Spielen vor leeren Rängen

Di, 24. Nov. 2020
Ganz nach dem gewählten Motto «Stroh zu Gold» präsentiert sich der Verein gehdicht.ch auf diesem Gruppenbild. Die Gruppe wird am Samstagabend zum Abschluss im leeren Chappelehof auftreten, das Gezeigte wird live in die ganze Welt gestreamt. bz :pııg

Virtuelles Theatertreffen in Wohlen

Am Samstagabend wird im Saal des Wohler Chappelehofs Theater gespielt. Zum Abschluss des deutschsprachigen Playback-Theater-Treffens wird der von der Murianerin Andrea Küng präsidierte Verein «gehdicht.ch» auf der Bühne stehen. Dies zwar vor leeren Rängen. Via Internet wird der Auftritt jedoch in die ganze Welt gestreamt. Weil ein normales Theatertreffen mit 150 Teilnehmern derzeit unmöglich ist, wird der Anlass eben virtuell durchgeführt. Mit Wohlen als Basis. «Schade, ist kein richtiges Treffen möglich», sagt Küng. «Wir freuen uns aber, dass wir endlich wieder auf der Bühne stehen können.» --chh


Stroh nur virtuell zu Gold spinnen

Das Playback-Theater-Treffen von Ende November wird online über die Bühne gehen

Gegen 150 Teilnehmer und Teilnehmerinnen aus der Schweiz und dem deutschsprachigen Ausland erwartete der Verein gehdicht.ch an seinem Treffen in Wohlen. Nun wird ein Teil des Programms virtuell über die Bühne gehen. «Wir sind selber gespannt, wie das wird», sagt Präsidentin Andrea Küng.

Chregi Hansen

Alles war vorbereitet. Die Räume im Chappelehof und im Schlössli gemietet. Die Führung im Strohmuseum längst organisiert. Die Übernachtung in der Jugendherberge reserviert. Die Frage der Verpflegung geklärt. «Wir hätten für das Treffen in Wohlen ideale Verhältnisse gehabt», erklären Andrea Küng und Mathias Schiesser.

Inzwischen ist schon länger klar. Das traditionelle deutschsprachige Playback-Theater-Treffen kann in diesem Jahr nicht stattfinden. Sie seien darum angefragt worden, ob sie dieses Treffen stattdessen nächstes Jahr durchführen wollen, berichten die beiden. «Aber ganz ehrlich, wir haben die Organisation jetzt dreimal gemacht, das reicht», lacht Schiesser. Denn erst hat der Verein im Frühling das normale Programm erstellt, sich dann im Sommer eine angepasste Version für weniger Teilnehmer ausgedacht und jetzt im Herbst den ganzen Anlass ins Internet verlegt.

Zwei Livestreams geplant

«Wir haben so viel Arbeit in das Projekt gesteckt, einfach nichts machen war für uns keine Alternative», sagt Küng. Und so findet das Treffen der Playback-Theater-Szene eben im virtuellen Raum statt. Mit Wohlen als Ausgangspunkt. Die beiden Livestreams zum Auftakt und Abschluss werden aus dem Chappelehof-Saal übertragen. Dazwischen werden den Teilnehmenden Zuhörstunden und Workshops angeboten. Die beiden Live-Events sind öffentlich, für alles andere braucht es eine Anmeldung.

«Wir haben uns überlegt, was wir von unserem Programm virtuell realisieren können. Ein Teil lässt sich durchführen, anderes musste gestrichen werden, Neues ist dazugekommen», erklärt Schiesser. Das jährliche Treffen diene einerseits der Weiterbildung, aber auch der Vernetzung der kleinen und noch jungen Szene. Letzteres kommt in diesem Jahr wohl weniger zum Tragen. «Das ist schade. Aber wenigstens können wir einen Teil des Programmes doch durchführen», freut sich Küng.

Geblieben ist auch das Motto des Treffens: «Stroh zu Gold». Es gehöre zur Tradition der Treffens, dass sie jeweils einen lokalen Bezug hätten, erklären die beiden. Und in Wohlen bietet sich das Thema Stroh eben an. Gerade auch für das Playback-Theater. «Hier in Wohlen wurde einst Stroh zu verschiedenen Produkten verarbeitet. Wurde Stroh sozusagen veredelt. Wir nehmen die Geschichten des Publikums auf und setzen sie auf der Bühne bildlich um. Die persönlichen Geschichten der Zuschauer werden so im besten Fall durch uns in Gold verwandelt», sagt Küng.

Auf Geschichten des Publikums reagieren

Der Freiämter Verein «gehdicht.ch» existiert seit rund 11 Jahren. Playback-Theater hingegen gibt es seit 1975 und wird inzwischen weltweit praktiziert. «Es gibt etwa 200 Ensembles in rund 40 Ländern», weiss Matthias Schiesser, der als Musiker mit dabei ist und ab und zu die Moderation übernimmt. Doch worum geht es beim Playback-Theater? «Es handelt sich um eine besondere Form des Improvisationstheaters. Wir spielen auf der Bühne Szenen nach den Geschichten und Stichworten aus dem Publikum», erklärt Andrea Küng, die als Schauspielerin und als Präsidentin des Vereins aktiv ist. Eingesetzt wird das Playback-Theater sehr oft an Tagungen, Versammlungen, Teamanlässen und Weiterbildungen. «Wir waren schon am Teamtag eines Luxushotels, haben aber auch eine Programmreihe mit Geflüchteten gemacht», berichtet Schiesser.

Im Vorfeld seien die Zuschauer oft skeptisch, so Küng. «Viele haben vermutlich Angst, dass sie selber auf die Bühne müssen. Das ist aber nicht der Fall. Die Zuschauer geben uns nur Inputs, dargestellt werden die Szenen dann durch uns Schauspieler», erklärt sie. Dabei komme dem Moderator des Abends eine wichtige Rolle zu, liegt es doch an ihm oder an ihr, dem Publikum Themen zu entlocken und diese zu Vorgaben für die Schauspieler zu bündeln. «Wichtig ist, dass sich niemand entblössen muss. Jeder entscheidet selbst, wie viel Persönliches er von sich gibt», macht Küng deutlich. Dadurch, dass die eigene Geschichte dann von anderen nachgespielt werde, erhalte man einen neuen Blick darauf. «Man sieht das Ganze wortwörtlich aus einer anderen Perspektive», so die Schauspielerin. Das kann dazu beitragen, schwierige Situationen aufzulösen.

Viel positives Feedback erhalten

Das Freiämter Ensemble besteht aus neun Mitgliedern. Geprobt wird im Schnitt einmal pro Monat. Wobei nicht ein Stück geprobt wird, sondern die verschiedenen Darstellungsformen. Vor den Einsätzen gibt es jeweils eine spezielle Probe, in der man sich auf das Setting vorbereitet. So wird es auch am Theater-Treffen sein. Während den Workshops, die am Samstagnachmittag statttnden, wird «gehdicht.ch» die Aufführung für den Abend vorbereiten. «Daneben schauen wir, dass alles klappt. Und für die Technik haben wir professionelle Unterstützung organisiert», erklärt Andrea Küng.

Schon jetzt hat der Verein viel positives Feedback erfahren. «Viele Ensembles konnten dieses Jahr noch nicht auftreten. Sie sind froh, dass überhaupt etwas läuft», weiss die Präsidentin. Ihr geht es genau gleich. Auf die Aufführung zum Abschluss des Treffens freut sie sich. «Auch wenn wir in einem Livestream das Publikum nicht sehen können.»

Das virtuelle Playback-Theater-Treffen findet am 27 und 28 Noemmer stattt Der Eröffnungsabend am Freitag von 19 bis 21 Uhr sowie die Abschlussaufführung am Samstag (ebenfalls 19 bis 21 Uhr) werden live aus dem Chappelehof übertragen. Die entsprechenden Infos und Links unter playbacktheatertreffen2020.gehdicht.ch.

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