Vier Jahrzehnte fürs Dorfleben

Fr, 16. Okt. 2020
Vater und Sohn sind eng mit dem Weiler Waldhäusern verbunden: Georg «Jimmy» und Christoph Rüttimann. Bild: Celeste Blanc

Der Dorfverein Waldhäusern feiert sein 40-Jahr-Jubiläum – wegen dem Coronavirus ohne Fest

Der kleine, aber feine Dorfverein Waldhäusern ist das Herzstück des Dörfchens zwischen Bünzen und Waltenschwil. Seit vier Jahrzehnten bietet er an verschiedenen Anlässen Treffpunkt für die rund 100 Einwohner und ist heute noch wesentlich, um den Zusammenhalt im Dorf zu stärken.

Celeste Blanc

Wenn Georg Rüttimann, den alle im Dorf und in der Umgebung nur als Jimmy kennen, an die Gründung des Dorfvereins zurückdenkt, muss er lächeln. «1974 organisierten meine Freunde und ich ein grosses Fest für das Dorf. Damals waren wir zwischen 20 und 30 Jahre alt und die Idee kam uns beim wöchentlichen Treffen im Restaurant Burehof», erzählt er. Eine Idee, die bei den Waldhäusern sofort Anklang fand – denn auch ein kleines Dorf sollte seine eigenen Feste feiern. Das erste Waldhäusener Dorffest war ein voller Erfolg. «Wir nahmen so viel Geld ein, dass wir einen grossen Teil davon an die St. Josef-Stiftung in Bremgarten und an zwei Kinderheime spendeten», so das Gründungsmitglied.

Als dann 1980 angefragt wurde, die Einweihungsfeierlichkeiten für das neue Feuerwehrmagazin Bünzen auszurichten, wurde der Grundstein für den Dorfverein Waldhäusern gelegt. Man entschied sich, einen Verein zu gründen, um nebst diesem Anlass auch weitere organisieren zu können. «Und wirklich, alle vom Dorf wollten dabei sein und Mitglied werden», so der 73-Jährige.

Apfel fällt nicht weit vom Stamm

Vor allem dem mittlerweile verstorbenen Gründungsmitglied Max Schmid, der 22 Jahre lang den Verein präsidierte, sei es zu verdanken, dass der Verein von Beginn an erfolgreich lief. Er war Initiator von vielen Ideen, die das Dorfleben bereicherten. «Er ging auf die Leute zu und pushte die Anliegen des Dorfvereins», so Jimmy Rüttimann. Auch für Jimmys Sohn Christoph Rüttimann war der Dorfverein schon immer etwas ganz Besonderes. Da er als Kind und Jugendlicher für den Kindergarten, die Schule, aber auch für Treffen mit Freu nden ent weder nach Waltenschwil und später dann nach Bünzen gehen musste, schätzte er diese Anlässe im eigenen Dorf. «Für uns Jugendliche war es ein Highlight, als wir mit 16 Jahren eintreten durften», so der BDWM-Lokführer.

Und der Apfel fällt nicht weit vom Stamm, denn auch heute noch schlägt sein Herz für den Verein. Bereits seit 20 Jahren ist er im Vorstand, zehn Jahre davon als Kassier. Ihm ist es wichtig, dass man dem Dorf etwas bieten könne: «Schon immer war Waldhäusern sehr klein. Früher war es vor allem ein Bauerndorf – viele der Leute sahen sich täglich und man half einander.» Mit der Zeit veränderte sich das Dorfleben, da viele der Einwohner zunehmend auswärts arbeiteten. «Es kommt vor, dass ich Nachbarn für mehrere Wochen nicht sehe», lacht er, «das wäre vor 40 Jahren noch unvorstellbar gewesen.» Darum sei der Dorfverein Waldhäusern heute umso wichtiger. Er bietet mit seinen Anlässen Gelegenheiten, sich zu treffen und auszutauschen.

Nur ein Anlass in diesem Jahr

So organisiert der Vorstand für seine Mitglieder jährlich eine Velotour, einen Schneetag oder den Jass- und Kegelabend. In Erinnerung an das erste Dorffest von 1974 richtet er alle zehn Jahre ein grosses Dorffest aus, das letzte fand 2014 statt. Besonders aber freuen sich die Waldhäusener immer wieder auf das im Juni stattfindende Platzkonzert, dem auch viele Begeisterte aus den umliegenden Dörfern einen Besuch abstatten. «Wunderbar ist, dass am Platzkonzert viele ehemalige Waldhäusener wieder ins Dorf kommen», so Jimmy Rüttimann.

Coronabedingt musste vieles heuer abgesagt werden. Nur der Jass- und Kegelabend wird am 14. November stattfinden. «Uns ist es wichtig, dass wir mindestens einen Anlass für das Dorf organisieren können», so Christoph Rüttimann. Auch für das 40-jährige Bestehen wäre am 17. Oktober ein ganz besonderer Ausflug geplant gewesen. Verraten wird aber nur, dass es nach Tegerfelden geht. «Die Überraschung muss somit halt bis nächstes Jahr warten», zwinkert er.

Neuzuzüger auf Verein aufmerksam machen

So wie viele Vereine hat auch der Dorfverein Waldhäusern Nachwuchsprobleme. Während 2000 noch rund 168 Mitglieder gezählt wurden, sind es 20 Jahre später mit 84 Mitgliedern genau die Hälfte. «Natürlich ist es ein kleines Dorf, und Mitglied ist nur, wer in Waldhäusern wohnt oder mal gewohnt hat», erklärt Christoph Rüttimann. Auch zeichne sich die Veränderung im Dorf im Verein ab: Viele junge Leute ziehen aus Waldhäusern weg und haben eine nicht mehr so starke Verbundenheit zum Dorf.

Die Zuversicht lassen sie sich aber nicht nehmen. Tendenzen können wieder ändern. «Deshalb hören wir nicht auf, Neuzuzüger auf den Dorfverein aufmerksam zu machen», so Christoph Rüttimann. Denn die jetzigen Mitglieder schätzen nach wie vor die Bemühungen des Vereins. «Wir haben immer wieder ‹glatte› Abende zusammen, an denen wir bis in die frühen Morgenstunden verweilen. Hoffen wir, dass dies bald wieder möglich ist», so das Vorstandsmitglied. Und genau das ist ein weiterer Grund dafür, wieso der Dorfverein auch heute noch wichtig ist: Er fördert nach wie vor den Zusammenhalt der übersichtlichen Gemeinschaft Waldhäusern.

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