

Die Emailadresse wird nicht veröffentlicht oder an dritte weitergegeben. Sie wird nur zu Kontaktzwecken im Zusammenhang mit diesem Kommentar verwendet.
CAPTCHA
Diese Frage hat den Zweck zu testen, ob Sie ein menschlicher Benutzer sind und automatisiertem Spam vorzubeugen.

Kommende Events

Stellen

Immobilien

Diverses

Trending

1

Mit der Sicht von aussen

Seit knapp drei Monaten ist Severin Bättig der neue Gemeindeschreiber in Muri

Er wohnt in der Stadt Luzern, Berührungspunkte zu Muri hatte er keine. «Ich bin hier ein unbeschriebenes Blatt», sagt Severin Bättig. Entsprechend braucht er Zeit, sich in alle Themen und Bereiche einzulesen. Gleichzeitig bringt er die Aussensicht mit. Und die kann der Gemeinde auch helfen.

Annemarie Keusch

Der Aufgabenbereich ist gross. Die Themen sind breit gefächert. Das ist es, ...