Frische Politik für junge Generation

Di, 28. Jul. 2020
«Unsere Generation soll Politik machen, nur so kann man etwas ändern», sagt die Wohlerin Livia Jauslin, die bald in Villmergen lebt. Ihr Wahlslogan: «Unsere Zukunft? Unser Mitgestalten!» J3bus4ds ue43J5 :pjig

«Die neue Politgeneration – junge Kandidaten auf den Freiämter Grossratslisten»: Livia Jauslin, FDP, Wohlen

Livia Jauslin kommt schon in jungen Jahren mit der Politik in Berührung. Der Grund ist ihr Vater Matthias Jauslin, der heute Nationalrat ist. Jetzt, mit 30 Jahren, fühlt sie sich bereit, sich politisch mehr zu engagieren, und kandidiert für den Grossen Rat.

Stefan Sprenger

An diesem Mittwoch, 22. Juli, strahlt Livia Jauslin etwas mehr als sonst. Denn: Sie feiert ihren 30. Geburtstag. Sie trifft diese Zeitung an ihrem Lieblingsplatz in Wohlen, beim Wasserreservoir. Zufrieden sitzt sie auf der Bank, liest auf ihrem Smartphone Geburtstags-Glückwünsche. «Hier ist ein wunderbarer, friedlicher Ort», meint Jauslin, die nur ein paar hundert Meter weiter aufgewachsen ist. Ins «Halde» ging sie zur Schule. In Waltenschwil macht sie die KV-Lehre auf der Gemeinde. Und hier beim Wasserreservoir war sie als Kind oft. Früher geht es mit der Pfadi in den nahe gelegenen Wald. Heute spaziert sie hier mit ihrer bald eineinhalb-jährigen Tochter Vivien.

Von Seengen nach Villmergen

Erst wählte sie die Frauenbadi in Seengen als Treffpunkt. Sie wechselte dann zum Wasserreservoir in Wohlen. Wieso zuerst Seengen? «Ich lebe dort mit meinem Partner und meiner Tochter», erzählt sie. Allerdings nicht mehr lange. In ein paar Wochen zieht die junge Familie nach fast einem Jahrzehnt im Seetal zurück ins Freiamt, nach Villmergen. «Dann kann ich mit dem E-Bike, das ich auf den Geburtstag geschenkt bekomme, zur Arbeit fahren», lächelt sie. Bald ist sie wieder in der «Wirtschaftsregion Wohlen», wie sie meint.

Livia Jauslin studiert Kommunikation und Journalismus an der Fachhochschule in Winterthur – und schliesst 2016 mit Bachelor ab. Sie steigt während des Studiums im Familienbetrieb ein. Die Jost AG ist ein Elektroinstallationsbetrieb, der Inhaber ist ihr Vater Matthias Jauslin. Sie ist zuständig für Kommunikation und Marketing sowie persönliche Mitarbeiterin ihres Vaters. Die Chemie stimmt bei Vater Matthias und Tochter Livia sowieso bestens. Livia war beispielsweise Wahlkampfleiterin bei der (erfolgreichen) Nationalratskandidatur ihres Vaters. Sie koordiniert seine Wahltermine, unterhält die Webseite, verwaltet die Finanzen und bearbeitet alle Anfragen. «Das war viel Aufwand. Aber ich konnte enorm viel lernen.»

Seit Kindheit mit der FDP verbunden

Sie sagt: «Ich bin quasi in der FDP Wohlen aufgewachsen. Es ist meine Partei seit der Kindheit.» Schon früh wird am Tisch über politische Themen diskutiert. Und die drei Kinder der Familie äussern ihre Meinungen. «In der Coronazeit merkte man, wie wichtig, wie systemrelevant die Wirtschaft ist», so Jauslin. Sie selbst ist kein typisches FDP-Mitglied. Ein wenig mehr links, ein wenig mehr Grün, ein wenig mehr Feminismus. Und doch ist sie Mitglied der Wirtschaftspartei denn «die Wirtschaft sind schlussendlich wir alle», schmunzelt sie. Sie ist jünger als viele in der FDP. Ein FDPler ist ein Mann, der mitten im Leben steht, ein Unternehmer, der im Anzug rumläuft? Livia Jauslin widerlegt dieses Bild mit ihrer jungen und frischen Art. Sie sagt Sätze wie: «Nachhaltigkeit ist essenziell, auch in der Wirtschaft» oder «Qualität ist wichtiger als Quantität» oder «für die Umwelt sollten wir uns alle einsetzen, egal in welcher Partei man ist».

Sie kämpft und steht für Veränderung, für Verjüngung, für Neugier, für Kompromissbereitschaft, für einen guten Mix – und für mehr Gleichberechtigung der Frauen. «Die jungen Leute brauchen eine Stimme, auch unsere Generation soll Politik machen. Nur so kann man etwas ändern. Es ist unsere Zukunft», meint sie. Für Livia Jauslin ist Politik auch ein Zusammenspiel von allen Parteien. «Es geht darum, Lösungen zu finden, die für alle stimmen. Und diese Kompromisse sind oft in der Mitte zu finden.» Die diplomatischen Fähigkeiten hat sie anscheinend auch von ihrem Vater geerbt.

Sie ähnelt ihrem Vater

Ihr wird ohnehin oft nachgesagt, sie ähnle ihrem Vater. Für sie ist das ein grosses Kompliment. «Mein Vater ist ein vielseitiger Typ. Er ist Segelflug-Pilot, interessiert sich für Geothermie. Ihm ist die Umwelt wichtig, deshalb fährt er seit Jahren ein Elektromobil. Er setzt sich ein für die Dinge, die ihm wichtig sind. Egal ob es im Parteibuch steht. Das ist mutig. Ich bewundere ihn für viele Sachen.» Die gleiche Meinung haben die beiden aber nicht immer.

An dieser Stelle ist wichtig zu erwähnen, wie sehr Livia Jauslin auch ihre Mutter schätzt. Die gelernte Krankenschwester, die heute auch im Familienbetrieb arbeitet, sei «sehr sozial. Sie ist die Stütze und der Kit der Familie. Ohne sie geht nichts.»

Ziel: Gutes Resultat

Nun kandidiert sie für den Grossen Rat. «Mit 30 Jahren weiss man, was man will. Ich bin reifer und kann meine Werte besser vertreten als noch vor ein paar Jahren», so die selbstbewusste Frau. In der Wahlkampfzeit wird sie ihre Komfortzone verlassen, mit Politikern diskutieren und mit Menschen politisieren. Sie steht auf dem 8. Listenplatz. «Ich rechne mir daher keine grossen Chancen aus», sagt sie. Trotzdem will sie ein möglichst gutes Resultat erzielen. «Und es dann in vier Jahren nochmals versuchen. Dann bin ich vernetzter, erfahrener und habe mehr Chancen.» Bis dahin möchte sie auf Lokalebene politisieren und sich für die Belange an ihrem Wohnort einsetzen. Die Gemeinde Villmergen hat also bald eine – für ihr junges Alter – enorm erfahrene Frau in ihren Einwohnerreihen. Dass sie als Wohlerin nach Villmergen zieht, ist «absolut kein Problem. In unserer Generation ist diese Rivalität kein Thema mehr.»

Livia Jauslin checkt ihr Smartphone am Waldrand beim Wasserreservoir. Wieder erhält sie Glückwünsche. Am Abend ist eine Feier. Eigentlich wollte sie eine Riesenfete machen. Corona-bedingt wird es nun eine Party in kleinerem Rahmen. «Macht nichts, ich freue mich sowieso. Denn mit 30 Jahren wird man nicht mehr belächelt als Politikerin. Jetzt werde ich noch ernster genommen.»

Am Sonntag, 18. Oktober, finden die Gesamterneuerungswahlen des Grossen Rates statt. Diese Zeitung stellt mit einer Sommerserie je einen Kandidaten oder eine Kandidatin aller grossen Bezirksparteien vor.

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