Kampf für den Traum

Di, 30. Mär. 2021
Aktuell ist er in erster Linie in der Physiotherapie und bei seinem Personal Coach im Training zu sehen: Motorradfahrer David Ludin. Bild: zg

Der Wohler David Ludin peilt sein Comeback an

Seine Karriere gleicht einer Achterbahnfahrt. In seiner Debütsaison wird David Ludin Vize-Schweizer-Meister in der Klasse Superbike 1000 ccm. Danach will er einen Angriff auf den Titel starten. Was folgt, sind Verletzungen, Schäden am Motorrad und eine Karrierepause. Jetzt will Ludin wieder durchstarten.

Josip Lasic

David Ludin quält sich an den Fitnessgeräten. Vor Kurzem hatte der in Niederwil aufgewachsene Wohler erneut eine Schulteroperation. Jetzt will er wieder in Form kommen. Neben der Physiotherapie trainiert er auch mit einem Personal Coach.

Die Szenen, wenn der Motorsportler an seine Grenzen und darüber hinaus geht, sie erinnern an einen der zahlreichen «Rocky»-Filme. Der Boxer, der sich auf seinen nächsten Kampf vorbereitet, der eines seiner zahlreichen Comebacks feiern will. Der 32-jährige Freiämter hat ein vergleichbares Ziel. 2022 will er wieder in einer nationalen Meisterschaft Motorrad fahren.

Tiefpunkt statt Titel

Rückblende. 2017 fährt David Ludin seine erste Saison in der Schweizer Meisterschaft Superbike 1000 ccm. Er wird auf Anhieb Vize-Meister. Sein Ziel für die Folgesaison scheint logisch: die einzig mögliche sportliche Steigerung – der Schweizer-Meister-Titel.

Doch es kommt alles anders. Noch in der Vorbereitung kommt es zu einem Unfall. «Es war nicht mein Motorrad, das ich damals zu Schrott gefahren habe. Das hat mich belastet. Diese mentale Last hat mich die gesamte Saison begleitet», sagt Ludin. Wobei «gesamte Saison» nicht korrekt ist. Nach mehreren Stürzen hat der Freiämter den Eindruck, dass Kopf und Körper nicht mehr mitmachen. Er bricht die Meisterschaft nach sechs von zwölf Rennen ab – und entscheidet sich, nicht mehr in der Schweizer Meisterschaft zu fahren.

Pandemie als «Chance»

2019 bestreitet er nur einige Trainings. Im Vorjahr schlägt dann die Coronapandemie zu. «Ich konnte zwar nicht mehr tun, aber die Konkurrenz auch nicht. So kam mir die Idee, dass ein Comeback nicht unrealistisch ist. Denn wenn ich ehrlich bin, hat mir das Motorradfahren enorm gefehlt.»

Sein Plan: Aufbautraining, erste Trainings auf dem Motorrad und dann eine Teilnahme an Rennen des Speer Power Cups. «Im April habe ich das erste Training auf dem Motorrad in Anneau du Rhin in Frankreich. Bis zum ersten Rennen des Speer Power Cups im Juni werde ich vier Rennstreckentrainings in Deutschland und Frankreich absolvieren.» Im Juni tritt er danach im tschechischen Brünn und im September im italienischen Mugello an, um wieder Ernstkampffeeling zu bekommen. Im Winter müsste er dann die Lizenz für eine nationale Meisterschaft lösen. «Bis dahin will ich so fit sein, dass ich weiss, dass ich an meine vorherigen Erfolge anknüpfen kann, und im nächsten Jahr ein Ausrufezeichen setzen.»

Aufwand körperlich und finanziell

David Ludin muss sich nicht nur die körperliche Fitness und das Gefühl auf dem Motorrad wieder hart erarbeiten. Er muss auch wieder Sponsoren gewinnen. «Mit Erfolgen von 2017 kannst du 2021 niemanden begeistern. Ausserdem haben wegen der Coronapandemie aktuell auch viele Unternehmen keine finanziellen Möglichkeiten, um Sportler zu unterstützen.»

Bisher wird er von seinem Personal-Training-Studio unterstützt und von seinem Onkel, der ein Optikergeschäft in Muri hat. «Er tut das in erster Linie für mich und nicht für die Werbung», sagt Ludin. Hinzu kommt mechanische Unterstützung, die er an den Rennen jeweils in Anspruch nehmen kann. Den Rest finanziert der Freiämter, der mittlerweile in Othmarsingen lebt, aus der eigenen Tasche. «Ich habe sehr viel gespart, um mir dieses Ziel leisten zu können», so Ludin. Beim Kampf für seinen Traum scheint ihm kein Opfer zu gross zu sein.

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