Kampf dem Müllberg

Di, 29. Sep. 2020
Susanne Kuhn möchte ihr Wissen über Stoffwindeln gerne an andere weitergeben. Bild: Susanne Schild

Stoffwindelberaterin Susanne Kuhn aus Bünzen

Die Zweifachmama Susanne Kuhn wickelt aus Überzeugung mit Stoffwindeln.

«Stoffwindeln sind umweltfreundlicher und besser für die empfindliche Babyhaut», lobt Susanne Kuhn die Alternative zur Plastikwindel. Wegwerfwindeln hingegen würden viel Müll produzieren. Ihr Anteil beträgt zehn Prozent des gesamten Restmülls.

Das Wickeln mit Stoffwindeln habe sich in den letzten Jahren stark verändert. «Viele haben bei dem Thema noch die weissen Mullwindeln im Kopf, mit denen unsere Grossmütter ihre Kinder gewickelt haben», bestätigt die Stoffwindelberaterin. Doch Stoffwindeln sind heutzutage einfach und praktisch in der Handhabung. Jeder kann sein optimales System finden bei dem Angebot der verschiedenen Windeln. «Stoffwindeln sind, mit etwas Übung, genauso schnell angelegt wie Wegwerfwindeln.» --sus


In trockenen Tüchern

Susanne Kuhn ist von der Stoffwindel überzeugt

2019 hat sie sich zur Stoffwindelberaterin in der Stoffwindelschule Schweiz ausbilden lassen. Eher durch Zufall kam sie auf die Alternative zur Wegwerfwindel.

Susanne Schild

2016 erblickte Susanne Kuhns erster Sohn Kilian das Licht der Welt. «Die Frage, ob ich mich für Stoffwindeln oder Wegwerfwindeln entscheiden soll, hatte ich mir damals überhaupt nicht gestellt.» Erst als eine Bekannte sie auf die Alternative aus Stoff aufmerksam machte, begann sie sich näher mit dem Thema zu beschäftigen. «Auch ich hatte die gängigen Vorurteile wie kompliziert, aufwendig und unpraktisch im Kopf.»

Zu ihrem Erstaunen musste sie jedoch feststellen, dass sich die Stoffwindel in den letzten Jahren stark verändert hat. «Dank neuen Designs sind sie ganz einfach zu handhaben. Kein kompliziertes Falten, keine Sicherheitsnadeln und schon gar kein Auskochen der Windeln sind mehr nötig.» Es gibt verschiedene Stoffwindelsysteme. Alle Windeln bestehen aus einer Nässeschutzschicht und einer Saugeinlage. Diese können aus unterschiedlichen Materialien bestehen. «Die Komplettwindel AIO, all in one, beispielsweise überzeugt durch ihre einfache Handhabung und kommt den Wegwerfwindeln am nächsten.» Susanne Kuhn empfiehlt, Windeln für etwa 20 bis 25 Wickelzyklen zu Hause zu haben.

Die ganz «normale Art» zu wickeln

Ihr Erstwissen zu diesem Thema hat sie sich durch Lesen und Ausprobieren an ihren eigenen Söhnen erworben. «Anfangs habe ich die Stoffwindeln nur tagsüber verwendet. Unterwegs und in der Nacht habe ich Kilian weiterhin mit Wegwerfwindeln gewickelt.» Nach und nach reduzierte sie den Gebrauch der Plastikwindeln immer mehr. «Als mein zweiter Sohn Joshua 2019 geboren wurde stieg ich ganz auf Stoffwindeln um, sobald jene von seinem grossen Bruder passten.»

Im Beraterkurs der Stoffwindelschule hat sie sich ein noch vielseitigeres und tiefgründigeres Wissen aneignen können, welches sie gern weitergeben möchte. Jeder müsse aber für sich selbst entscheiden, mit welchen Windeln er sein Kind wickeln möchte, betont die Zweifachmama. «Das Umdenken findet im Kopf statt.» Stoffwindeln werden in ihren Augen noch viel zu wenig als die «normale» Art zu wickeln betrachtet.

Gesund, ökologisch und geldsparend

«Dabei haben sie entscheidende Vorteile», ist Susanne Kuhn überzeugt. Stoffwindeln sind zum einen frei von Chemikalien und Schadstoffen, welche häufig Hautreizungen und Allergien hervorrufen. Weiter sind sie atmungsaktiv. «Die Temperatur ist einige Grad niedriger als in Wegwerfwindeln. Dies kommt der Hodenentwicklung kleiner Jungs zugute.» Ausserdem werde mit Stoffwindeln automatisch breiter gewickelt, was der Hüftentwicklung gut tue. «Und mit Stoff gewickelte Kinder sind meist früher trocken, da das Nässegefühl bewahrt bleibt.» Die Ökobilanz der Stoffwindel ist viel besser als bei Wegwerfwindeln, obwohl mehr gewaschen werden muss. Daneben schont die Stoffwindel nicht nur die Umwelt, sondern auch den Geldbeutel. Ein gutes Stoffwindelset bekommt werden mindestens 1000 Franken für Wegwerfwindeln ausgegeben, je nach Hersteller ein Vielfaches mehr. Stoffwindeln können, wie es Susanne Kuhn auch gemacht hat, für weitere Kinder verwendet werden. «Ausserdem kann man sie auch gut weiterverkaufen, wenn das Kind trocken ist.»

Bislang treffen die Wickelnden eine eindeutige Wahl. In über 95 Prozent aller Familien werden noch Einwegwindeln verwendet. Für Susanne Kuhn steht allerdings fest: «Ich persönlich möchte durch die Verwendung von Stoffwindeln einen kleinen Beitrag zur Müllvermeidung leisten. Jede Windel, die nicht weggeworfen wird, ist gut.»

Weitere Informationen unter kunterbunte-schnecke.ch.

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