Phänomen mit Bäuchlein

Fr, 22. Okt. 2021
Blerim Pnishi: Der Bomber von der Bärenmatt in Bremgarten mäht den Rasen der Burkertsmatt in Widen. Bilder: zg/awa

Blerim Pnishi vom FC Bremgarten ballert sich durch die 3. Liga – Am Samstag auswärts in Würenlos (18.30 Uhr)

17 Tore in 12 Spielen: Blerim Pnishi ist in Topform. Der «Wunderbauch» erzielte zuletzt fünf Tore in einem Spiel. «Momentan geht alles rein», sagt der 33-Jährige, der auf der Bärenmatt für Spektakel sorgt – aber nach wie vor mit der Burkertsmatt eng verbunden ist.

Stefan Sprenger

Wenn man ihn nicht kennt, kann man als Gegenspieler den grossen Fehler machen und ihn unterschätzen. Blerim Pnishi sieht nicht aus wie eindurchtrainierter Stürmer. Er hat ein Wohlstandsbäuchlein und muss sich immer wieder Spässchen deswegen anhören. An die Sprüche hat er sich gewöhnt. «Der Bauch ist da. Und der geht auch nicht mehr weg», meint der Bomber von der Bärenmatt lachend. Pnishi ist einer der besten Techniker im Amaterfussball im ganzen Kanton Aargau. Und er ist der torgefährlichste Spieler der gesamten 3. Liga. Wenn er den Ball hat, dann läuten in der gegnerischen Verteidigung die Alarmglocken.

Glück, Können – und Familie

So wie am letzten Samstag. Tatort: Bärenmatt. Hauptdarsteller: Blerim Pnishi. Opfer: FC Wettingen II. Zwischen der 35. und 42. Minute erzielt Blerim Pnishi einen lupenreinen Hattrick für den FC Bremgarten. In der zweiten Halbzeit legt er noch zwei Kisten obendrauf. Fünf Tore in einem Spiel, das hat selbst der erfahrene Pnishi noch nie erlebt. «Das war schon besonders», sagt er. Total hat er in 12 Saisonspielen 17-mal getroffen. Damit ist er der Topskorer der 3. Liga. «Momentan passt vieles. Ich habe eine Glückssträhne», so «Blero», wie er von allen genannt wird.

Es ist mehr als nur Glück. Es ist Können – und auch ein wenig Familie. Denn zehn Torvorlagen kamen von seinem Cousin Faik Pnishi. Als «blindes Verständnis» betitelt er das Zusammenspiel zwischen ihm und Faik. «Wir machen auch neben dem Platz viel zusammen.» Mit Almir Pnishi kickt ein weiterer Cousin beim FC Bremgarten. Er ist der Bruder von Ex-Profifussballer Alban Pnishi, der mittlerweile wieder beim FC Wohlen spielt. Er hätte noch weitere Cousins, die man im Freiämter Fussball kennt.

Auch Blerim Pnishi hat eine Vergangenheit in Wohlen. Angefangen hat er natürlich beim FC Bremgarten. Dort, wo er aufgewachsen ist und auch heute noch lebt. Mit 15 Jahren wechselte er in den Juniorenverein von YF Juventus Zürich. Später kickte er beim FC Wohlen bis zu den A-Junioren. Nach einem Abstecher bei Bremgarten (3. Liga) und Meisterschwanden (2. Liga inter) landete er bei der U23 des FC Wohlen (2. Liga inter) unter Trainer Markus Brunner.

Ein gemütlicher Typ, der das Freiamt liebt

Von 2013 bis im Frühling 2020 spielte er dann beim FC Mutschellen – war zwischendurch noch kurz beim FC Bremgarten. Mit seinen Toren war er mitverantwortlich für den Aufstieg der Mutscheller in die 2. Liga und den Triumph im Aargauer Cup 2019. FC-Mutschellen-Trainer Sergio Colacino ist fussballerfahren, hat schon viele Spieler in seiner Karriere als Spieler und Trainer erlebt. Zu Blerim Pnishi meint er: «Er ist ein intelligenter Ausnahmekönner. Er konnte sich in der Vergangenheit eigentlich aussuchen, in welcher Liga er spielt.» Blerim Pnishi entschied sich immer für die Heimat Freiamt, für das Bequeme. Keine langen Anfahrtswege, keine Hektik. Pnishi ist ein gemütlicher Typ. Auch das eine Eigenschaft, die ihn einfach sympathisch macht.

Im Herbst 2019 kam sein zweiter Sohn zur Welt. Und Blerim Pnishi wollte etwas zurückschalten. Deshalb sein Wechsel im Frühling 2020 vom FC Mutschellen zurück auf die Bärenmatt. Zurück nach Hause. Mit der Burkertsmatt in Widen bleibt er aber nach wie vor eng verbunden. Pnishi arbeitet als stellvertretender Betriebsleiter auf der Sportanlage. Dort ist er schon seit 2013 dafür verantwortlich, dass die Burkertsmatt im Schuss bleibt – und auch die Fussballplätze in bestem Zustand sind.

FC Bremgarten unkonstant

Seine Tore schiesst er nun für den FC Bremgarten. Nach 12 Partien haben die Reussstädter sechs Siege, vier Niederlagen und zwei Unentschieden. Auffällig: Der FC Bremgarten spielt mal sackstark – und gewinnt beispielsweise 11:2 gegen Wettingen II oder 6:1 gegen den FC Kappelerhof. Und plötzlich brechen sie ein, verlieren gegen Villmergen (2:3) oder Muri II (1:3). Wieso sind die Bremgarter nicht konstant? Pnishi kennt die Gründe: «Wir haben einige verletzte Spieler. Und zudem viele Abwesenheiten. Wir trainieren nur zweimal pro Woche, oftmals sind wir nicht mal zehn Leute im Training. Das ist nicht optimal und deswegen ist es auch ein Auf und Ab mit uns.» Die Mannschaft kämpft so auch mit konditionellen Schwächen. «Wenn wir die Trainingspräsenz erhöhen können und an unseren Problemen arbeiten, dann können wir es unter die ersten drei Teams der 3. Liga schaffen.» Und vielleicht sogar vom Aufstieg träumen? «Mal schauen. Es wäre wohl noch zu früh», meint Pnishi, der als erfahrener Spieler auch gerne dem 34-jährigen Jungtrainer Mergim Morina mit Rat und Tat zur Seite steht.

Die Gründe für seinen Bauch

Der Zusammenhalt in der Mannschaft sei vorhanden und gut. Doch Blerim Pnishi merkt auch Unterschiede zu alten Zeiten. «Die Spieler haben früher alle miteinander nach den Spielen oder Trainings noch etwas miteinander unternommen. Die jungen Fussballer heutzutage haben da eine andere Mentalität. Das ist manchmal schade, denn so ein Teamgefüge und die Kameradschaft sind enorm wichtig bei einer Teamsportart.»

Blerim Pnishi feierte vor wenigen Wochen seinen 33. Geburtstag. Wie lange will er noch aktiv Fussball spielen? «Ich schaue von Saison zu Saison. Wenn mein Cousin Faik nochmals dabei ist, werde ich wohl auch eine Saison ranhängen», so Pnishi.

Der «Wunderbauch» ist aktuell eine Lebensversicherung für den FC Bremgarten. 17 der total 36 Tore gehen auf sein Konto. Zum Schluss des Gesprächs wird er noch gefragt, was denn die Gründe sind, wieso er ein Bäuchlein hat? «Gutes Essen in der Familie. Manchmal schlechte Ernährung, wenn ich mir die Mahlzeit aussuchen kann. Und manchmal bin ich auch etwas faul.» Abseits des Fussballplatzes bewegt er sich nur wenig, wie er lachend erzählt. Das spielt ihm aber keine Rolle. «Ich habe es schon versucht, dass der Bauch weggeht. Ein paar Kilos weniger würden mir guttun. Aber es klappt irgendwie nicht.» Er hat es akzeptiert und meint lachend: «Der Bauch gehört einfach zu mir.» Genauso wie seine Tore.

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