Angerichtet für Bronze-Party
06.12.2022 Ringen, SportRingen, NLA, Kampf um den 3. Platz: RR Einsiedeln – RS Freiamt 11:28 (9:11)
Nach dem Hinkampf ist die Entscheidung um den 3. Platz so gut wie gefallen. Die RS Freiamt gewinnt in Einsiedeln mit 17 Punkten Differenz. Es müsste enorm viel schiefgehen, damit die ...
Ringen, NLA, Kampf um den 3. Platz: RR Einsiedeln – RS Freiamt 11:28 (9:11)
Nach dem Hinkampf ist die Entscheidung um den 3. Platz so gut wie gefallen. Die RS Freiamt gewinnt in Einsiedeln mit 17 Punkten Differenz. Es müsste enorm viel schiefgehen, damit die Bronze den Freiämtern noch entgleitet. Positiv aufgefallen sind die jungen Saya Brunner und Kimi Käppeli.
Josip Lasic
Sowohl Freiamts Teamcaptain Pascal Strebel als auch Clubpräsident Nicola Küng sagen nach dem Kampf, dass sie ein bisschen Sorgen im Vorfeld hatten. Nachdem man gegen Kriessern den Finaleinzug verpasst hat, sei ein wenig die Luft draussen gewesen. Trainer Marcel Leutert hätte die Mannschaft in den Trainings wieder etwas aufbauen müssen. Gemessen daran wurde es eine extreme Machtdemonstration der Freiämter in Einsiedeln. Mit 17 Punkten Differenz gewinnen sie und können damit den 3. Platz schon fast nicht mehr aus den Händen geben.
«Nach den ersten zwei Kämpfen musste ich aber schon zuerst kurz zum Team und sagen, dass sie sich noch einmal zusammennehmen sollen», so Leutert. in der Tat deutet zu dem Zeitpunkt noch nichts darauf hin, dass die RS Freiamt so über die Einsiedler hinwegfegen wird. Im ersten Duell punktet Einsiedelns 46-jähriger Routinier Oleksands Golin den 22-jährigen Flurin Meier aus. 4:0. Danach trifft der Internationale Damian von Euw, letztes Jahr mit Doppellizenz noch für die RS Freiamt unterwegs, auf Roman Zurfluh. Zurfluh hält gegen von Euw gut dagegen, wird aber beim Stand von 10:0 für den Innerschweizer wegen einer dritten Verwarnung disqualifiziert. Ein weiteres 4:0. «Das war ein wenig unglücklich. Nach den ersten beiden Kämpfen müsste es nicht unbedingt 0:8 aus unserer Sicht stehen», so Leutert. «Aber danach lief es gut.»
Ein höherer Sieg wäre möglich gewesen
Und wie gut es lief. Nils Leutert gewinnt mit 4:0. Tanguy Darbellay mit 3:1. Nino Leutert ebenfalls mit 4:0. Damit ist die RS Freiamt zur Pause schon mit 11:9 vorne. Danach geht es im gleichen Stil weiter. Marc Weber siegt mit 3:1, Saya Brunner mit 4:0, Kimi Käppeli mit 4:0, Randy Vock mit 3:1 und Pascal Strebel abschliessend mit 3:0.
Bei der RS Freiamt gibt es kaum etwas zu kritisieren. Mit einem Augenzwinkern muss sich Pascal Strebel die Frage gefallen lassen, warum er bei einer 14:0-Führung gegen Michel Schönbächler nicht versucht, einen weiteren Punkt zu erzielen und damit auch einen 4:0-Sieg zu holen. Er antwortet mit einem Lächeln: «Ich wusste, dass er nicht schlecht kontert, wenn man zu ungestüm angreift. Deshalb habe ich nicht riskiert, noch einen Punkt abzugeben.» Leutert: «Das war absolut souverän von Pasci. Ob wir jetzt mit 17 oder 18 Punkten Vorsprung in den Rückkampf gehen, sollte wirklich nicht entscheidend sein. Ich erwarte trotzdem, dass man Einsiedeln im Rückkampf nicht unterschätzt und respektvoll in den Kampf geht. Aber im Normalfall sollte nichts mehr schiefgehen können.» Strebel war auch nicht der Einzige in den Reihen der Freiämter, der einen höheren Sieg hätte einfahren können. Mit etwas mehr Glück wären in einigen Duellen weitere Punktgewinne machbar gewesen. Tanguy Darbellay, der Walliser, der mit einer Doppellizenz für die RS Freiamt ringt, ist beispielsweise sehr selbstkritisch. «Ich hätte nicht unbedingt einen Punkt abgeben müssen», sagt er. «Immerhin habe ich eine souveränere Leistung gezeigt als im letzten Duell mit Yves Neyer.» Zum Ende der Vorrunde besiegte er den Einsiedler mit 4:1, war aber laut eigener Aussage nach dem Kampf am Ende seiner Kräfte. «Diesmal war es eine bessere Leistung von mir.»
Auch wenn noch mehr Punkte möglich gewesen wären, können die Freiämter mit ihrer Leistung und dem Ergebnis aber definitiv zufrieden sein.
Junge Ringer mit souveränen Auftritten
Bei einem solchen Auftritt ist es auch schwierig, jemanden positiv hervorzuheben. In den Reihen der RS Freiamt ist man allerdings schnell fündig geworden. Tanguy Darbellay ist von den Leistungen des 19-jährigen Kimi Käppeli und des 17-jährigen Saya Brunner beeindruckt. «Das war grossartig, wie die jungen Kimi und Saya aufgetreten sind. Respekt.»
Dem schliesst sich auch Trainer Marcel Leutert an. «Saya macht das sehr routiniert beim 4:0-Sieg gegen Sulayman Quarishi, einen Ringer, der älter ist als er. Kimi hat in dieser Saison schonmal gegen Sascha Schmid gewonnen. Aber im Greco. Kimi ist Freistiler. Trotzdem muss man da erstmal die technische Überlegenheit schaffen und mit 4:0 gewinnen.»
Abschied von Leutert steht bevor
Mit diesem klaren Sieg sollte alles angerichtet sein für die Bronze-Party in Muri. Am Sonntag, 14 Uhr, treffen sich die Teams in der Bachmatten-Halle. Es wird der letzte Kampf von Marcel Leutert als Trainer der RS Freiamt sein. «Es wäre schön, sich mit einem Erfolgserlebnis zu verabschieden.»
Und das wollen ihm die Ringer bescheren. Denn obwohl die RS Freiamt sogar eine hohe Niederlage verschmerzen könnte, wollen die Freiämter unbedingt gewinnen. Pascal Strebel: «Die Frage stellt sich gar nicht. Wir wollen den Sieg. Das hat sich Marcel verdient und wir wollen ihm einen anständigen Abschied bereiten.»
Interne Lösung bevorzugt
RS-Freiamt-Präsident Nicola Küng über die Trainersuche
Nicola Küng, Präsident der RS Freiamt, ist zufrieden nach dem Sieg in Einsiedeln. «Ich denke, dass wir momentan im Schnitt schon über die besseren Ringer verfügen. Mit diesem Ergebnis haben wir das auch unter Beweis gestellt.»
Was ihn ein wenig wurmt – nach dem deutlichen Erfolg in Einsiedeln ist die Enttäuschung schon noch spürbar, dass man den Final verpasst hat. «Es tut schon weh. Ich denke, dass wir mit unserem Team in den Final gehören. Dass es nicht gereicht hat, müssen wir uns aber selbst zuschreiben. Ich hatte vor allem Respekt davon, weil nach dem Rückkampf in Kriessern ein wenig die Spannung weg war im Team. Aber der Auftritt gegen Einsiedeln war dennoch gut.» Nächste Saison wird man wieder die Gelegenheit haben, sich für den Final zu qualifizieren. Dann allerdings ohne Trainer Marcel Leutert. Auf die Frage nach der Trainersuche lässt sich Küng aber nicht in die Karten blicken. «Es laufen Gespräche», sagt er mit einem verschmitzten Lächeln.
«Jemand, mit dem man sich identifizieren kann»
Ein bisschen Einblick in das Anforderungsprofil gibt er aber trotzdem. «Wir möchten eine interne Lösung. Jemanden aus dem Verein beziehungsweise jemanden, mit dem man sich im Verein und im Freiamt identifizieren kann.» Eine externe Lösung als Trainer der ersten Mannschaft wäre bei der RS Freiamt ein Novum gewesen. «Marcel Leutert war jemand, mit dem man sich bei uns identifizieren kann. Ebenso Adi Bucher vor ihm. Das trifft eigentlich auf alle Trainer in der Vergangenheit zu. Und mit so jemandem planen wir auch für die Zukunft. Das hat sich bei uns bewährt.»
Man darf gespannt sein, wen die Freiämter als Nachfolger von Leutert präsentieren werden. Am kommenden Sonntag, 14 Uhr, wird aber noch einmal der Vater der Ringer-Zwillinge Nils und Nino Leutert auf dem Trainerstuhl sitzen. --jl