56 kbit/s

Di, 12. Jan. 2021

Chregi Hansen, Redaktor.

Heute ist alles mit allem und jeder mit jedem vernetzt. Die Jungen steuern Musikanlage und Licht per Sprache, die Heizung zu Hause wird vor der Rückreise noch aus der Ferienwohnung hochgefahren, und der Kühlschrank merkt von selber, wenn das Bier alle ist – und bestellt gleich neues.

Damit dies klappt, müssen Unmengen von Daten quer über den Erdball transportiert werden. Und das immer schneller. Heute gehört es fast schon zum Standard, einen 500-Megabit-Internetanschluss zu haben. Sowohl zu Hause wie auf dem Handy. Alles superschnell. Alles ist zu jeder Zeit zu haben – und wenn es mal etwas länger dauert, dann wird man schon nervös.

Als ich Anfang der 90er-Jahre die Online-Welt entdeckte, koppelte man sich mit einem 56-kbit-Modem ins Netz. Das Teil konnte also 56 kbit pro Sekunde übertragen. Theoretisch. Um einen Vergleich zu haben: 56 kbit entsprechen 0,056 Megabit. Oder anders gesagt: Die Verbindung von damals war zehntausendmal langsamer. Falls es überhaupt eine Verbindung gab. Denn online ging man über die Telefonleitung. Blöd also, wenn die Freundin gleichzeitig mit ihrer Kollegin quatschen wollte. Wie oft stürmte sie nach oben, damit ich endlich offline gehe und sie telefonieren kann. Heute würde sie einfach eine Whatsapp senden: «Mach die Leitung frei!»

Weil alles so langsam war, musste man genau wissen, was man wollte. Gut, viel gab es noch nicht. Eine Fahrplanauskunft vielleicht. Eine Adresse. Oder die Möglichkeit, etwas aus dem Ausland zu bestellen. Bilder auf den Seiten waren störend – denn sie benötigten viel Datenvolumen, und damit viel Zeit. Zum Vergleich: Mein heutiges Handy macht Bilder in der Grösse von 5 MB. Um ein solches zu übermitteln, benötige ich aktuell 0,1 Sekunden. Bei meinem alten Modem wären es mehr als eine Viertelstunde gewesen. Theoretisch. Denn noch vor dem Ende der Übertragung war die Verbindung eh gekappt. Entweder wollte die Freundin telefonieren. Oder ich musste Bier kaufen gehen – der Kühlschrank hat es noch nicht selber bestellt. Dafür habe ich dort vermutlich Freunde getroffen. Und persönlich gequatscht. Weniger ist manchmal eben mehr. Das galt damals. Aber auch heute.

Category: 

Neuen Kommentar schreiben

Die Emailadresse wird nicht veröffentlicht oder an dritte weitergegeben. Sie wird nur zu Kontaktzwecken im Zusammenhang mit diesem Kommentar verwendet.
CAPTCHA
Diese Frage hat den Zweck zu testen, ob Sie ein menschlicher Benutzer sind und automatisiertem Spam vorzubeugen.

Kommende Events

Stellen

Immobilien

Diverses

Trending

1

Mit der Sicht von aussen

Seit knapp drei Monaten ist Severin Bättig der neue Gemeindeschreiber in Muri

Er wohnt in der Stadt Luzern, Berührungspunkte zu Muri hatte er keine. «Ich bin hier ein unbeschriebenes Blatt», sagt Severin Bättig. Entsprechend braucht er Zeit, sich in alle Themen und Bereiche einzulesen. Gleichzeitig bringt er die Aussensicht mit. Und die kann der Gemeinde auch helfen.

Annemarie Keusch

Der Aufgabenbereich ist gross. Die Themen sind breit gefächert. Das ist es, ...