«Das fühlt sich richtig gut an»

  03.06.2020 Kirche

Nach zehn Sonntagen war unter Einhaltung von strengen Schutzmassnahmen wieder ein Gottesdienst in der Kirche möglich. In Muri feierten die Gläubigen gemeinsam mit Pfarrerin Bettina Lukoschus das Pfingstfest.


«Das fühlt sich richtig gut an»

Erster Gottesdienst nach Corona-Zwangspause in der reformierten Kirche in Muri

Erstmalig nach zweieinhalb Monaten durften sich am Pfingstsonntag die Gläubigen wieder in den Kirchen zu Gottesdiensten versammeln. Den feierlichen Pfingstgottesdienst gestaltete Pfarrerin Bettina Lukoschus.

Susanne Schild

Am Eingangsbereich stand ein Stehtisch bereit. Hier konnten die Kirchgänger ihre Adresse auf einem bereitliegenden Formular aufschreiben und ihre Hände desinfzieren. Jede zweite Kirchenbank war mit einem Band abgesperrt, um die strikten Abstandsregeln einhalten zu können. Auch in den Kirchenbänken musste der Abstand von zwei Metern eingehalten werden. «Wir dürfen wieder zusammenkommen, wir dürfen uns wieder in der Kirche versammeln und das noch am ‹Geburtstag› der Kirche. Das fühlt sich richtig gut an – auch ohne Abendmahl.»

Endlich wieder unter einem Dach vereint

Nach zehn langen Sonntagen konnte die reformierte Pfarrerin Bettina Lukoschus ihre Gemeinde endlich wieder persönlich in der Kirche begrüssen. Zwar unter anderen Umständen, aber immerhin wieder real und unter einem Dach vereint. Das Abendmahl wurde an diesem Pfngstsonntag wegen der geltenden Schutzmassnahmen nicht abgehalten, auch durfte nicht gesungen werden und der Abstand von zwei Metern musste eingehalten werden. Dennoch fanden 25 Gläubige den Weg in das Gotteshaus. «Endlich, es ist wie nach Hause kommen, sehr ergreifend und schön», freute sich eine Besucherin. Obwohl es sich für viele schon «anders und fremd» angefühlt hat.

Ein Gefühl von Gemeinschaft und Zusammenhalt

«An Pfngsten sind auch die Jünger Jesu zusammengekommen. Halt in Gott fnden und Halt in der Gemeinschaft mit anderen fnden, Verständnis, Vertrauen, Aufgehobensein, Zusammenhalt – das wird gewirkt durch den Heiligen Geist, der auf die Jünger herabkommt und der auch uns erfüllen will. So lassen sich Krisen bewältigen, auch die jetzige, die so viele Menschen betrifft. Die Welt hat sich verändert, doch die Gemeinschaft bleibt. Sich als Teil eines Ganzen fühlen zu können, helfe aber, Krisen zu bewältigen.

Auch für die Seelsorgerin war die Zeit des Lockdowns eine ganz spezielle Erfahrung. «Ich habe mich sehr auf den heutigen Sonntag gefreut, denn endlich durfte ich meine Gemeinde wiedersehen.» Die realen Begegnungen mit den Menschen hatten ihr während der letzten zweieinhalb Monate besonders gefehlt. Obwohl sie alles versucht hatte, die Zeit ohne Präsenz bei den Gottesdiensten so gut wie möglich zu überbrücken. «Ich habe selbst Videoandachten in der Kirche produziert, die man dann mit einem Link auf der Kirchen-Homepage anschauen konnte.» Sie habe zwar die technischen Möglichkeiten geschätzt, doch diese hätten das physische Miteinander mit ihrer Glaubensgemeinschaft nicht ersetzen können.

«Auf einmal war nichts mehr so,  wie es gewesen ist»

«Es ist etwas ganz anderes, die Menschen zu sehen, ihre Mimik und Gestik, den Geist zu spüren, was besonders zum Pfngstfest passt.» Vor allem ältere Gemeindemitglieder hätten unter den Besuchsverboten besonders gelitten. Ein Telefonanruf habe hier und da aufgemuntert. Das Gefühl, eine Ansprechperson zu haben, sei wichtig gewesen. Religiöse Veranstaltungen in Kirchen waren seit dem 16. März untersagt. Bereits am 1. März wurde der «Konfbrunch» abgesagt. Diesen führt die Konfrmandengruppe zur Aufbesserung der Lagerkasse für das Konf-Lager in Ungarn durch. «Wir hatten 100 Reservationen, so viele wie noch nie», erinnert sich die Seelsorgerin zurück. Anstelle des Brunchs hatte man spontan ein Treffen draussen nach dem Gottesdienst mit Waffeln und Kaffee organisiert. Am folgenden Sonntag fand dann der letzte Gottesdienst statt. «Auf einmal war nichts mehr so, wie es gewesen ist. Mit einem Stift strich ich sämtliche Termine in meiner Agenda durch. Ostern wurde abgesagt, die Konfrmationen mussten auf den September verschoben werden.» Irgendwie habe ihr in der ganzen Zeit der Schwung gefehlt. «Alle Tage waren gleich, selbst das Wetter hat sich nicht verändert.» Es sei ein Vakuum gewesen, ein unfreiwilliger Stillstand, dennoch habe man irgendwie agieren müssen. «Ich wollte meiner Kirchengemeinde immer das Gefühl geben, dass ich da bin. Offen für ihre Problme, Ängste und Sorgen.»

Jetzt freut sich die Pfarrerin, wieder die Gastfreundschaft der Kirche anbieten zu können und die Menschen im Gotteshaus willkommen heissen zu dürfen. «Und vielleicht werden wir nach dieser Krise als Gemeinschaft stärker sein als vorher», wagt Bettina Lukoschus einen Blick in die Zukunft.

Der Sender TeleM1 überträgt am Sonntag, 7. Juni, um 10 Uhr den Gottesdienst mit Pfarrer Michael Rahn aus der reformierten Kirche Muri.


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