Ein gutes Gefühl

Fr, 23. Okt. 2020
Pfarrer Stephan Stadler in seinem Büro. Die Figuren «Wer nicht wagt» (links) und «Stufen zum Erfolg» sind für ihn mehr als nur Kunstskulpturen. Bild: Sabrina Salm

Seit September leitet Stephan Stadler den Pastoralraum Muri und Umgebung

Stephan Stadler ist 53 Jahre alt und hat über 20 Jahre lang im Baselbiet in verschiedenen Funktionen gewirkt. Nun ist er der neue Pfarrer im Pastoralraum Muri und Umgebung. Trotz besonderen Umständen hat er sich bereits gut eingelebt und sich einen Eindruck der sechs Pfarreien machen können.

Sabrina Salm

«Ich freue mich auf die Begegnungen mit den Freiämtern», hat er bei der Vertragsunterzeichnung vom Dezember letzten Jahres gesagt. Dies sei nach wie vor so, sagt Stephan Stadler. Doch die aktuelle Covid-19-Situation macht die Begegnungen schwieriger. Momentan könne man den Menschen nicht so begegnen, wie man es gerne hätte. So wurde auch sein Pfarr-Installations-Gottesdienst am 6. September nicht wie geplant gross gefeiert. Stattdessen begab er sich auf eine kleine Rundtour durch die sechs Pastoralraumpfarreien und wurde jeweils an einem speziellen Gottesdienst begrüsst. Er habe einen schönen Einstand gehabt und wurde herzlich empfangen. «Es ist für mich eine sehr spannende Zeit. Ich lerne viel», sagt Stephan Stadler.

Offener und schöner Austausch

Ein positiver erster Eindruck von den Pfarreien Muri, Aristau, Bünzen, Beinwil/Freiamt, Boswil-Kallern und Merenschwand bleibt nach dem ersten Kennenlernen zurück. «Noch bin ich ja ein designierter Pfarrer. Im November werde ich aber hoffentlich auch von den Kirchgemeinden offlziell gewählt.» Bisher laufe die Zusammenarbeit in seinem Team sowie mit den Kirchenpflegen gut. «Es ist ein offener, schöner Austausch.» Das gebe ihm ein gutes Gefühl. Stephan Stadler stammt aus Passau in Bayern. Der staatlich anerkannte Erzieher studierte an der Universität Eichstätt zuerst Religionspädagogik und Kirchliche Bildungsarbeit, wechselte dann zur Theologie und bildete sich danach in Freiburg im Breisgau zum Diplom-Caritaswissenschaftler weiter. Seit 1999 arbeitet Stephan Stadler als Seelsorger in der Schweiz, zuerst als Pastoralassistent, Diakon und nach seiner Priesterweihe 2003 als Vikar in St. Anton, Basel. Ab 2017 war er leitender Priester im Pastoralraum Laufental-Lützeltal. Nun hat er mit dem Umzug nach Muri etwas Neues angepackt. «Es war der richtige Zeitpunkt», sagt er. «Ich freue mich darauf, hier neue Bräuche und Traditionen kennenzulernen.» Er sei ein Neugieriger, sagt der neue Pastoralraumpfarrer.


Über den Tellerrand schauen

Pfarrer Stephan Stadler fühlt sich im Pastoralraum Muri und Umgebung wohl

Seit September ist Stephan Stadler als Pastoralraumleiter der sechs Pfarreien Muri, Boswil-Kallern, Beinwil, Aristau, Bünzen und Merenschwand tätig. Als eine spannende Zeit, beschreibt er das erste Kennenlernen. Er freut sich auf viele weitere Begegnungen mit den Freiämtern.

Sabrina Salm

In seinem Büro im Pfarrhaus hat sich Stephan Stadler eingerichtet. Utensilien und Kunstgegenstände, die für ihn eine grosse Bedeutung haben, dürfen nicht fehlen. Wie etwa die Figuren von Luise Kött-Gärtner. Die Künstlerin fertigt Skulpturen mit angedeuteten Personen an. Ihre Bronze-Skulpturen versinnbildlichen Situationen, Lebensabschnitte, Erfolge, Teilabschnitte im Leben. In Stephan Stadlers Büro stehen etwa die Skulptur «Stufen zum Erfolg» oder «Wer nicht wagt». «Die geben Motivation und sehen gut aus», findet der 53-Jährige. Kunst mag er sowieso. Das sei etwas, was er von seinen Eltern mitbekommen hat. Viel erzählt Stephan Stadler von seiner Familie, mit der er im bayerischen Passau aufgewachsen ist. «Meine Eltern haben mich bei vielem geprägt. Neben dem Interesse an Kunst haben sie mir auch das Interesse an anderen Ländern, dem Reisen, der Geschichte und auch an der Musik mitgegeben.»

Priester statt Psychologe

Sein Vater wollte immer dass er Psychologe werde. «So kann man den Menschen auch helfen, hat er gesagt», erinnert sich Stephan Stadler mit einem Lächeln an die Worte seines Vaters. «Doch für mich fehlte dabei der spirituelle Aspekt.» Seine Aufgabe als Pfarrer und Seelsorger sei eine grosse Verantwortung. «Hier kann ich auf einer anderen Dimension helfen.» Das Ziel, Priester zu werden, hat Stephan Stadler schon sehr früh verfolgt. Es sei «klassisch» bei ihm losgegangen. Er war schon früh Ministrant und hatte in seiner Zeit in der Kirchlichen Kinder- und Jugendarbeit immer Seelsorger um sich, die ihn beeindruckt haben. Mit 16 Jahren hat er seinen eigenen Weg gestartet und begann seinen Rucksack zu füllen. Bevor er das Theologiestudium in Eichstätt absolvierte, hat er einen Abschluss als staatlich anerkannter Erzieher gemacht. Er hat auch einen Abschluss als Diplom-Caritaswissenschaftler. Und als «Büezer» hat er auch seine Erfahrungen gesammelt. So setzte er zum Beispiel als Student im Audi-Werk Autos zusammen Im Jahr 1999 kam er dann in die Schweiz. Im Juni 2003 wurde er in der Kathedrale St. Urs und Viktor in Solothurn durch Bischof Kurt Koch zum Priester geweiht. Über 20 Jahre lang hat er im Baselbiet in verschiedenen Funktionen gewirkt.

Wichtigkeit der Loyalität

Sein Werdegang zeigt, dass ihm verschiedene Blickwinkel wichtig sind. Mit Schwarz-Weiss-Thesen tue er sich schwer. Man müsse auch über den Tellerrand blicken. So war «Moraltheologie» das Schwerpunktfach in seinem Studium und seine Diplomarbeit hiess «Menschliche Freiheit – ermutigende Herausforderung oder entmutigende Überforderung? nach Erich Fromm und Bernhard Häring». «Den Kopf habe man zum Denken und nicht, um ihn spazieren zu tragen», habe sein Vater oft gesagt.

Wie würde er sich selber beschreiben? «Ich komme aus Bayern», lacht der charismatische Pfarrer. Das sage schon alles. «Doch Spass beiseite. Ich bin ein traditioneller Mensch, aber nicht ein konservativer.» Bei Traditionen gehe es um Werte. Sie seien im Fluss und bleiben nicht stehen. «Traditionen sind wichtig, weil sie einen mit der eigenen Kultur verbinden. Aber man muss sie immer wieder neu mit Leben füllen», sagt Stephan Stadler. Wichtig ist für ihn auch Loyalität. Gemeinsam einen Weg gehen, sich gegenseitig aufeinander verlassen zu können, sei dabei essentiell. Die Loyalität sei für ihn nicht nur im Team wichtig, sondern auch gegenüber den Kirchenpflegen und dem Bistum.

Achtsamkeit und das Vertrauen nicht verlieren

Stephan Stadler ist ein humorvoller Mensch. Dies bemerkt man kurz nach der ersten Begegnung mit ihm. Wasser sei sein Element, sagt er. Nicht nur am, sondern auch im Wasser sei er gerne. Ein weiterer Blick in sein Büro verrät, dass Franz von Assisi sehr wichtig für ihn ist. «Sein Weg und sein Leben geben mir viel», und schon zitiert er eines der Gebete. Auch ins Auge fällt einem ein Bild eines kleinen rotköpfigen Kobolds – des Pumuckl. Seit seiner Kindheit ist er ein Begleiter von Stephan Stadler. Diese Kindheitsfigur erinnert ihn ebenfalls an eine andere Devise von sich: sich selbst nicht zu wichtig zu nehmen.

Seit September ist Stephan Stadler der neue Pfarrer im Pastoralraum Muri und Umgebung. Sein Einstand wurde nicht so gross zelebriert, wie man es gerne getan hätte. Die Coronasituation liess es nicht zu. Dafür machten Stephan Stadler sowie auch Nicole Macchia, die als Pfarreiseelsorgerin im ganzen Pastoralraum und als Ansprechpartnerin für die Pfarrei Boswil tätig ist, kleine Begrüssungsgottesdienste in jeder der sechs Pfarreien. «Ich wurde herzlich empfangen. Es ist eine spannende Zeit für mich», sagt Stephan Stadler. Er habe einen positiven ersten Eindruck erhalten. Covid-19 wird auch für die Kirche eine Herausforderung bleiben. «Wir halten uns an das Schutzkonzept, und es wird auch immer wieder überprüft.» Trotzdem bedauert Stephan Stadler natürlich auch vieles, was wegen der Pandemie nicht stattfinden kann oder anders sein wird. «Allerheiligen und Weihnachten stehen vor der Tür. Wie diese Messen aussehen werden, ist noch nicht klar.» Alternativen wie Streaming der Gottesdienste werden geprüft. Doch dabei würde die Gemeinschaft fehlen. «Das Zusammensein und Miteinanderfeiern kommt nicht zum Tragen. Und das ist schade.» Trotz der speziellen Umstände sei es umso wichtiger, das Vertrauen nach oben nicht zu verlieren. «Wir sollten uns nicht unterkriegen lassen. Das Wichtigste ist nun: achtsam sein! Das haben wir alle selber in der Hand.»

Category: 

Neuen Kommentar schreiben

Die Emailadresse wird nicht veröffentlicht oder an dritte weitergegeben. Sie wird nur zu Kontaktzwecken im Zusammenhang mit diesem Kommentar verwendet.
CAPTCHA
Diese Frage hat den Zweck zu testen, ob Sie ein menschlicher Benutzer sind und automatisiertem Spam vorzubeugen.

Kommende Events

Stellen

Immobilien

Diverses

Trending

1

Keinen anderen Ausweg

Das Gasthaus Sternen in Boswil ist geschlossen – Wirt Danny Bakker gibt auf

Das Coronavirus fordert sein nächstes Opfer im Gastgewerbe. Seit letztem Dienstag sind die Türen des Gasthauses Sternen in Boswil geschlossen. Nach mehr als zwölf Jahren sah sich Wirt Danny Bakker zu diesem schweren Schritt gezwungen.

Annemarie Keusch

Er wollte es lange nicht wahrhaben. Aber im Hinterkopf war dieses Szenario. «Seit Anfang Jahr spürten wir das Coronavirus», sagt D...