Nicht wirklich freiwillig
30.05.2025 Region OberfreiamtDarum zog Urech weg von Sins
Im Herbst wiedergewählt, im April in einen anderen Bezirk gezogen. SVP-Grossrat Daniel Urech betont, dass er trotzdem weiterhin im Sinne des Bezirks Muri abstimmen wird, und erklärt seinen Wegzug. --ake
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Darum zog Urech weg von Sins
Im Herbst wiedergewählt, im April in einen anderen Bezirk gezogen. SVP-Grossrat Daniel Urech betont, dass er trotzdem weiterhin im Sinne des Bezirks Muri abstimmen wird, und erklärt seinen Wegzug. --ake
Kurz nach seiner Wiederwahl als Grossrat verliess Daniel Urech den Bezirk Muri – er erklärt sich
Im Herbst schaffte er die Wiederwahl als SVP-Grossrat des Bezirks Muri. Nur wenige Monate später zieht er weg von Sins. Dem zugrunde liegt ein Mietstreit. Daniel Urech betont: «Nur weil ich nun nicht mehr hier lebe, werde ich nicht anders abstimmen.»
Annemarie Keusch
26 Jahre sind vergangen, seit Daniel Urech nach Sins zog. «Aus beruflichen Gründen», sagt er. Seither lebt er zur Miete im gleichen Doppel-Einfamilienhaus. Seit zehn Jahren vertritt der SVP-Politiker den Bezirk Muri im Grossen Rat. Letzten Herbst schaffte er die Wiederwahl für eine weitere Amtsperiode – mit dem zweitbesten Resultat hinter dem neu gewählten Alain Bütler, ebenfalls SVP. Im Januar startete Urech also in die nächste Legislatur als Grossrat. Nur wenige Monate später sickert durch, dass er gar nicht mehr in Sins lebt. «Eine leidige Geschichte», sagt Urech. Deren Ursprung im Mietverhältnis liegt, in dem der SVP-Politiker seit 25 Jahren lebt. «Wir haben uns erlaubt, eine Mietzinserhöhung bei der Mietschlichtungsbehörde prüfen zu lassen», erzählt er. Es kam zur Verhandlung, Urech gewann. Die Folge: eine dreijährige Kündigungssperre. Bis Mitte 2028 wäre diese aktiv gewesen.
Der Konjunktiv verrät, dass es anders kam. Weil der Besitzer des Doppel-Einfamilienhauses dieses verkaufte. «Einem Kompagnon», sagt Urech. Der neue Besitzer meldete Eigenbedarf an. Urech zog Ende November erneut vor die Mietschlichtungsbehörde, verlor aber diesmal und musste innerhalb von sechs Monaten ausziehen. «Das hat wehgetan. Wir gingen nicht freiwillig weg von Sins.» Urech spricht von Ärger, von Frust, von Befremden und erzählt die Geschichte öffentlich, weil er sich seinen Wählerinnen und Wählern erklären will. Weil er damit unterstreichen will, dass er weder im Sommer, als er sich zur Wiederkandidatur entschied, noch zum Zeitpunkt der Wiederwahl im Oktober wusste, dass er sein Zuhause bald würde verlassen müssen. «Wir rechneten damit, mindestens bis im Sommer 2028 im Haus und damit in Sins wohnhaft zu bleiben.»
Weiterhin fast jeden Tag im Bezirk Muri
Dass er nun, wenige Monate nachdem er wiedergewählt wurde, um den Bezirk Muri weitere vier Jahre im Kantonsparlament zu vertreten, nicht mehr hier lebt, ist für ihn kein Grund, zurückzutreten. «Es gibt kein Gesetz, das dies vorschreibt, solange man im Kanton Aargau wohnhaft ist.» Zudem habe er alle wichtigen Persönlichkeiten innerhalb der Bezirkspartei über seinen Umzug orientiert. «Auch gegenüber ihnen habe ich betont, was ich immer und immer wieder sage. Mein Abstimmungsverhalten im Grossen Rat wird sich wegen des Umzugs nicht ändern.» Komme hinzu, dass er zwar im Bezirk Muri gewählt worden sei, aber als Grossrat, als Politiker im Kantonsparlament. «Und das bleibe ich auch.» Zumal Urech weiterhin bei der Landi Freiamt arbeitet und damit fast jeden Tag im Bezirk Muri ist.
Seit Anfang April lebt Daniel Urech in Niederlenz. Dort, wo er mit seiner Frau vor 34 Jahren ein Einfamilienhaus baute und nach dem Wegzug nach Sins vermietete. «Die Familie, die im Haus lebte, hegte Wegzuggedanken», erzählt er. So sei es auf der Hand gelegen, nicht nach einer neuen Wohnmöglichkeit in Sins Ausschau zu halten, sondern das Wohneigentum in Niederlenz zu beziehen.
«Verbündeter» im Bezirk Lenzburg
Der Bezirk Muri stellt seit Anfang Jahr acht Grossräte. Sind es mit dem Wegzug Urechs faktisch wieder nur sieben? Wieder verneint er, vehement. «Ich werde nach wie vor für den Bezirk Muri abstimmen.» Urech spricht von einem Sturm im Wasserglas und appelliert an die Geduld. Er wisse, dass im Verlaufe der laufenden Legislatur ein SVP-Grossrat in den Bezirk Muri ziehen werde. «Spätestens dann ist wieder alles ausgeglichen», betont er. Und ab dann habe der Bezirk Muri acht Grossräte und mit ihm auch einen Verbündeten aus dem Bezirk Lenzburg.
Urech plant also, bis Ende 2028 im Grossen Rat zu bleiben. Und dann? Ist eine Kandidatur im Bezirk Lenzburg möglich? «Das weiss ich noch nicht. Zuerst will ich richtig ankommen und mir das entsprechende Netzwerk wieder aufbauen.» In der Region, in der er einst aufgewachsen ist. «Die starke Verbindung zum Freiamt, speziell zu Sins, wird dabei immer bleiben», verspricht er.

