«Bauen für die halbe Ewigkeit»
26.04.2024 WohlenMaterial des Bez-Gebäudes und der alten Turnhalle findet eine weitere Verwendung im künftigen Kulturzentrum
Zwei Gebäude auf dem Schulzentrum Halde warten auf den Abbruch und die Sanierung. Bevor Bagger und Bauarbeiter aufkreuzen, sichert sich der Verein ...
Material des Bez-Gebäudes und der alten Turnhalle findet eine weitere Verwendung im künftigen Kulturzentrum
Zwei Gebäude auf dem Schulzentrum Halde warten auf den Abbruch und die Sanierung. Bevor Bagger und Bauarbeiter aufkreuzen, sichert sich der Verein für Kultur ganz viel Material. Bauchef und Architekt Stefan Hegi weiss genau, was er im neuen Kulturzentrum im alten Werkhof gut gebrauchen kann.
Daniel Marti
Er ist der Mann mit dem gelben Klebeband. Und ihm entgeht gar nichts. Er sieht, was gut zu gebrauchen ist, was weiter leben darf und was von der Bezirksschule in den alten Werkhof gezügelt werden soll. Architekt Stefan Hegi, der Bauexperte für den Verein für Kultur Wohlen, leitet den Umbau beim alten Werkhof, der zu einem Kulturzentrum gemacht wird. Und dort, bei der Bleichi, gibt es ganz viel anzupacken. Ganz viel Material wird gebraucht. Material, das es in der Bezirksschule hat und weiter verwendet werden kann.
Nachhaltig und sparsam
Die Sanierung und Erweiterung der Bez werden mit dem Abbruch der alten Turnhalle in knapp zehn Tagen gestartet. Die Schülerinnen und Schüler sind längst umgezogen – ins Provisorium am Oberdorfweg und in die benachbarte neue Primarschule. Das Bez-Schulhaus und die Turnhalle stehen also leer – zwar nur kurz, bis die Bauarbeiter anrauschen. Aber es bietet sich eine gute Gelegenheit, alles Brauchbare zu sichern. Damit solches Material im alten Werkhof weiterverwendet werden kann. Und den Anfang dabei macht eben Stefan Hegi. Von Raum zu Raum geht er. Und mit dem gelben Klebeband markiert er alles, was es wert ist, zu behalten. Ein Foto wird noch davon geschossen und eine Liste abgearbeitet – so wissen alle Helferinnen und Helfer, was genau ausgebaut werden muss. Der Mann mit dem gelben Klebeband leistet ganze Arbeit. Die ist äusserst wertvoll. Und freut auch die Bauherrschaft beim alten Werkhof.
«Dass das Bez-Schulhaus exakt dann zur Ausweidung bereitsteht, wenn wir am Umbau des neuen Kulturzentrums sind, ist eine wunderbare Fügung», sagt Jonas Arnet, Präsident des Vereins für Kultur. «Zudem ist es sehr in unserem Sinne, so nachhaltig und ressourcenschonend wie möglich vorzugehen. Auch aus finanzieller Sicht macht das absolut Sinn: Während die Gemeinde Entsorgungskosten spart, sparen wir Materialkosten.»
Und der Material-Hunger für das neue Kulturzentrum ist enorm: Holzroste, Storen, Einhängeschienen für Bilder, Garderoben, Stellwände, Küchenelemente, Türen von Schulzimmern und WC, Wandtafeln, Tische, Stühle, WC, Pissoir, Papierhalter, Handtuchspender, Abfallbehälter, Schränke, Radiatoren, Aufbau-Deckenleuchten, Steckdosen, Schalter. So ein Bezirksschulhaus hat mit einem Kulturzentrum anscheinend viel mehr Gemeinsamkeiten, als man sich erhoffen kann.
Wie wertvoll die Materialien sind, das könne er nicht beziffern, meint Stefan Hegi. Das gehe vielleicht gegen 10 000 Franken. «Wir dürfen das Material gratis haben, und so sparen wir etliche Kosten.» Auch er spricht von «einem reinen Zufall, dass alles so schön aufeinander abgestimmt ist». Und er sei ja flexibel. Am liebsten hätte er noch ein grösseres Zeitfenster als die rund zehn Tage, die er von der Gemeinde zur Verfügung gestellt bekommt. «Eigentlich könnten wir hier noch mehr Material ausbauen», sagt er und markiert mit seinem gelben Klebeband eine Küchenabdeckung.
«Das schätzen wir ungemein»
Er nennt beim Weitergehen nur ein paar Beispiele, wie das Material gebraucht werden kann. Storen sind gut für die Verdunkelung, Trennwände braucht es für die WC-Anlagen, Radiatoren sind super willkommen, die Holzroste des Bez-Estrichs werden für Werkhof-Kellerabteile eingesetzt. «Das alles lohnt sich», so Hegi, «und sieht erst noch gut aus.» Bauchef Hegi hat zudem eine Namensliste mit freiwilligen Helferinnen und Helfern, da sind über 50 Personen drauf. Pro Tag benötigt er jeweils fünf bis sechs Helfer. «Mehrheitlich sind es Seniorinnen und Senioren, die helfen. Wir haben es lässig untereinander und es herrscht immer eine gute Stimmung.» Für Stefan Hegi ist diese Aufteilung in Ordnung: «Die Senioren helfen beim Umbau, die Jungen müssen dann für den Betrieb des Kulturzentrums schauen», sagt er noch.
Stefan Hegi stösst natürlich auch auf viel Gegenliebe. «Dass Stefan Hegi ein ausgeprägtes Sensorium für die Reuse-Thematik hat, schätzen wir ungemein. Seinem geschulten Auge und einem grossen Mass an Kreativität ist es schliesslich geschuldet, dass massenhaft Material aus dem Bez-Schulhaus nun in neuer Funktion im Kulturzentrum verbaut wird», sagt Vereinspräsident Jonas Arnet, der auch regelmässig anpackt.
Und Arnet gerät sogar ins Schwärmen, wenn er an seine Schuljahre denkt. Vier schöne Teenagerjahre haber im Schulhaus Halde verbracht. «Die Einrichtung des Bez-Schulhauses ist mir also sehr vertraut und deren Anblick entfacht schöne Erinnerungen. Dass viele dieser Materialien nun in meinem Herzensprojekt weiterleben werden, lädt sie für mich mit zusätzlichem ideellen Wert auf. Ein schöner Nebeneffekt», so der Vereinspräsident.
Ab 6. Mai wird der grobe Rückbau erfolgen
Es sind also die letzten Tage der alten Turnhalle angebrochen. «Der Rückbau durch die beauftragten Unternehmen erfolgt ab 6. Mai aus Kostengründen grob und nicht mit dem Ziel der Wiederverwendung», so der Gemeinderat, «für die Wiederverwendung müssten sorgfältige Demontagen erfolgen, was aufwendiger und teurer ist.» Nächste Woche bleibt also noch ein wenig Zeit für Stefan Hegi, um mit seinem gelben Klebeband durch die praktisch leeren Räume zu schweifen. Dann geht es zurück zum alten Werkhof. Dort steht die Verarbeitung des Materials aus der Bez an. «Mit gutem Material und wenig Kosten bauen wir dort so, dass es für eine halbe Ewigkeit hält», sagt er und strahlt.
Der Bauchef ist also ziemlich ausgebucht. Sein Engagement für den Verein für Kultur gehe inzwischen Richtung 40-Prozent-Pensum, rechnet er noch vor. Sein Einsatz für den alten Werkhof und das neue Kulturzentrum ist nicht nur wertvoll, sondern auch vorbildlich. Und ja, sagt er noch, diese Arbeit mache alle happy – inklusive Bauchef.