Fortsetzung für das «Rössli»

Fr, 19. Feb. 2021

Wie sieht die Situation bei den Murianer Restaurants während der Coronazeit aus?

Im Dezember wurden die Restaurants zum zweiten Mal geschlossen. Die Lage ist auch bei den Murianer Gastronomen ernst, aber nicht hoffnungslos.

Susanne Schild

Seit Mitte des 18. Jahrhunderts gibt es das Gasthaus Rössli im Murianer Ortsteil Egg. Vor neun Jahren erwarb Thomas Marti das Gebäude und verpachtete die Gaststätte. Erika und Bruno Schaffner wirteten im «Rössli» sieben Jahre lang. Seit Mitte Dezember ist damit Schluss. «Corona war zwar nicht der ausschlaggebende Grund, dass das Ehepaar den Pachtvertrag kündigte, beschleunigte das Ganze aber», erklärt Thomas Marti. Ursprünglich sei geplant gewesen, dass sie den Gasthof noch ein oder zwei Jahre betrieben hätten.

Das «Rössli» als Dorfbeiz erhalten

Jetzt ist das Ziel von Eigentümer Marti, das Dorfrestaurant weiterzuführen. «Das ‹Rössli› soll ein Ort bleiben, wo sich Vereine treffen können, wo man sich unterhält und gut essen kann. Hier sollen sich die Murianer wohlfühlen», wünscht sich Marti. Sei es bei einem «Znüni-Stammtisch», an einem Sonntags-Apéro oder einfach am Mittagstisch. Sobald die Restaurants wieder öffnen dürfen, plant Marti, im «Rössli» zumindest wieder die Znüni-Gäste zu bewirten.

Offen sei momentan noch, ob wieder ein Mittagstisch angeboten wird. Thomas Marti könnte sich auch vorstellen, falls die Nachfrage dafür vorhanden ist, Themenabende, wie beispielsweise eine Hausmetzgete oder ein Suppe-mit-Spatz-Essen zu organisieren. «Durch meine eigene Metzgerei im Gebäude würde sich das natürlich anbieten. Ideen habe ich viele», blickt er positiv in die Zukunft. Weiter können die Räumlichkeiten für Geburtstagsfeiern, Firmenessen oder Vereinsanlässe gemietet werden. «Das ist natürlich nur eine Übergangslösung», ist sich Marti im Klaren. Im Januar 2022 startet sein Bauvorhaben, die Metzgerei zu erweitern. In diesem Zuge soll auch die Gartenterrasse des «Rössli» neu gestaltet werden. «Für ein Jahr ist es schwierig, einen Pächter zu finden. Wenn dann alles in neuem Glanz erstrahlt, kann das ‹Rössli› wieder durchstarten», ist er überzeugt.

Der Gasthof wird es überleben, seine Pächter, die Schaffners, hat Covid in den vorzeitigen Ruhestand gezwungen. Die Frage stellt sich immer mehr, welcher Betrieb in der Gastronomie die Krise überleben wird. Diese Zeitung hat bei den Restaurants in Muri nachgefragt, wie sie durch diese schwierigen Zeiten kommen. Die Wirte sind bezüglich der Massnahmen gespalten. Doch in einem Punkt sind sich alle einig: «Die Lage ist ernst, aber nicht hoffnungslos.»


«Wir brauchen Planungssicherheit»

Wie ergeht es den Murianer Restaurants in der Coronakrise?

Die Murianer Gastronomen wollen nicht schwarzmalen, aber auch nichts schönreden: «Es brennt.» Jetzt sei eine klare Linie nötig, damit die Branche nicht komplett an die Wand fährt.

Susanne Schild

Eines ist zumindest sicher: bis zum 28. Februar bleiben die Restaurants geschlossen. Das grosse Fragezeichen ist, wie und wann es dann weitergehen wird. Während der Sommermonate hatten die Wirte der Restaurants in Muri trotz vieler Einschränkungen wenigstens noch etwas verdient. Doch seit Beginn der zweiten Welle hat sich die Lage dramatisch verschlechtert. Erst die Sperrstunde, dann noch grössere Mindestabstände und tiefere Personenobergrenzen, Maskenpflicht und Datenerfassung. Danach die Schliessung ab 19 Uhr und zwei Tage vor Heiligabend ganz geschlossen. Die Reserven und Covid-Kredite sind vielerorts aufgebraucht. Die Lockerung der Härtefallregelung kommt spät und ist kompliziert.

Die gebeutelte Branche fordert deshalb einen sofortigen Rettungsplan. Viele Betriebe sind überzeugt, dass, wenn die jetzige Situation mit den Einschränkungen und der grossen Unsicherheit wirklich die neue Normalität bedeuten sollte, sie das nicht ohne Finanzhilfe überleben werden.

Egg-Träff: «Wir brauchen jetzt Macher»

Im Dezember 2009 eröffnete Ueli Aeberhard den «Egg-Träff». Er hat Verständnis für die aktuelle Problematik. «Aber das ständige Hin- und Her, das Auf und Zu muss jetzt endlich aufhören. Nichts ist im Moment planbar. Was wir jetzt in der Politik brauchen, sind Macher und keine Schwätzer.» Seine Gäste hätten sich immer an die vorgeschriebenen Schutzmassnahmen gehalten. Man sei einfach froh gewesen, sich überhaupt wieder treffen zu dürfen. «Das wir jetzt der Buhmann für alles sein sollen und noch unsere Existenz verlieren, kann ich nicht verstehen.»

Der «Egg-Träff» ist für viele seiner Gäste mehr als nur ein Ort, wo man isst. «Essen kann man auch zu Hause. Aber miteinander sprechen, lachen, sich austauschen, das geht alleine schlecht.» Eine Beiz habe auch einen hohen sozialen Bestandteil. Es ginge nicht nur um die körperliche Gesundheit, ebenso wichtig sei die psychische. Deshalb bietet er einen Takeaway-Service an. «Meine finanziellen Einbussen kann ich damit bei weitem nicht decken.» Aber dadurch könne er wenigstens für seine Gäste in der Zeit der Isolation da sein, ihnen zuhören. «Meine Gäste und ich halten zusammen, nur so können wir die Krise überstehen.» Den «Egg-Träff» für immer zu schliessen ist deshalb momentan noch keine Option für ihn. Er bleibt kämpferisch und kreativ. Seine neuste Geschäftsidee ist die «Muri-Curry-Wurst». «Die schmeckt besser als in Berlin», ist er überzeugt.

Veritas: «Wir bündeln unsere Kräfte»

Seit 14. Mai letzten Jahres gibt es das «Veritas» in Muri. Die Eröffnung der Weinlounge mit Restaurantbetrieb musste wegen des ersten Lockdowns bereits um einen Monat verschoben werden. Für Geschäftsinhaberin Marlies Laubacher war der Zeitraum von Oktober bis Dezember der bislang schlimmste. «Alle zwei Wochen änderten sich die Massnahmen. Es gab überhaupt keine Planungssicherheit. Keiner wusste, was als Nächstes kommen würde.» Die endgültige Schliessung im Dezember sei fast eine Erleichterung gewesen. Laubacher ist überzeugt, dass mit einer Wiedereröffnung nicht vor Ostern gerechnet werden könne. «Zu unserem grossen Glück hatten wir einen bombastischen Sommer. Bis zum 18. Oktober waren wir jeden Tag voll besetzt.»

Dennoch lägen die Umsatzeinbussen bei mindestens 50 Prozent. Auch ihr Vermieter zeige sich sehr verständnisvoll. Die Unterstützung durch den Bund funktioniere, was die Kurzarbeit anbelangt, gut. Auch die Kreditvergabe zu Beginn des ersten Lockdowns sei eine Glanzleistung gewesen. Hingegen sei die Härtefallregelung und deren Lockerung sehr spät gekommen und kompliziert. «Ich weiss jedoch nicht, wie man es einfacher oder besser machen könnte.» Ein Missbrauch der Unterstützungsmassnahmen müsse auf jeden Fall vermieden werden. Der Staat dürfe auf keinen Fall in der Krise auch noch abgezockt werden. Jetzt im zweiten Lockdown würde man die Zeit nutzen, um sich fortzubilden, die Abläufe zu optimieren. «Wir bündeln unsere Kräfte, versuchen uns gegenseitig zu motivieren und der Perspektivlosigkeit mit neuen Ideen entgegenzusteuern.» Einen Take-away-Service bietet das «Veritas» nicht an. «Wir haben das durchgerechnet. Dafür wären ein anderes Konzept und andere Abläufe nötig. Der Aufwand lohnt sich für uns nicht. Da haben wir in Muri und Umgebung andere Restaurants, die das sehr gut machen.» Jetzt hoffen Marlies Laubacher und ihr Team, dass sich die Türen des «Veritas» bald wieder öffnen werden und die Stammgäste ihnen weiterhin die Treue halten. «Die Krise wird das ‹Veritas› überleben, da bin ich mir ganz sicher. Denn anders als bei vielen anderen Gastronomen ist die Lounge nicht unser einziges Standbein. Dafür bin ich wirklich sehr, sehr dankbar.»

Rütli: «Hoffen auf Normalität»

Seit 1965 ist das Rütli in Familienbesitz. Bereits 21 Jahre ist Marianne Haller die Inhaberin der Wirtschaft. «Das Rütli ist ein Haus mit Tradition, vielen Stammgästen und es ist bekannt im Dorf für seinen Spiessbraten», beschreibt sie ihren Betrieb. Auch sie trafen die Massnahmen hart. Die Umsatzeinbussen lägen bei mindestens 60 Prozent. Und das, obwohl es auch im Rütli den Sommer über gut gelaufen ist. Vor allem die Mittage und die Gartenwirtschaft liefen extrem gut. Trotz oder wegen der ganzen Schutzmassnahmen hätten sich ihre Gäste bei ihr immer wohl gefühlt. «Uns fehlen die Vereine, die Metzgete, die Weihnachtsfeiern und die Fasnacht.» Durch die Kurzarbeitsentschädigung seien ihre Mitarbeiter abgesichert, sodass sie bislang wenigstens keinen entlassen musste. Als Inhaberin müsse man jedoch viel Geduld haben. Sie habe zwar alles angemeldet, doch bislang noch keine Entschädigung erhalten. «Alles dauert sehr lange und ist sehr kompliziert. Ich bin froh, dass ich meine Tochter habe, die für mich die Anträge ausfüllt.»

Wenigstens hat sie nicht, anders als viele ihrer Wirte-Kollegen, den Druck der Mietfrage. «Darüber bin ich sehr froh, obwohl ich auch meine Verpflichtungen habe. Das gibt mir etwas Luft.» Marianne Haller hat sich gegen einen Take-away-Service entschlossen. «Wir sind einfach zu weit weg vom Dorf. Das wäre mir alles zu unsicher gewesen.»

Jetzt hofft sie, dass alles bald wieder zur Normalität übergehen kann. «Wobei ich daran sehr starke Zweifel habe. Es braucht einfach Zeit und wir müssen das Beste daraus machen.» Alles sei ein riesengrosses Fragezeichen. «Was mir fehlt sind nicht nur meine Einnahmen, sondern auch meine Gäste.»

Café Stern: «Langsam wird man müde»

Seit 9. August 2019 ist Priscilla Staubli die Inhaberin vom «Café Stern». Sie beschäftigt sieben Angestellte in Teilzeit. Nach dem ersten Lockdown im Mai hat sie zusätzliche Investitionen getätigt, um ihre Gäste noch besser schützen zu können. «Wir haben draussen sogar Plexiglassscheiben zwischen den Sitzplätzen aufgestellt.» Ärgerlich findet sie, dass sich, was die Schutzmassnahmen anbelangt, fast jede Woche etwas geändert hat. «Von einem Tag auf den anderen musste ein neues Schutzkonzept umgesetzt werden. Was gestern galt, galt heute schon nicht mehr. Das hat auch unsere Gäste sehr verunsichert.»

Ihre Umsatzeinbussen liegen bei 40 Prozent. Obwohl sie alle Unterstützungsanträge gestellt hat, hat sie bislang lediglich die Kurzarbeitsentschädigung für ihre Mitarbeiter erhalten. «Das frustriert und zermürbt. Am Anfang hatte ich noch Verständnis dafür. Die Mitarbeiter bei den zuständigen Behörden waren wirklich stark gefordert. Aber nach fast einem Jahr sollte das Ganze dann doch langsam einmal funktionieren.» An die vorgeschriebenen Schutzmassnahmen hat sie sich immer konsequent gehalten. Die meisten ihrer Gäste hätten dafür Verständnis gehabt. Einige fanden es hingegen übertrieben. «Mir ist wichtig, dass sich meine Gäste im «Café Stern» sicher und wohl fühlen.» Während des Lockdowns bietet sie jetzt einmal wöchentlich jeweils am Freitagabend einen Take-away-Service an. «Davon werde ich aber langfristig nicht existieren können. Jetzt muss Geld fliessen.»

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