Dem Traum einen Schritt näher
13.01.2023 Fussball, SportAlessandro Vogt über seinen Wechsel vom FC Wohlen zum FC St. Gallen
Wettbewerbsübergreifend war Alessandro Vogt in der Vorrunde der zweitbeste Torschütze des FC Wohlen. Jetzt hat er einen Profivertrag bei St. Gallen erhalten und trainiert mit der U21. Er ...
Alessandro Vogt über seinen Wechsel vom FC Wohlen zum FC St. Gallen
Wettbewerbsübergreifend war Alessandro Vogt in der Vorrunde der zweitbeste Torschütze des FC Wohlen. Jetzt hat er einen Profivertrag bei St. Gallen erhalten und trainiert mit der U21. Er spricht über seine Ziele und Hoffnungen im Nachwuchs des Super-League-Clubs.
Josip Lasic
Über Nacht ist Alessandro Vogt eine kleine Berühmtheit geworden. Nachdem in der letzten Ausgabe dieser Zeitung berichtet wurde, dass der 17-jährige Stürmer vom FC Wohlen zum FC St. Gallen wechselt, sind auch andere Medien darauf angesprungen. Das «St. Galler Tagblatt» titelt, dass der FC St. Gallen den «100-Tore-Teenie Alessandro Vogt aus Wohlen» holt und «4-4-2.ch» schreibt: «FC St. Gallen schnappt sich wohl Jungstar aus der 4. Liga». Auf dem Fussball-Portal «transfermarkt.ch» war der Wohler sogar eine Zeit lang der meistaufgerufene Spieler. Vor Chelsea-Neuzugang Joao Felix und Cristiano Ronaldo.
«Ich fühle mich gar nicht besonders prominent. Aber das mit ‹Transfermarkt› freut mich schon», sagt Vogt lächelnd. Der Stürmer trainiert schon mit seinem neuen Verein. Er wohnt in der Akademie des FC St. Gallen, die eine Minute von Kybunpark entfernt ist und teilt sich dort ein Zimmer mit einem Mitspieler. Seinem Traum vom Profifussball ist er mit dem Wechsel ein grosses Stück nähergekommen. «Wir gehen täglich am Stadion vorbei auf dem Weg ins Training. Das motiviert einen enorm, eines Tages dort spielen zu wollen.»
Verein hat Lehrstellenwechsel ermöglicht
Vogt ist ein FCW-Eigengewächs. Schon sein Vater Roland, Wohler Gemeinderat, kickte für die Freiämter. Die Profivereine werden früh auf Alessandro Vogt aufmerksam. In der U15 und U16 spielt er im Nachwuchs des FC Aarau. Dort hat er die Chance für das Fanionteam aber nicht erhalten. «Mittlerweile bin ich dankbar dafür. Ich wäre nicht da, wo ich jetzt bin, wenn ich länger in Aarau geblieben wäre.» Zurück bei seinem Stammverein spielt er sich wieder in den Fokus grösserer Clubs. Im Sommer hat er bereits Angebote aus der italienischen Serie B. Spätestens nach seinem Tor im Cup-Achtelfinal gegen Servette, ist er bei zahlreichen grossen Teams auf dem Wunschzettel. Beim FC St. Gallen schon etwas länger. Das bestätigt Mario Gilli, Nachwuchsverantwortlicher und Technischer Leiter bei den Ostschweizern. «Unsere Scouting-Abteilung ist im September auf Alessandro Vogt aufmerksam geworden. Seit da wurde er regelmässig beobachtet sowie Referenzen eingeholt», so Gilli. «Ein junger Spieler, der noch nicht fertig ausgebildet ist und trotzdem schon in der 1. Liga spielt, muss zwangsläufig immer interessant sein für einen Verein wie St.Gallen. Seine Leidenschaft und sein Ehrgeiz sowie die physischen Voraussetzungen waren von Anfang an prägnant und nicht zu übersehen.»
Für den jungen Stürmer waren die Espen die bessere Wahl als ein Wechsel nach Italien. Im Sommer hat er beim Departement Gesundheit und Soziales des Kantons Aargau eine KV-Lehre angefangen. Diese wollte er nicht abbrechen. In St. Gallen muss er das nicht. Der Verein hat ihm eine neue Lehrstelle gefunden. Gilli: «Dass Alessandro seine KV-Lehre in der Ostschweiz weiterführt, war für uns zwingend. Durch die hervorragende Zusammenarbeit mit der Firma Belcolor AG sowie durch die angenehme und sympathische Art von Alessandro hat dieser Übertritt problemlos stattgefunden.» Für Vogt war das auch einer der Gründe, wieso er nicht bis Sommer warten wollte mit einem Transfer. «Je eher ich beim neuen Lehrbetrieb bin, desto besser. Ich denke auch, dass ich mehr lernen kann, je früher ich zum Team stosse. Der Konkurrenzkampf auf meiner Position ist definitiv grösser als in Wohlen.»
Will FCW-Spiele besuchen, wann immer möglich
Beim FC St. Gallen hat Vogt einen Vertrag, der auch für die Profiabteilung gültig ist, und trainiert aktuell in der U21. Diese steckt aktuell in der Promotion League im Abstiegskampf. Vogts Ziel für die Rückrunde: «Der Klassenerhalt, mir einen Platz in der Mannschaft erkämpfen und Fussball, Lehre und Schule in Einklang bringen. Dann sehen wir weiter.» Der Verein hingegen will dem Talent keinen Druck machen. «Die Hoffnung beruht darin, dass er die Freude am Fussball auch in St. Gallen beibehält. Mit viel Fleiss und Leidenschaft muss es Alessandros Ziel sein, sich irgendwann mal für die erste Mannschaft zu empfehlen. So wie es auch das Ziel jedes anderen Juniors ist», so der Technische Leiter. «Alessandro ist im Kader der U21 und kann nach wie vor auch in der U18 eingesetzt werden. Auch Alessandro behandeln wir nicht anders als seine Mitspieler. Wir möchten ihm den Nährboden für seine Entwicklung bieten. Durchsetzen muss er sich selbst.»
Das hat er auch vor. Aktuell ist es für ihn noch etwas ungewohnt, nicht mehr zu Hause zu sein. Wenn es die Zeit erlaubt, will er aber an den Wochenenden seine Eltern besuchen und ebenso Spiele des FC Wohlen. Die Freude, dass er seinem Traum ein Stück nähergekommen ist, überwiegt aber.