Einsatz für Jugendliche

Di, 28. Jul. 2020

Der Wohler: Ramon Pfister hat viel erlebt – jetzt will der ehemalige Polizist als Karate-Trainer wirken

Ramon Pfister war ein Schulhofschreck. Bis er die Chance bekam, sich durch Kampfsport zu bessern. Er brachte es weit als Polizist. Jetzt will er Jugendlichen mit ähnlichen Geschichten helfen.

Ramon Pfister spürt das kalte Metall an seiner Haut. Er hat ein Messer am Hals, blickt direkt in die Augen seines Gegners. «Ich müsste das Messer jetzt nur durchziehen», zischt dieser. Doch Pfister bleibt ruhig. Er ist ein Kämpfer, er könnte sich aus dieser Situation rausboxen. Doch er bleibt ruhig. Er weiss, dass sein Gegner es nicht tun würde. «Machs doch», erwidert er. Seine Coolness wirkt. Sein Gegner nimmt ihm das Messer vom Hals.

Geschichten wie diese hat Ramon Pfister viele. Kennt man ihn etwas besser, erzählt der 50-Jährige sie auch gerne. In seiner Laufbahn als Polizist hat er schon einiges erlebt. Doch vor Kurzem hat er seinen Job an den Nagel gehängt, um im Wohler Dojo Trainings zu geben. Sein Ziel: Einen Ort schaffen, wo Jugendliche von der Strasse wegkommen und etwas mit ihrem Leben anfangen. So, wie es einst bei ihm der Fall war. Ramon Pfister hatte keine einfache Jugend. Er wuchs in Villmergen auf, gehörte aber nie richtig dazu. «Wir hatten nicht viel», erinnert er sich. Und das bekam er zu spüren – vor allem von den anderen Schülern. Sie hänselten ihn. Pfister wehrte sich mit Fäusten. «Ja, ich denke, man kann mich als Schulhofschreck bezeichnen», sagt er und lacht. Für ihn kam der Wendepunkt mit 14 Jahren. Pfister erinnert sich genau: «Bei der Polizei kannte man mich damals ebenfalls. An diesem Nachmittag kam ein junger Polizist, den ich noch nicht kannte. Er war cool, gelassen und beeindruckte mich sehr.» In diesem Moment wusste er: «Ich wollte so sein, wie dieser Polizist.» Das wird zu seinem Ziel. Er rafft sich zusammen, beginnt eine Lehre in einem Gastrobetrieb. Nebenbei meldet er sich beim Karateclub Wohlen an. Das war der Punkt, an dem er seine Vergangenheit hinter sich liess. Denn Karate soll niemand böswillig gegen andere einsetzen. Er trainiert hart, jede Woche zwei bis drei Mal. Er will sein Ziel unbedingt erreichen und Polizist werden. Nach der Lehre macht er den Eignungstest der Polizeischule – und besteht. «Ein grossartiger Augenblick.»

Er wird Dorfpolizist in Niederrohrdorf. Doch mit der Zeit kommen ihm Zweifel. Er sieht, wie die Jugendlichen auf der Strasse herumhängen. «Aber die Polizei muss mit immer weniger Mitteln auskommen. Sie hat keine Kapazität, um den Jugendlichen zu helfen oder für mehr Prävention.» Er erinnert sich an seine Jugend. Wie es wohl gewesen wäre, wenn er diesem Polizisten nicht begegnet wäre? Er setzt sich für die Jugendarbeit und Prävention ein. Da fällt Ramon Pfister eine Entscheidung. Er hängt seinen Beruf an den Nagel. Schluss mit Polizei. Er will den Jugendlichen einen Ort geben, wo sie sich entwickeln können. Er beschliesst, sich als Trainer selbstständig zu machen. Für ihn ein Schritt ins Ungewisse. Nebenbei arbeitet er noch bei der Polizei.

Einen sicheren Ort schaffen

Heute ist Ramon Pfister ein fröhlicher Mensch. Er hat seinen Weg gefunden, auch wenn es nicht immer einfach war. Aber genau das macht ihn aus: Er weiss, wie schwierig das Leben manchmal sein kann. Er fühlt mit. Beim Karateclub Wohlen ist er einer der «Dienstältesten». Hier, in seinem Heimatclub, will er Trainings geben. Nicht nur für Jugendliche, sondern für alle. Aber die Jugendlichen liegen ihm besonders am Herzen. «Mein Ziel wäre es, die Trainings für alle zugänglich zu machen. Damit hätten die Jugendlichen einen sicheren Ort, um sich auszutoben.»

Bislang ist das beim Karateclub Wohlen so nicht angedacht. Aber Ramon Pfister wird sich weiterhin dafür einsetzen. --chg

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