Der Schilder-Dieb geht um
06.02.2026 Mutschellen, VerkehrIn der Region Mutschellen häufen sich Diebstähle von Verkehrs- und Ortstafeln
Besonders in Widen sind Strassenschilder in den vergangenen Wochen aussergewöhnlich oft verschwunden. Auch entlang der Kantonsstrassen werden immer wieder Verkehrstafeln ...
In der Region Mutschellen häufen sich Diebstähle von Verkehrs- und Ortstafeln
Besonders in Widen sind Strassenschilder in den vergangenen Wochen aussergewöhnlich oft verschwunden. Auch entlang der Kantonsstrassen werden immer wieder Verkehrstafeln entwendet. Was bleibt, sind leere Metallrahmen und offene Fragen.
Sabrina Salm
Verkehrstafeln gehören zum gewohnten Bild am Strassenrand. Sie übernehmen zentrale Aufgaben für Sicherheit, Ordnung und Orientierung im Strassenverkehr und können Missverständnisse verhindern. Umso irritierender ist es, wenn sie plötzlich fehlen. Leere Metallrahmen statt klarer Signale können für Verkehrsteilnehmende problematisch sein – insbesondere für Ortsunkundige.
Genau das passiert derzeit in der Region Mutschellen. Unbekannte Täter haben in mehreren Gemeinden Verkehrsschilder abmontiert und entwendet.
Zwölf Schilder in Widen verschwunden
Seit der Weihnachtszeit sind in Widen insgesamt zwölf Verkehrsschilder verschwunden. «Auffällig ist, dass sich die meisten Diebstähle im Bereich vom Kindergarten Kelleräcker bis Imbismatt ereignet haben», sagt Werner Odermatt, Gesamtleiter Technischer Dienst und Leiter Werkhof Widen. Gestohlen wurden nicht nur Ortstafeln, sondern auch zahlreiche Verkehrssignale: Stopptafeln, Kreiselhinweise sowie Temposchilder. Und dies nicht an abgelegenen Stellen, sondern teils an gut sichtbaren, exponierten Standorten. Was Odermatt besonders erstaunt, ist die Vorgehensweise der mutmasslichen Diebe. Sämtliche Tafeln wurden fachgerecht mit Werkzeug abgeschraubt, inklusive der Befestigungsmaterialien. «Auch die Schrauben sind weg», sagt er. Es handle sich zudem nicht nur um Standardtafeln. Viele Schilder seien speziell angefertigt und nicht ab Lager verfügbar. «Die Ersatzbeschaffung ist zeitintensiv und kostspielig.» Die Gemeinde sieht vor, eine Anzeige gegen unbekannt zu erstatten.
Auch die Gemeinde Berikon ist von der Diebstahlserie betroffen. Ende Januar wurden auf dem Friedlisberg eine Ortstafel sowie eine Geschwindigkeitstafel entwendet. Letztere misst rund einen Meter Höhe und kostet laut Gemeindeschreiber Patrick Vogel etwa 900 Franken. Vogel betont, dass solche Schilder nicht spontan mitgenommen werden können. «Man muss sie abschrauben – das ist kein Zufall.» Zwar habe es auch früher vereinzelte Vorfälle gegeben, doch die aktuelle Häufung sei auffällig. Die Gemeinde Berikon hat bewusst noch keine Anzeige eingereicht und wartet ab, ob die Tafeln wieder auftauchen.
Mehr als in anderen Regionen
In den beiden weiteren Mutschellen-Gemeinden Rudolfstetten-Friedlisberg und Oberwil-Lieli sind auf Gemeindegebiet bislang keine ähnlichen Vorfälle bekannt, wie sie auf Anfrage berichten.
Anders sieht es entlang der Kantonsstrassen aus. Dort wurden unter anderem an der Bernstrasse nach Rudolfstetten-Friedlisberg sowie an der Bremgartenstrasse vom Ortsteil Lieli her kommend Tafeln entfernt. Ebenfalls verschwand ein Verkehrsschild beim Mattenhofkreisel in Berikon. Ivan Burkart vom kantonalen Strassenunterhalt bestätigt, dass in der Region Mutschellen an Kantonsstrassen vermehrt Verkehrsschilder verschwinden. «Das kommt hier in letzter Zeit häufiger vor als in anderen Regionen», sagt er. Ob ein Zusammenhang mit den Diebstählen in den Gemeinden besteht, sei jedoch unklar. Einzelne Standorte will der Kanton nun verstärkt überwachen.
Strassenschilder zu klauen, wird gelegentlich als harmloser Lausbubenstreich abgetan. Aus einer Mutprobe heraus, als Souvenir, für ein Geburtstagsgeschenk oder aus sonstigem Jux heraus. Doch so lustig sind die Aktionen, besonders in diesem Ausmass, nicht – zumindest für die Behörden und schlussendlich für die Bevölkerung. Denn die Kosten für den Ersatz und die Montage tragen letztlich die Gemeinden und damit die Allgemeinheit.
Kein Kavaliersdelikt
«Die Häufung der entwendeten Schilder in den Mutscheller Gemeinden in so kurzer Zeit ist tatsächlich speziell», findet auch Dominic Zimmerli, Sprecher der Kantonspolizei Aargau. Ob die einzelnen Vorfälle zusammenhängen, lasse sich derzeit nicht sagen. Klar sei jedoch: «Dabei handelt es sich nicht einfach um einen Lausbubenstreich, sondern um Diebstahl und Sachbeschädigung.»
Zimmerli appelliert an die Bevölkerung, verdächtige Beobachtungen den Gemeindekanzleien oder der Polizei zu melden. Hinweise aus der Bevölkerung seien der wichtigste Erfolgsfaktor für die Ermittlungen. --sab

