Auch Fasnacht braucht Nachwuchs

Fr, 19. Nov. 2021
Ohne Publikum und mit Maske, die vier Schultheisse (von links), Simon Waltenspühl (Adelburg), Doris Wetzstein (Hohenwien), René Neiger (Neuenburg) und Paul Rey (Wien), hoffen auf eine «normale» Fasnacht. Bild: Archiv

Der Fahrplan steht – die Schultheissen sprechen über die kommende Fasnacht

Am 11. November ging es oflziell los. An diesem Tag tagten die Schultheissen der Vereinigten Fasnachtsgesellschaften. Nun sind die Mottos klar, die Termine gesetzt. Ein Thema war aber auch die schwierige Suche nach Stadträten. Besonders in Muri-Wien scheint sich die Lage zuzuspitzen.

Annemarie Keusch

Es ist vielleicht für die meisten nur ein Detail. Und es kann sicher nicht als ein möglicher Grund für die Nachwuchsprobleme der Fasnachtsgesellschaften genannt werden – zumindest jetzt noch nicht. Die Mittelstufenschülerinnen und -schüler haben im nächsten Jahr am Fasnachtsmontag nicht frei. «Sehr schade», sagt Paul Rey, Schultheiss Muri-Wien. Die Kinderreunion in den Beizen im Wey bestreiten also nur Kindergärtler und 1.- und 2.-Klässler. «Wer von den Älteren mitmachen will, muss den Paragrafen einziehen», erklärt Rey. «Ich war schockiert, als ich davon gehört habe», sagt René Neiger, Schultheiss Muri-Neuenburg. Für eine Fasnachtshochburg, wie es Muri ist, sei dies ein schwaches Zeichen. «Auch wir brauchen Nachwuchs», sagt er.

Und das merken die drei Murianer Schultheissen in ihren Gesellschaften. Auch in Hohenwien, der Buttwiler Fasnachtsgesellschaft, gab es in den letzten Jahren immer wieder personelle Probleme – gerade bei Abgängen. Und diese stehen in Muri an. «Das wird meine letzte Fasnacht als Schultheiss», sagt Paul Rey. Es ist nicht der einzige Abgang, auch Brigitte Zimmermann wird den Stadtrat nach der nächsten Fasnacht verlassen. «Es ist eine schwierige Situation», sagt Paul Rey. Die Fasnacht, die Fasnachtsgesellschaft, beides liegt ihm sehr am Herzen. «Ich bin seit 20 Jahren dabei. Ich bin etwas müde geworden», sagt er.

Auch andere zwei künden Rücktritt an

Aus sieben Mitgliedern besteht der Wiener Stadtrat aktuell. Zwei Neue zu finden, sei das eine. Jemanden zu finden, der Rey als Schultheiss ablöst, das andere. «Die nächste Fasnacht ist aber gesichert», betont Rey. Was nachher passiere, sei völlig ungewiss. Nachwuchsprobleme kennt nicht nur die Fasnachtsgesellschaft Muri-Wien, auch die Adelburger und Neuenburger wissen um die Herausforderungen. «Wir sind aktuell neun Stadträte, fünf sind über 55-jährig, vier sind jünger. Auch wir wissen, dass wir dranbleiben müssen», verkündet Simon Waltenspühl von den Adelburgern. Er freut sich, die kommende Fasnacht mit weiblicher Verstärkung im Stadtrat angehen zu können. Aber auch er kündigt an, nicht mehr zehn Jahre Schultheiss zu bleiben. «Ganz sicher nicht.»

Ähnlich tönt es bei René Neiger. «Nach dem Umzug an der Fasnacht 2023 höre ich auf», kündet er an. Momentan sehe es in Neuenburg nicht schlecht aus, was den Nachwuchs betrifft. Von den sieben Stadträten sind viele Jüngere, an der Strassenfasnacht wird ein neuer Stadtrat getauft. «Aber auch wir müssen immer unsere Fühler ausstrecken, an Veranstaltungen präsent sein, um Leute für unsere Gesellschaft zu gewinnen.»

Das, was gut war, beibehalten

Auch wenn es da und dort Nachwuchsprobleme gibt und auch wenn die Durchführung der Fasnacht im Januar und vor allem im Februar längst nicht gesichert ist, gehen die Schultheissen der Vereinigten Fasnachtsgesellschaften voller Motivation und Tatendrang an die Planung. An der Versammlung der Stadträte und Schultheissen tauschten sie sich über Anlässe und Mottos aus. «Wir hoffen, dass es eine Fasnacht wird, wie wir sie aus vergangenen Zeiten kennen und schätzen», sagt Simon Waltenspühl. Geplant wird mit einer solchen, bereit, um wenn nötig reagieren zu können, sind die Stadträte aber.

Von der speziellen Fasnacht in diesem Jahr wollen die Schultheissen das mitnehmen, was gut ankam. «Wir organisieren die Fasnachtsfenster wieder», sagt Simon Waltenspühl. Gegen 50 waren es diese Fasnacht. «Das hat Spass gemacht.» Gleiches sagt René Neiger über die inoffizielle Strassenfasnacht am Fasnachtssamstag. «Es hatte den ganzen Tag so viele Leute auf der Strasse, die Fasnacht machten. Ich hoffe, das bleibt auch dieses Jahr.»

Golf, Berge und ein «Jubiläum»

Wieder steht die fünfte Jahreszeit bei jeder Fasnachtsgesellschaft unter einem anderen Motto. «Schiff ahoi! – Gemeinsam auf Kurs», lautet dieses bei der Fasnachtsgesellschaft Hohenwien-Wissenburg in Buttwil. «Golf mit Rolf» wählten die Neuenburger. «Wir wollten etwas Sportliches», meint René Neiger. Der Stadtrat besuche im Vorfeld extra einen Golfkurs, um die Platzreife für die Fasnacht zu erhalten. «Wir werden im ganzen Dorf präsent sein und mit der Bevölkerung golfen», verspricht er. Und warum Rolf? «Weil es sich reimt, und einer unserer Stadträte heisst so.»

«S isch ned wohr – scho 253 Johr» heisst das Motto der Adelburger. «Wir feiern Jubiläum», sagt Simon Waltenspühl. Und angesprochen darauf, dass 253 keine Jubiläumszahl sei, antwortet er: «Es ist Fasnacht, da dürfen es auch schräge Zahlen sein.» Unter dem Motto «Ab i d Berge!» organisieren die Wiener ihre Fasnacht. «Gerade während der Pandemie sind die Berge in», erklärt Paul Rey. Die heile Welt der Älpler bringen sie an die Murianer Fasnacht.


Der Narrenfahrplan

7. Januar, 20 Uhr, Chappe-Obig, Restaurant Rössli, Muri-Adelburg. – 16. Januar, 10.30 Uhr, Narrenmarsch Buttwil, Hohenwien. – 22. Januar, 20 Uhr, Stiefeliryter-Nacht auf dem Klosterhof; 11. Februar, 20.22 Uhr, Burgerversammlung im Restaurant Frohsinn, Muri-Neuenburg. – 12. Februar, 15.15 Uhr, Startschuss auf dem Klosterhof, Vereinigte Fasnachtsgesellschaften; 18.18 Uhr, Schlüsselübergabe; Start der Fasnachtsfenster bis am 1. März. – 18. Februar, 20 Uhr, Geischterball in der Turnhalle Buttwil, Lindenberggeischter. – 19. Februar, 14 Uhr, Seniorenfasnacht der Gängeli-Musig im St. Martin; Klosterball des FC Muri ab 20 Uhr. – 24. Februar, ab 6 Uhr, Morgenstreich in allen Stadtteilen; Coop-Fasnacht ab 9.30 Uhr, Muri-Adelburg; Seniorenfasnacht im Restaurant Scheuber, Hohenwien; ab 13.30 Uhr Little Monster auf dem Gröfli-Areal, Muri Neuenburg; ab 20 Uhr Maskenreunion in diversen Restaurants, Adelburg; ab 20 Uhr Gängeliball auf dem Gröfli Areal. – 25. Februar, Wiener Party ab 20 Uhr im Muri 13. – 26. Februar, KiFa-Ball ab 14 Uhr in der Turnhalle Bachmatten, Adelburg; Umzug und Dorfball ab 16 Uhr, Hohenwien; Maskenreunion in diversen Restaurants ab 20 Uhr, Neuenburg; Fantasienball im Festsaal ab 20 Uhr, Turnverein. – 27. Februar, 13.31 Uhr, Jubiläums-Strassenfasnacht, Neuenburg. – 28. Februar, Kinderreunion, ab 13.30 Uhr in diversen Restaurants, Wien; ab 20 Uhr Maskenreunion in diversen Restaurants, Wien; ab 23 Uhr «Grüene Duume» im Muri 13, Wien. – 1. März, 15.15 Uhr, Schlüsselrückgabe der Vereinigten Fasnachtsgesellschaften auf dem Klosterhof. – 6. März, 19 Uhr, Fasnachtsfüür bei der Bäckerei Bütler, Neuenburg. – 7. März, Hirsmontagversammlung um 20 Uhr im «Rössli», Adelburg; GV im «Frohsinn» um 19.30 Uhr, Neuenburg. – 10. März, Burgerversammlung, 20 Uhr, «Ochsen», Wien.

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