Der Kapitän geht von Bord
11.07.2025 Fahrwangen, Region UnterfreiamtAdrian Hofer verabschiedet sich heute als Schulleiter der SeReal Fahrwangen
Er startete in der Kreisschule mit Schulen in drei Dörfern. Heute leitet er die SeReal in Fahrwangen. Adrian Hofer hat viele Veränderungen mitgebracht. Und dabei viel Aufwand auf sich ...
Adrian Hofer verabschiedet sich heute als Schulleiter der SeReal Fahrwangen
Er startete in der Kreisschule mit Schulen in drei Dörfern. Heute leitet er die SeReal in Fahrwangen. Adrian Hofer hat viele Veränderungen mitgebracht. Und dabei viel Aufwand auf sich genommen. «Nicht alles ist top, aber wir sind auf einem guten Weg», sagt er heute.
Chregi Hansen
Die Zensurfeier letzte Woche war für ihn noch Alltag. Da blieb keine Zeit für Wehmut. «Es war die erste Feier am neuen Standort. Da gab es ganz viel Organisatorisches zu erledigen», erklärt Adrian Hofer. Erst am Examensessen auf dem Hallwilersee wurde ihm bewusst, dass er zum letzten Mal mit dem ganzen Team zusammen war.
Diese Woche ist er daran, sein Büro zu räumen. Einiges hat er schon verpackt und mitgenommen, anderes wie das grosse Schiffsmodell lässt er bewusst bis zum letzten Moment noch stehen. Noch ist er Kapitän dieser Schule. Allerdings nur noch bis heute Abend. Adrian Hofer geht in Pension. «Ein halbes Jahr zu früh», wie er schmunzelnd anfügt. Aber der Zeitpunkt stimmt für ihn. Die letzten Jahre und Monate waren enorm aufreibend. Der Übergang von der Kreisschule Oberes Seetal zur SeReal Fahrwangen, die Planung und der Umbau des Schulhauses mit all seinen Problemen und Verzögerungen, aber auch der Umzug und der Zusammenschluss der bislang an drei Orten arbeitenden Kollegien. All dies hat ihn gefordert. «Es ist einiges zu kurz gekommen in den letzten Monaten. Zu Hause stapeln sich die ungelesenen Bücher, der Garten ist vernachlässigt, mein Oldtimer sollte mal wieder etwas bewegt werden», sagt er.
Schnell gemerkt, wie der Entscheid ausfallen wird
Das hat er sich anders vorgestellt, als er vor acht Jahren ins Seetal kam. Hofer, der ursprünglich aus dem Baselbiet stammt, aber schon lange in Hämikon lebt, war zuvor Schulleiter in Cham, die neue Stelle im Seetal versprach einen kürzeren Arbeitsweg. Bei seinem Eintritt kämpften die vier Gemeinden Bettwil, Fahrwangen, Meisterschwanden und Sarmenstorf noch um den Erhalt der Bezirksschule. Kurz nach seinem Start fällte der Regierungsrat den Entscheid, die Bez Fahrwangen zu schliessen. Während die Gemeinden davon völlig überrascht waren, sah Hofer dies kommen. «Ich hatte bereits Kontakt aufgenommen zu den anderen Schulen im Seetal, zu Seengen und Seon. Und da sah ich schnell, dass diese besser aufgestellt sind. Sowohl baulich wie strukturell», schaut er zurück. Die vier Gemeinden der Kreisschule Oberes Seetal hatten hingegen kein klares Konzept, jede Gemeinde schaute auf sich. «Es ist schade, dass es da keine Einigung gab», bedauert der Schulleiter.
Die Nachbargemeinden weiter einbeziehen
Die Bez fiel ab Sommer 2022 definitiv weg. Und seit einem Jahr sind die Sek und die Real in Fahrwangen zu Hause. Der Weg dazu war steinig. Und der Prozess noch nicht abgeschlossen, wie Hofer betont. «Die Klassen werden in den kommenden Jahren grösser, der Platz enger», macht er deutlich. Aber auch der Kontakt zu den Aussengemeinden müsse neu aufgegleist werden. Früher hatten im Vorstand der Kreisschule alle vier Gemeinden Einsitz, heute ist die Oberstufe ein Teil der Schule Fahrwangen, die drei anderen Gemeinden im Prinzip bloss noch Zahler. Das dürfe nicht sein, so der Schulexperte. Es sei wichtig, diese Gemeinde mit im Boot zu haben und den regelmässigen Austausch zu pflegen. «Das kam im ersten Jahr etwas zu kurz, das muss besser werden. Vor allem auch auf der Ebene der Gemeinderäte», so Hofer.
Zu einer Einheit werden
Während der Umstrukturierung und der Bauarbeiten war der 64-Jährige ein gefragter Mann und Krisenmanager, verfügt er doch über Erfahrung in der Schulraumplanung. Und er scheute sich nicht, Missstände anzusprechen. Fehler wurden einige gemacht in diesem Projekt. «Es kamen im Lauf des Jahres verschiedene Mängel zum Vorschein», muss er konstatieren. Doch er will lieber nach vorne blicken. Es gehe darum, noch mehr zu einer Einheit zu werden und eine eigene Kultur zu entwickeln. Vor einem Jahr kamen die Lehrpersonen aus zwei verschiedenen Schulhäusern, inzwischen sei man zu einem Team zusammengewachsen. Aber auch die Schüler und Schülerinnen kommen aus diversen Orten, mussten sich erst aneinander gewöhnen.
In diesen Prozess hat Hofer viel investiert. Auch mit der benachbarten Primarschule müsse die Zusammenarbeit noch verbessert werden. Etwas, was er nun seiner Nachfolgerin überlässt. Mit ihr hat er in den vergangenen Wochen vieles angeschaut, was noch zu tun ist. «Der Prozess läuft. Und ich bin überzeugt, es kommt gut», sagt er. Mehr Sorgen bereitet ihm die allgemeine Entwicklung in der Schule. Insbesondere der Lehrermangel. Für alle Pensen fähige Leute zu finden, das sei anspruchsvoll geworden. Und sehr aufwendig. «Ich bin froh, haben wir alle Stellen für das neue Schuljahr besetzt», sagt er.
Viele junge Lehrpersonen wollen nicht Vollzeit arbeiten
Adrian Hofer ist auch in der Lehrerausbildung tätig. An der Pädagogischen Hochschule Luzern betreut er als Schulmentor das Masterabschlussjahr mit dem Thema Institution Schule. Es fehle nicht an Studenten, so seine Erfahrung. «Aber viele wollen nach der Ausbildung noch eine Pause machen oder erst einmal mit einem kleinen Pensum beginnen. Sie scheuen sich, gleich die ganze Verantwortung zu übernehmen», so seine Beobachtung. Natürlich seien die Anforderungen an einen Lehrer oder eine Lehrerin heute gross, sei die Schule doch immer auch von negativen gesellschaftlichen Entwicklungen betroffen. Müsse darum immer neue Zusatzaufgaben übernehmen. Und trotzdem. «Für mich ist der Lehrerberuf etwas vom Schönsten. Ich würde ihn wieder ergreifen», sagt er.
43 Jahre war Adrian Hofer für die Schule tätig. Erst als Lehrer an verschiedenen Stufen, dann als Rektor und Schulleiter. Und er hat sich immer auch interessiert für die Schulentwicklungen, hat sich eingebracht. Er hat den Kontakt mit dem Gewerbe intensiviert und das Projekt «Lift» zum Abheben gebracht. Und immer mal wieder neue Projekte initiiert, war auch mal in Grauzonen unterwegs und hat das System ausgereizt, wie er schmunzelnd gesteht. Selbst jetzt, wo der Abschied bevorsteht, macht er sich Gedanken über die Zukunft. Es brauche grössere regionale Netzwerke, die enger zusammenarbeiten und gemeinsame Angebote schaffen, ist er überzeugt. Das bringe mehr, als wenn jede Schule für sich etwas mache. Ein erster Austausch im gesamten Seetal hat schon stattgefunden. Wie es in dieser Hinsicht weitergeht, müssen andere entscheiden. Für ihn ist Schluss.
Jetzt den Akku aufladen
Vorerst zumindest. Gut möglich, dass Adrian Hofer irgendwann in den Schuldienst zurückkehrt. An Angeboten fehlt es nicht, davon hat er schon einige bekommen. «Vielleicht übernehme ich später eine Stellvertretung. Oder engagiere mich in der Ausbildung oder in der Beratung», sagt Hofer. Aber zuerst legt er nun eine Pause ein. Will er seinen Akku wieder aufladen. Und mehr Zeit mit seinen Grosskindern verbringen. «Aber ich werde ganz sicher weiter verfolgen, wie die Schule sich entwickelt», sagt er zum Schluss. Ganz sicher wird er den Kontakt mit den Schülern und Schülerinnen vermissen, den er auch als Schulleiter gepflegt hat. Der war ihm stets wichtig. «Lehrer oder Schulleiter sein ist kein Job. Es ist eine Berufung und eine Haltung», ist er überzeugt. Und die lässt sich eben nicht so einfach abstreifen. In dieser Hinsicht ist der Baselbieter eben noch ein Lehrer alter Schule. Und das ist durchaus positiv gemeint.