Freudentränen in St. Moritz

Di, 19. Jan. 2021
Mit der Lockerheit einer Weltcup-Newcomerin schwingt sich Melanie Hasler in St. Moritz in den Bob. Im Ziel wird sie jubeln können. Bilder: Freshfocus/zg

Bob, Weltcup: Die Freiämterin Melanie Hasler fährt auf ihrer Heim-Bahn überraschend auf den 3. Rang

Die Hasler-Rakete ist durchgestartet. Und das früher als gedacht. In ihrer ersten Weltcup-Saison holt die 22-jährige Melanie Hasler ihren ersten Podestplatz. «Unglaublich», findet die Berikerin.

Stefan Sprenger

«Glätscht» hat sie. Wie ein Wasserfall. Es sind Freudentränen bei Melanie Hasler. Sie kullern bei Minustemperaturen über ihrer Wange, just in dem Moment, als sie realisiert, dass sie zum ersten Mal auf dem Weltcup-Podest steht. Gleichzeitig rastet ihre Familie am Rummelbach in Berikon total aus. Ihre Familie schickt ihr nach dem Rennen ein Video. Darauf ist zu sehen, wie ihre Liebsten den 2. Lauf live am TV verfolgen. «Und am Ende total ausflippen», sagt Hasler voller Freude.

Sie erhält viele Glückwünsche – auch aus dem Freiamt. «Ich bin dankbar und glücklich, dass ich so viel Unterstützung spüre. Ein cooles Gefühl. Das motiviert mich enorm.» Wegen Corona sind keine Zuschauer in St. Moritz dabei, «was natürlich schade ist nach so einem Erfolg», sagt Hasler. «Aber es ist trotzdem schön.» Als Belohnung gönnt sie sich ein heisses Bad.

Das hat sie sich auch verdient. Denn sie ist die erste Schweizerin seit sieben Jahren, die in einem Weltcup auf das Podest fährt. Letztmals hatte mit Fabienne Meyer, der heutigen Sportchefin von Swiss-Sliding, im Januar 2014 bei ihrem Sieg in Königssee eine Schweizerin dies geschafft. «Mega. Ich bin sprachlos. Unglaublich. Grossartig», versucht Hasler ihre Gefühle einzuordnen. Auch die nationale Presse ist beeindruckt von diesem Schweizer Shootingstar, der die Bob-Welt überrascht. Von einer «Bob-Sensation» spricht der «Blick».

Haslers Erfolgsrezept ist einfach: «Ich habe mir nichts vorgenommen, bin einfach locker an den Start. Es hat sich heute einfach alles gut und richtig angefühlt.» Die Bahn in St. Moritz ist ein wunderbares Heimspiel für die Berikerin. «Es ist die schönste Bahn der Welt für mich. Sie liegt mir sehr.»

Cool geblieben im 2. Lauf

Das Rennen war enorm eng. Nach dem 1. Lauf sind fünf Teams innerhalb sechs Hundertstelsekunden an der Spitze. Zwei Bobs aus Deutschland, eine Amerikanerin und neben Melanie Hasler auch die weitere Schweizerin, Martina Fontanive, dürfen nach dem ersten Durchgang vom Sieg träumen. «Ich muss gestehen, als ich den 1. Lauf auf dem 2. Rang beendete, einen Hundertstel hinter der Führenden Mariama Jamanka aus Deutschland, wurde ich ziemlich nervös. Ich war doch noch nie so weit vorne. Es kamen Zweifel auf, ob ich es auch im 2. Lauf so hinkriege», erzählt Hasler.

Aber sie ist cool geblieben, fährt im zweiten Durchgang die drittschnellste Zeit. Im Ziel stehen die Freiämterin und ihre Anschieberin Irina Strebel auf dem 3. Gesamtrang. Aber: Die Führende Mariama Jamanka aus Deutschland war noch oben. Doch Jamanka verpatzt ihren Lauf und schafft nur die siebtschnellste Zeit und landet am Ende auf dem undankbaren 4. Rang. «Gut für mich», meint Hasler, die im Ziel ihr Glück kaum fassen kann.

Jetzt kommt der Moment, als sie ihren grossen Erfolg realisiert und zu weinen beginnt. Die Berikerin, die bis vor drei Jahren noch Beachvolleyball spielte, meint: «Es hat sich so gut angefühlt, dass ich gleich losheulte.» Der erste Podestplatz ist für die als Profi lebende Hasler ein Lohn für ihren riesigen Aufwand und gleichzeitig Bestätigung, dass sie auf dem richtigen Weg ist.

Randnotiz: In St. Moritz startete Hasler einen Tag zuvor im Monobob-Rennen. Da wurde es «nur» der 6. Rang. «Damit bin ich zufrieden. Im Monobob bin ich noch sehr unerfahren und habe viel Potenzial», so Hasler.

Was liegt an der WM drin?

Nun ist Melanie Hasler so richtig heiss auf mehr. Und für mehr Überraschungen hat sie in dieser Saison noch einige Gelegenheiten. Seit gestern trainiert sie für die Junioren-Weltmeisterschaft, die am Freitag in St. Moritz stattfindet. «Da will ich definitiv vorne dabei sein. Unter die Top 3 wäre ein Traum. Aber ich will mich jetzt nicht zu weit aus dem Fenster lehnen und cool bleiben.» Ihr Erfolgsrezept soll bestehen bleiben: «Locker an den Start und alles raushauen, was ich habe.»

Danach geht es direkt nach Deutschland. In Altenberg wird sie für drei Wochen sein. Dort findet ein weiteres Weltcuprennen statt. Hasler ist in den bisher sieben Weltcuprennen sechsmal in die Top 7 gefahren. In der Gesamtwertung steht sie auf dem 3. Rang. Diesen Platz will sie verteidigen. «Mindestens», sagt sie lachend.

Anfang Februar wird die Weltmeisterschaft im Zweierbob stattfinden – ebenfalls in Altenberg. Ihre Ziele? «Easy an den Start gehen – dann schauen wir weiter.»

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