Sein Jubiläumsgeschenk

Fr, 08. Okt. 2021
Die Begeisterung für die Orgel und seine Arbeit in der Pfarrei St. Goar sind beim 52-jährigen Johannes Strobl auch nach 20 Jahren ungebremst. Bild: Sabrina Salm

Johannes Strobl feiert 20 Jahre als Kirchenmusiker in Muri mit Bachs Orgelwerk

Er gilt als experimentierfreudig und innovativ. Dank Johannes Strobl gilt Muri heute als Hochburg für alte Musik. 2001 wurde er zum hauptverantwortlichen Kirchenmusiker der Pfarrei St. Goar gewählt. Dieses Jubiläum hat er zum Anlass genommen, um das gesamte Orgelwerk von Johann Sebastian Bach zur Aufführung zu bringen.

Sabrina Salm

Die aktuelle Saison von «Musik in der Klosterkirche» steht im Zeichen eines besonderen Projekts: Johannes Strobl wird 20 Orgelkonzerte aufführen. Alle Werke stammen von Johann Sebastian Bach. Bachs Musik rückt er ins Zentrum, passend zu seinem 20-Jahr-Jubiläum als künstlerischer Leiter der Musik in der Klosterkirche. «Ich wollte meinen Kernbereich erneut erobern und habe mich deshalb dafür entschlossen, mir und den Konzertbesuchern ein Jubiläumsgeschenk zu machen», erklärt Johannes Strobl lächelnd. Johann Sebastian Bach hat eine besondere Bedeutung für ihn. Auch in Zusammenhang mit seiner Stelle in Muri. «Die Nachricht, man habe mich zum neuen Kirchenmusiker der Pfarrei Muri gewählt, hat mich in Bachs Geburtsort erreicht.»

Mount-Everest-Erfahrung

Sich dieser Aufgabe zu stellen, zeigt, dass Johannes Strobl auch nach zwanzig Jahren noch nicht müde ist, immer wieder neue Impulse in seinen Beruf zu stecken. Trotz seiner enormen Erfahrung war das Projekt für ihn eine Herausforderung. Denn von Bach gibt es unendlich viele Stücke. Entschieden hat er sich für 251 Titel. «Ich habe so viel geübt wie zu meiner Studentenzeit», lacht er. «Es ist eine Mount-Everest-Erfahrung für mich und ein Privileg, dass ich es machen kann.» Seit Mai sind 16 Aufführungen gespielt worden. Noch vier Konzerte stehen im Oktober an. Mit Stolz erzählt Johannes Strobl, dass es Menschen gibt, die bisher bei allen Orgelkonzerten dabei waren und ihn so begleitet haben. «Ich werde hier in Muri gut unterstützt», sagt der Kirchenmusiker.

Viel Unterstützung durfte er auch schon in den letzten zwanzig Jahren erleben. «Langsam wird mir bewusst, wie viel in dieser Zeit passiert ist. Es wurde einiges bewegt», sinniert er.


Entscheidung nie bereut

Am 1.Oktober vor 20Jahren begann Johannes Strobl als Kirchenmusiker in Muri

In seiner Zeit als künstlerischer Leiter der Musik in der Klosterkirche Muri hat sich viel getan. Ihm ist es unter anderem zu verdanken, dass die Kirchenmusik in Muri eine neue Blüte erlebte und die Konzerte über die Landesgrenze hinaus bekannt sind. Strobl fühlt sich nach wie vor wohl in Muri.

Sabrina Salm

«Ich glaube, ich hatte zu Beginn einen Bonus», lacht Johannes Strobl und gibt diesen gleich preis: «Jung und neu.» 32 Jahre alt war der gebürtige Kärntner, als er in Muri als Kirchenmusiker der katholischen Kirchgemeinde begann. Er mag sich noch an eines seiner ersten Orgelkonzerte erinnern. «Es gab keinen Applaus. Das überraschte mich schon ein bisschen», schmunzelt er. Denn das kannte er so nicht. Er war es sich gewohnt, dass der Applaus auch in Kirchen der Lohn eines Künstlers ist. Schnell habe das sich jedoch geändert. «Wenn es zur Stimmung passt, wird mittlerweile auch in der Klosterkirche applaudiert.»

Die Orgel ist das Instrument, das ihn fasziniert. Seit er zehn Jahre alt ist, spielt er es. «An einem Wochenende durfte ich einen Organisten vertreten, da hat es mich gepackt und nicht mehr losgelassen.» Er absolvierte das Salzburger Mozarteum, wo er die Diplome für Kirchenmusik sowie Instrumentalpädagogik und Konzertfach Orgel mit Auszeichnung erlangte. Daneben studierte er Musikwissenschaft und Romanistik. Seine Expertise in der Alten Musik erwarb er in einem umfassenden Studium an der Schola Cantorum in Basel. Seine spannende und umfassende Ausbildung kam ihm dann auch für die Stelle in Muri zugute.

Besser als in Venedig

Im Wesentlichen erwarteten ihn drei Aufgabenbereiche. Zum einen im Organistendienst sowie im kirchlichen Chor. «Der Chor war Liebe auf den ersten Blick», erinnert er sich. Von Beginn an habe er sich mit den Chormitgliedern verstanden. «Schon damals waren sie sehr ambitioniert und freundlich. Viele Kontakte durfte ich über sie knüpfen.» Was ihm einen guten Start und Anschluss in die Kirchgemeinde gab. Johannes Strobl gründete einen Projektchor. «Neue Mitglieder für den Kirchenchor zu finden, gestaltete sich schon vor zwanzig Jahren schwierig. Da aber jeder gerne singt, begannen wir verschiedene Projektchöre zu bilden. Das hat sich mittlerweile sehr schön eingespielt.»

Sein dritter Aufgabenbereich als Leiter der Konzertreihe «Musik in der Klosterkirche» bot ihm die Möglichkeit, professionelle Musik zu machen und zu fördern. «Diese Konzertreihe hat bereits mein Vorgänger Egon Schwab auf die Beine gestellt und ich durfte sie weiterentwickeln.» Als Meilenstein bezeichnet Strobl die enge Zusammenarbeit mit Murikultur. Johannes Strobl konnte experimentieren und Eigenleistung mit Schwerpunkt auf Orgelkonzerte einbringen. Gerne probiert er viel aus. Räume entdecken etwa, gehört zu seinem Faible. Die Mehrchorigkeit der Klosterkirche kostet Strobl immer wieder aus. «Die Klosterkirche ist räumlich und akustisch einmalig. Wie in Venedig – nur besser», schmunzelt der 52-Jährige. «Echos entstehen und mit dem Klang habe der Zuhörer das Gefühl, die Kirche hebt ab.» Johannes Strobl gerät regelrecht ins Schwärmen, wenn er von den Besonderheiten der Klosterkirche spricht.

Grosses Vertrauen bekommen

Als Solist und Ensemblemusiker war er regelmässig in Europa und Übersee unterwegs, knüpfte da wertvolle Kontakte. Dank diesen kamen und kommen immer wieder hochkarätige Musiker in die Klostergemeinde. «Und sie kommen gerne. Denn Muri hat sich zum Zentrum Alter Musik entwickelt.» Beinahe wäre Johannes Strobl jedoch nicht nach Muri gekommen. Er war damals freischaffender Musiker in Basel und hatte gleichzeitig neben der Bewerbung in Muri eine spannende Projektanfrage auf dem Tisch. «Ich habe mich richtig entschieden», ist er heute überzeugt. Projekte konnte er dann auch zur Genüge umsetzen in Muri. «Ich habe dabei sehr viel gelernt.» Die Stelle in Muri habe ihm mehr gegeben, als ein Leben lang in der Welt herumzutingeln. Das Vertrauen der Kirchgemeinde und der Pfarreileitung durfte er immer geniessen. «Sie haben sich immer hinter meine Pläne gestellt», ist er dankbar. Klar seien vielleicht einige Projekte auch ein Wagnis gewesen. «Doch das hat sich gelohnt.» Dies beweisen nicht nur verschiedene internationale Auszeichnungen, sondern auch die gut besuchten Konzerte. Was sicherlich den Künstlern zuzuschreiben ist, aber vor allem Johannes Strobl, der auch nach zwanzig Jahren weiterhin innovativ ist. Seine Begeisterung und Ideen stecken nach wie vor an, auch wenn sein Anfangsbonus aufgebraucht ist.


Orgelkonzerte

Zu seinem 20-Jahr-Jubiläum als Kirchenmusiker hat sich Johannes Strobl etwas Besonderes ausgedacht. Das gesamte Orgelwerk von Johann Sebastian Bach wird er zur Aufführung bringen. Von insgesamt 20 Orgelkonzerten hat er in diesem Jahr bereits 16 aufgeführt. Die letzten vier Konzerte finden am Sonntag, 10. Oktober, um 15 Uhr (Bach 17) und um 17 Uhr (Bach 18) sowie am Sonntag, 24. Oktober, um 15 Uhr (Bach 19) und um 17 Uhr (Bach 20) statt.

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