Der Duft von Benzin und Motoren
28.04.2026 Auto, MuriGlanz vergangener Zeiten
Oldtimer- und Veteranentreffen der Garage Louis Frey in Muri
Autos mit langer Geschichte sind zum Veteranentreffen nach Muri gekommen. Der Rolls-Royce Phantom, welcher als Hotelbus des Hotels Schweizerhof in Interlaken ...
Glanz vergangener Zeiten
Oldtimer- und Veteranentreffen der Garage Louis Frey in Muri
Autos mit langer Geschichte sind zum Veteranentreffen nach Muri gekommen. Der Rolls-Royce Phantom, welcher als Hotelbus des Hotels Schweizerhof in Interlaken fuhr, war mit dabei. Von da aus fuhr er einmal um die Welt und zurück in die Schweiz.
Verena Anna Wigger
Es ist die einzigartige Geschichte eines Rolls-Royce Phantom II. Er ist dunkelgrün, verchromt, doch das war er nicht immer. Glänzend poliert steht er in der Eingangshalle der Garage Louis Frey. Markant beschriftet mit «Hotel Schweizerhof». Im Rolls-Royce wurden im Interlaken der 1950er-Jahre die Gäste des Hotels chauffiert. Damals hatten in der Besucherkabine zwölf Gäste Platz. Heute sind es sechs gut gepolsterte Sitze. Über drei Tritte geht es in den edel bestückten Besucherraum.
Verhandlungen und Restauration
Nach zweieinhalb Jahren Restauration zeigt sich das 95 Jahre alte Fahrzeug sehr gut im Schuss. Alles wurde in liebevoller Handarbeit in den ursprünglichen Zustand zurückversetzt. «Jeder Gast hat einen eigenen Kühlschrank», sagt Louis Frey und öffnet kurzerhand sein Kühlfach. Dieses ist diskret neben jedem Sitz eingebaut. Genügend Platz für Getränke ist jedenfalls vorhanden.
Zum Picknick nach Ascot
Sein jetziger Besitzer Patrick Müller weiss um den Blickfang. Müller erzählt: «Im Sommer geht es dann nach Ascot, wo wir an den Pferderennen picknicken werden», sagt der Krienser. Auch am Treffen in Muri ist der Hotelbus eines der gefragten Fotosujets.
Nach einem Rallye-Erlebnis suchte der Krienser einen Achtplätzer und wurde in Australien fündig. Die Reise des Busses vom 1971 abgebrannten Hotel war nach Deutschland, Amerika und Australien gegangen. Dort diente er zum Ausliefern von Eiern. Er war beige gespritzt und hatte wenig mit einem edlen Hotelbus zu tun.
Müller verhandelte ein paar Jahre mit dem damaligen Besitzer, bis es ihm gelang, das Gefährt wieder in die Schweiz zu überführen. Der 1931 erbaute Wagen wurde anschliessend in Muri restauriert. Zwei Jahre restaurierten einige Handwerker aus der Region das Gefährt, um ihm seinen alten Glanz wieder zu geben. Es musste geschweisst, gedrechselt und gepolstert werden, damit Karosserie, Raddeckel und Gastkabine ihren alten Glanz wiederfanden.
Geschichte, die auf Rädern rollt, traf sich in der Garage Louis Frey in Muri
Garagist Louis Frey aus Muri lud Freunde, Kollegen und Kunden zum Veteranentreffen ein. Während des ganzen Tages kamen rund 300 besondere Gefährte auf zwei oder vier Rädern vorbei. Für Frey ist klar, diese Fahrzeuge sind ein Kulturgut. Das möchte er der Gesellschaft mitgeben.
Verena Anna Wigger
Auf dem Platz der Garage und dem benachbarten Hof stehen Tür an Tür die Autos. Man würde eher sagen Schmuckstücke. Da stehen Porsche, Lamborghini, Maserati, Oldsmobile, Jaguar, Ford, VW und mehr als ein Rolls-Royce. Was sie alle vereint: Sie haben einen Jahrgang jenseits der Jahrtausendgrenze. Das Bild der Wagenburg wechselt über den Tag.
Die Liebe zu traditionell hergestellten Autos
So kommen die zahlreichen Veteranen- und Oldtimer-Liebhaber in den Genuss eines wechselvollen Bildes. Neben fast unscheinbaren, aber halt in die Jahre gekommenen «Schlitten» stehen wahre Prunkstücke der Automobil-Vergangenheit. Rund 200 Fahrzeuge stehen bei herrlichem Wetter in Muri. Ihre Besitzer vereint die Liebe zum traditionell hergestellten Automobil oder Motorfahrrad. Da finden viele «Benzin-Gespräche» statt, sagt manch einer, der gefragt wird, was ihn hierhergelockt hat. Viele gehören dem Schweizer Motor-Veteranen-Club an. Sie haben es sich zum Ziel gemacht, sich gegenseitig zu unterstützen.
Veteran oder Oldtimer?
Was unterscheidet einen Veteranen von einem Oldtimer? Es ist nicht das Alter, denn auch Veteranen sind über 30 Jahre alt. Es geht dabei mehr darum, dass das Fahrzeug weitestgehend original sein muss, sich in einwandfreiem Zustand befinden muss und nur limitiert genutzt werden darf, um den Status zu erhalten.
Aus der Liebe zum Kulturgut Auto
Der ortsansässige Optiker Andy Ludin ist mit seinem weissen Diplomaten-Jaguar vorgefahren. Die Länge des Fahrzeugs weist darauf hin, dass der Wagen in den 1970er-Jahren für den diplomatischen Dienst der argentinischen Botschaft verwendet wurde. Der Angliker Ludin sagt über sein Gefährt: «Der Jaguar ist launisch und stinkt.» Doch dem Optiker haben es alte Gegenstände angetan. «Früher hat man sich mehr Mühe gegeben», ergänzt er. So handelt er mit traditionellen Gegenständen. «Das ist unser Kulturgut», sagt er. Ludin war schon Kunde beim Vater des heutigen Garagisten.
Louis Frey sagt zudem: «An unserer Lage müsste eigentlich ein McDonald’s stehen.» Doch hier würden Oldtimer seit mehr als 100 Jahren gepflegt. Denn seit 1919 hat sich die Garagistenfamilie Frey an der Aarauerstrasse den Traditionsfahrzeugen verschrieben. Man habe noch die Maschinen, um solche Wagen in Schuss zu halten. Aber für die modernen Fahrzeuge fehlen schlichtweg die Apparate und die Freude, sagt Frey. So sei es seine Leidenschaft, Oldtimer wieder in Schwung zu bringen. «Ein Kulturgut muss gefahren werden», davon ist der Schrauber aus Leidenschaft überzeugt. Das unterscheidet sie von einem Museum.
Treffen unter Freunden, mit Blick unter die Haube
So gibt es in den Sommermonaten verschiedene Treffen. Dazu gehört auch die kommende Rallye auf dem Mutschellen am kommenden Sonntag. Auch dort treffen sich die Liebhaber und Besitzer der Veteranen und Oldtimer.
Diese Liebe verbindet auch Markus Jörg aus Bilten, der mit seiner Gefährtin Manuela Maurer im offenen Porsche nach Muri gekommen ist, mit Louis Frey. Jörg fuhr mit einem silbergrauen Porsche Speedster mit der markanten Nummer 130. Kaum hat er parkiert, schart sich eine Gruppe von Männern und Frauen um das Auto. Denn sein Besitzer lässt auch unter die Haube blicken – das lassen sich die Liebhaber nicht nehmen.





