Mit Maskenpflicht

Fr, 15. Okt. 2021
Susanna Vanek, Karin Schaufelbühl und Walter Friedli vom Organisationsteam (v. l.). Bild: huy

Bremgarten: Markt der Vielfalt 23./24. Oktober

Nach einem Jahr Pause findet nächstes Wochenende wieder ein «richtiger» Markt der Vielfalt statt.

Bald ist es wieder so weit. Das vierte Wochenende des Monats Oktober steht an. Für Bremgarten bedeutet dies jeweils die Verwandlung der Altstadt in den vielfältigsten Markt der Schweiz. Spezialthema dieses Jahr ist «Druck und Schrift». Kurzfristig ereilte die Veranstalter noch eine unliebsame Überraschung. Anders als erwartet stuft der Kanton den Markt aufgrund seiner Grösse als Veranstaltung ein. Das bedeutet: auf dem gesamten Marktgelände wird eine strikte Maskenpflicht herrschen. Davon lassen sich die Organisatoren die Vorfreude aber nicht verderben. --huy


Wie der BBA vor 100 Jahren

Markt der Vielfalt am 23./24. Oktober: Eine eigene Marktzeitung ist dieses Jahr eine der vielen unterschiedlichen Attraktionen

Nomen est omen. Die Vielfalt am gleichnamigen Markt sucht auch dieses Jahr wieder ihresgleichen. Als Spezialthema wurde heuer «Druck und Schrift» ausgewählt. Im Zeughaussaal wird mithilfe eines historischen Schriftsatzes des «BBA» eine eigene Marktzeitung produziert.

«Es ist schon nicht ganz einfach», lacht Karin Schaufelbühl. Das Gründungsmitglied des Historischen Handwerkermarkts gehört zum OK, das sich jedes Jahr ein neues, spezielles, historisches Sonderthema überlegt. Für die nunmehr 20. Auflage eine Herausforderung. Für «Druck und Schrift» hat man sich dieses Jahr entschieden.

Mehrmals am Tag neu drucken

Im Zeughaussaal produziert Schriftsetzerin Gianna Schneeberger gemeinsam mit OK-Mitglied und Journalistin Susanna Vanek eine Marktzeitung. Dabei kommt ein Druckverfahren mit beweglichen Lettern zum Einsatz, wie es bis in die 80er-Jahre üblich war und 500 Jahre lang auf der ganzen westlichen Welt so angewandt wurde. Die Setzmaschine für die Marktzeitung stammt aus der ersten Hälfte des letzten Jahrhunderts. Mit ihr wurde einst der ««Bremgarter Bezirks-Anzeiger»» hergestellt. Die zweiseitige Zeitung des Markts der Vielfalt soll mehrmals am Tag überarbeitet werden und ihren Inhalt den aktuellen Marktgeschehnissen anpassen. Für den Verkauf konnten Schulkinder gewonnen werden, die das Blatt ganz gemäss der Tradition der Zeitungsjungen marktschreierisch in ganz Bremgarten feilbieten. Damit die Zeitung immer aktuell und originell bleibt, ist Vanek auch auf die Inputs der Besucher angewiesen, die damit den Inhalt der Zeitung aktiv mitgestalten können. «Wir hoffen, dass sich die Leute vom 3G-Konzept nicht abschrecken lassen», sagt Vanek. Dieses wird im Zeughaus zur Anwendung kommen, wie an allen anderen geschlossenen Marktorten wie zum Beispiel auch im Casino, wo der Brocante (Altwarenmarkt) stattfindet.

Keine Oldtimer
Auch abgesehen von Maskenpflicht und 3G in geschlossenen Räumen ist heuer am Markt der Vielfalt noch nicht alles wie in Prä-Corona-Zeiten.

So werden dieses Jahr auf dem Postplatz keine Oldtimer stehen, die Rundfahrten vom Obertor aus anbieten. «Die Auflagen waren den Anbietern zu umständlich», berichtet Marktchef Walter Friedli. So hätten die Fahrer nicht nur eine Zertifikatskontrolle bei ihren Gästen durchführen, sondern ihre Oldtimer auch noch nach jeder Fahrt umständlich reinigen und desinfizieren müssen. Auch das beliebte Pilzessen im Reussbrückesaal wird es dieses Jahr nicht geben. Dafür ist der Damenturnverein mit einem Take-away-Risotto in der Schellenhaus-Trotte eingesprungen.

Überhaupt geben sich alle Beteiligten grosse Mühe,, den Markt der Vielfalt allen Widrigkeiten zum Trotz zu einem denkwürdigen Wochenende werden zu lassen. «Unser Motto ist, dass wir das,, was möglich ist,, auch möglich machen wollen», sagt Schaufelbühl. Es sei auch in pandemiefreien Jahren immer wieder ein Kraftakt, genügend historische Handwerker zu finden, die ihr Können aus reinem Idealismus in der Bremgarter Altstadt zeigen. Umso stolzer ist sie darauf, dass es den Organisatoren gelungen ist, dass auch dieses Jahr Müller, Schmiede, Flechter, Gerber, Kerzenmacher, Brauer, Buchbinder und viele mehr die perfekte Kulisse der oberen Gassen der Altstadt in eine Welt aus vergangenen Zeiten verwandeln. «Hier kann man sich treiben lassen,, Berufe hautnah erleben und partizipieren, die eigentlich ausgestorben sind», sagt Schaufelbühl. Ein derartiges nicht kommerzielles Schauspiel sei wohl einzigartig.

Eine Dernière
Der Markt der Vielfalt wird auch eine willkommene Gelegenheit für zahlreiche Marktfahrer, die in den letzten beiden Jahren sehr gelitten haben und kaum Einkommen hatten. «Sie sind deshalb eine aussterbende Spezies», berichtet Marktchef Friedli. Viele hätten sich umorientieren müssen, da sie aufgrund der vielen coronabedingt abgesagten Märkte schlicht kein Einkommen mehr hatten und vom Bund in dieser Zeit nicht oder nur unzureichend finanziell unterstützt wurden. Rund 230 von ihnen verteilen sich dennoch auch dieses Jahr wieder auf dem Gelände des Altstadt-Neuwarenmarktes. Walter Friedli wird sie in den kommenden Tagen nochmals allesamt anschreiben und sie detailliert über die unerfreuliche Überraschung der verhängten Maskenppicht und deren Auswirkungen informieren. Derlei macht er heuer wohl zum letzten Mal. Nach 35 Jahren sieht er, der eigentlich längst in Pension ist, den Zeitpunkt für die Stabübergabe gekommen. Gespräche für eine Nachfolgelösung laufen.

«Umso wichtiger, dass wir dieses Jahr nochmals diesen einzigartigen bunten Mix des Marktes der Vielfalt hinkriegen, der sich gegenseitig bereichert und ergänzt», sagt Vanek. Am Engagement wird es ganz bestimmt nicht scheitern. --huy

 

 

 

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