Das Feuer brennt wieder
24.11.2023 Fussball, SportFussball, Super League: Martin Rueda – Trainerlegende beim FC Wohlen – wird Assistent beim FC Basel
Martin Rueda musste nicht lange überlegen, als er die Anfrage des FC Basel erhielt. Seit wenigen Tagen ist er Co-Trainer bei einem der grössten Clubs ...
Fussball, Super League: Martin Rueda – Trainerlegende beim FC Wohlen – wird Assistent beim FC Basel
Martin Rueda musste nicht lange überlegen, als er die Anfrage des FC Basel erhielt. Seit wenigen Tagen ist er Co-Trainer bei einem der grössten Clubs der Schweiz. «Lustig, wie das Leben manchmal spielt», sagt Rueda. Er will nun mithelfen, den Club aus der Krise zu führen.
Stefan Sprenger
Er ist wieder auf der grossen Fussballbühne. Beim Traditionsclub, beim früheren Serienmeister FC Basel. Dort, wo die Erwartungen hoch sind und man – für Schweizer Verhältnisse – von einem Haifischbecken sprechen kann. Martin Rueda wird Co-Trainer des Tabellenletzten der Super League. Der FC Basel steckt in der Krise. Und er will dabei mithelfen, die Basler «aus dem Seich» zu bringen. «Eine Herausforderung, die ich gerne annehme», wie er sagt.
Imaginäres Denkmal in Wohlen
Beim Gespräch mit Rueda dauert es nicht lange, da fällt das Thema auf den FC Wohlen. Hier, im Freiamt, in Wohlen, früher auf der Paul-Walser-Stiftung, später auf den Niedermatten, hier hat Martin Rueda längst ein imaginäres Denkmal. Er ist Clublegende. Eng verbunden mit der märchenhaften Challenge-League-Zeit. Rueda war in den letzten 20 Jahren vier Mal (!) Trainer des FC Wohlen. Und er war Sportchef in der «Sforza-Saison» 2014/15, der erfolgreichsten Spielzeit der Wohler Clubhistorie. Sportlich ist Rueda die Gallionsfigur des grössten Erfolgs der Freiämter Fussballgeschichte. Am 8. Juni 2002 steigt der FC Wohlen mit Rueda als Cheftrainer in die Challenge League auf. Selbst wenn er heute daran zurückdenkt, sagt er: «Eine Riesensache. Eine wunderbare Geschichte.»
Sein Fussballwissen ist riesig. Als Abwehrspieler war er bei GC, Wettingen, Luzern und Xamax und Teil der Nationalmannschaft (auch an der WM 1994). Als Trainer war er bei Winterthur, Aarau, GC-Nachwuchs, Young Boys, Dubai, Wil und Lausanne. Und immer wieder beim FC Wohlen. Zuletzt war er technischer Leiter bei Neuchâtel Xamax.
Weg aus Neuchâtel: «Wo hätte ich sonst hinsollen?»
Im Frühling gab es dort Umstrukturierungen. Rueda hätte bei gleichem Aufwand starke finanzielle Einbussen hinnehmen müssen. Das wollte er nicht. Und verliess Xamax. Er zügelte vor drei Monaten zurück nach Zürich. Dort, wo er herkommt und seine beiden Söhne leben. «Wo hätte ich sonst hinsollen?», fragt er hypothetisch. Rueda, der vor seiner Zeit bei Neuchâtel viele Jahre in Villmergen wohnte, antwortet gleich selbst auf seine Frage: «Okay. Wohlen wäre auch etwas gewesen, da kenne ich ja viele Leute und es ist meine zweite Heimat.» Ein Fakt, der dies untermauert: Bis heute ist er eng befreundet mit dem früheren FC-Wohlen-Präsidenten Andy Wyder.
Durch die sportlichen Erfolge wurde er beim FC Wohlen zur Ikone. Doch was ihn hier zur Legende macht, ist seine menschliche Art. Ein feiner Kerl mit feinem Humor. Sympathisch, bodenständig, locker. Passend dazu seine Worte, wenn er von seiner neuen Aufgabe beim FC Basel spricht: «In Neuchâtel habe ich meine Zelte abgebrochen. Dann bist du 60 Jahre alt, hast keinen Job, zügelst zurück in deine Heimat. Dann machst du dir schon Gedanken. Doch plötzlich geht es rassig und du bist beim FC Basel. Verrückt. Eigentlich Wahnsinn. Es ist schon lustig, wie das Leben manchmal spielt.»
Wie kam es zu diesem Engagement? Fabio Celestini, der den FC Basel als Cheftrainer vor einem Monat übernommen hat, ist ein Bekannter von Rueda. Schon als Celestini beim FC Luzern war, hat er Rueda angefragt für den Co-Trainer-Posten. «Damals konnte und wollte ich nicht.» Jetzt hat Celestini wieder angerufen
– sie reden – und es passt perfekt. «Ich habe kurz überlegt und dann zugesagt. Es ist eine spannende Aufgabe. Ich stehe voll und ganz hinter der Philosophie und den Prinzipien, die Celestini vertritt.» Eine weitere Stärke von ihm drückt durch: Loyalität.
«Ich war schon immer ehrgeizig – jetzt erst recht»
Rueda weiss, dass der FC Basel gerade in Krisenzeiten steckt. 13 Spiele, nur zwei Siege. Mit acht Punkten steht das Team am Tabellenende, hat schon zwei Mal den Trainer in dieser Saison gewechselt. «Basel steht gerade nicht gut da in der Tabelle. Das Potenzial des Teams ist aber riesig. Es ist ein Proficlub wie im Bilderbuch. Ich will mithelfen, den FC Basel wieder dorthin zu bringen, wo er hingehört.» Nämlich viel weiter oben in der Tabelle.
Er ist erst seit wenigen Tagen in Basel. Doch Rueda ist sich sicher, dass es gut kommt. «Die Spieler hören zu, sie sind bereit und sie sind willig. Und wenn der Wille da ist, wird der Rest auch klappen. Ich glaube fest daran, dass wir wieder aus dem Tabellenkeller rausfinden und dass es eine positive Zeit werden wird.» Rueda will Cheftrainer Celestini dabei unterstützen, Ordnung und Struktur hineinzubringen. Und Ruhe.
Und er freut sich riesig auf diese neue Aufgabe. Nach mehreren Jahren als technischer Leiter bei Neuchâtel Xamax ist er wieder heiss auf einen aktiven Job an der Seitenlinie. «Die Beziehungen in einer Mannschaft, schwierige Phasen miteinander durchstehen, erfolgreiche Phasen gemeinsam feiern, das alles hat mir gefehlt und das alles hat man in wohl kaum einem anderen Beruf», sagt Rueda. Das Feuer brennt wieder. «Ich war schon immer ehrgeizig. Und jetzt in dieser Situation erst recht. Dem FC Basel zu helfen, diesem Schweizer Traditionsclub, das ist sehr reizvoll.»
Die Basler können sich sicher sein, dass sie mit Martin Rueda einen tollen Fussballkenner und feinen Menschen engagiert haben. Beim FC Wohlen wird das jeder gerne bestätigen.

