Die goldenen 80er in Person

Di, 17. Nov. 2020
Fussballer? Oder nicht doch eher ein Musiker oder Surfer? Auf den ersten Blick schwierig zu erkennen bei Bruno Fröhli. Bilder: Archiv, zg

«Regionalfussball-Stars von früher»: Bruno Fröhli, der Mutscheller im Dienst des FC Wohlen

Paradiesvogel, Musikliebhaber, Unternehmer, Angestellter einer Bierbrauerei und früher ein extrem guter Stürmer. Bruno Fröhli war Fussballer und ist ein Mensch mit vielen Facetten.

Josip Lasic

Wer in den vergangenen Jahren an einem Event war, der von der «Feldschlösschen Getränke AG» mit Getränken beliefert wurde, dem wurde vermutlich das Bier von einer Freiämter Fussballlegende ausgeschenkt. Bruno Fröhli arbeitet seit 13 Jahren für Feldschlösschen. «Meine Aufgabe ist, die Events zu organisieren, damit beispielsweise die Lieferung der Kühlanlagen sauber abläuft», erklärt er.

Der Mutscheller ist an Grossanlässen oft als Bierzapfer im Einsatz. Er hebt hervor: «Ich habe in den letzten 13 Jahren die meisten Konzerte im Letzigrund gesehen. Obwohl ich bei Feldschlösschen arbeite, trinke ich weniger Bier als zu meiner Zeit als aktiver Fussballer.»

Die Geschichte des Fussballers Bruno Fröhli lässt sich nicht ohne seine Verbindung zur Musik, zu Bier und vielen anderen Facetten des Lebens erzählen. Heute sprechen Fussballer in Interviews oft in Floskeln. Karriere und Alltag sind bis ins kleinste Detail durchgeplant. Als Gegenstück gelten die Fussballer der 1970er- und 1980er-Jahre, die anecken konnten und teilweise über die Stränge schlugen. Der Mutscheller gehört zu Letzteren. Er war kein «Enfant terrible», das sich zu Unsportlichkeiten oder Eskapaden hat hinreissen lassen, hatte aber seinen eigenen Kopf.

Fussballer im Körper eines Surfers

An der Tür der Wohnung in Berikon klingelt es. Ein schlanker Herr öffnet. Lange Haare, gepflegter Bart und ein sehr sympathisches Lächeln. Ist das wirklich der ehemalige Fussballer Bruno Fröhli?

Irgendwelche Pokale, Trikots oder Bilder aus alten Fussballtagen sucht man vergebens in der Wohnung. Im Wohnzimmer fällt zuerst die grosse Stereoanlage auf und die noch grössere Sammlung an CDs. «Das ist nur ein Bruchteil», sagt Fröhli. Lange Haare, viele CDs aus dem Rockbereich – gibt es einen Musiker Bruno Fröhli? «Nein, ich bin weder Musiker noch Surfer. Wegen der Haare werde ich darauf angesprochen», erklärt der 55-Jährige. «Diese Frisur habe ich seit einer Ewigkeit. Ich will nicht herumlaufen wie der Rest der Leute», ergänzt er. «Und Musiker – ich spiele kein Instrument. Das bereue ich. Dafür höre ich den ganzen Tag Musik.»

Das Gesprächsthema schwankt zwischen Musik und Fussball. Vom Freiämter kommt die Aussage, dass die beste Musik in den 80er-Jahren veröffentlicht wurde. Wie es der Zufall will, ist Fröhli zu dieser Zeit auch fussballerisch auf dem Höhepunkt. 1988 kommt er zum FC Wohlen. Der Club erreicht die Aufstiegsspiele zur 1. Liga – zum dritten Mal in Serie. Zweimal sind die Freiämter gescheitert. In zweiten Anlauf hat sich Heinz Fröhli, Brunos älterer Bruder, die Sehne gerissen und musste mit 27 Jahren seine Karriere beenden. Wohlen ist hoch motiviert, aufzusteigen. Bruno Fröhli will helfen und seinen Bruder stolz machen.

Fröhli der Aufstiegsheld

Gegner in den Aufstiegsspielen: FC Rüti. Das Spiel in Wohlen endet 2:2-unentschieden. Rückspiel in Rüti. Der Gegner führt mit 1:0. In der 70. und 87. Minute schlägt Bruno Fröhli zweimal zu. 2:1-Führung für Wohlen. Der Aufstieg ist geschafft? Nein. «In der 94. Minute rollt uns aus 50 Metern ein blöder Freistoss rein. Das war unfassbar dämlich.»

Zweimal 2:2-Unentschieden hatte ein Entscheidungsspiel zur Folge. In Ibach wird Rüti mit 4:0 abgeschossen. Zwei Tore von René Aubrun – den Fröhli als einen seiner besten Mitspieler betrachtet. Zwei Tore von Bruno Fröhli. Der FC Wohlen steigt nach über 20 Jahren wieder in die 1. Liga auf. Der Mutscheller erinnert sich, dass tagelang gefeiert wurde. Und im Gegensatz zu jetzt, wo er bei Feldschlösschen arbeitet, wurde das eine oder andere Bier konsumiert.

«Ich hatte das Glück, der Mann für die wichtigen Tore zu sein», erzählt der ehemalige Stürmer. In der ersten Saison in der 1. Liga steuert er beispielsweise beim 3:3-Unentschieden im Derby gegen Muri zwei Tore bei. Am Ende muss der FCW in die Abstiegsspiele. Wohlen gewinnt mit 3:0 gegen Einsiedeln und hält die Klasse. Zwei Tore: Bruno Fröhli. «Und das dritte habe ich Urs Bächer pfannenfertig aufgelegt», sagt er mit einem Augenzwinkern.

Nie mit Bruder gespielt

Bruno Fröhli hat nie mit seinem fünf Jahre älteren Bruder Heinz zusammengespielt. Beide in Rudolfstetten auf die Welt gekommen und beim FC Rudolfstetten mit dem Fussballsport angefangen. Beide in die Juniorenabteilung des FC Bremgarten gewechselt. Trotzdem sollte es nicht sein.

Heinz Fröhli spielte in der Reussstadt im Fanionteam und ging später Richtung Wohlen. Bruno wollte etwas anderes ausprobieren. «Die Zeit bei den A-Inter-Junioren in Bremgarten war cool. Ich wollte aber nicht immer Heinz hinterherlaufen.» Seine erste Aktivstation heisst Spreitenbach. Dort kommt Bruno Fröhli aber selten zum Zug. In einem Training gibt es Uneinigkeiten zwischen ihm und dem Trainer. «Also habe ich meine Sachen gepackt und bin gegangen.»

Als er darauf zu Wohlen wechselt, hat Heinz Fröhli seine Karriere bereits beendet. «Wir haben nicht mal gegeneinander gespielt.»

Pause, Unternehmer, Senioren

Auch in Wohlen ist Fröhli seinem Kopf, seinem Bauch und seinem Herzen gefolgt. Mit seinen Toren gegen Einsiedeln kann er in der 1. Saison die Wohler vor dem Abstieg aus der 1. Liga bewahren. Ein Jahr später muss der FCW in die 2. Liga hinunter. Fröhli legt eine Pause ein. «Es war nicht mehr das Gleiche. In der 1. Liga kamen Spieler von Zürcher Vereinen, die uns verstärken sollten. Im ersten Training hatten sie teilweise 15 Kilogramm Übergewicht.»

Er legt eine Pause ein. Der gelernte Lastwagenmechaniker heiratet früh und wird zweimal Vater. Mit seinen Brüdern Heinz und Werner gründet er die «Fröhli & Co Getränke», einen Getränkehandel. Beruf und Familie stehen im Vordergrund. Später geht er zu Wohlen II. «Es waren zu einem grossen Teil die Jungs von früher. Das hat Spass gemacht. Die Teamchemie war mir wichtig.» Mit den alten Weggefährten spielt er auch bei den Senioren.

Nicht mehr so verbissen

Danach geht die Fussballerkarriere von Bruno Fröhli zu Ende. Heute geht er ins Fitnesscenter oder arbeitet im Garten. Der Rudolfstetter lebt seit einem halben Jahr wieder auf dem Mutschellen. Genauer gesagt in Berikon, wo er einen kleinen Garten hat.

Nach dem Karriereende wollte er trotz Angeboten weder zu anderen Vereinen gehen noch als Juniorentrainer arbeiten. Nicht mal als sein Sohn Angelo bei den Junioren des FC Mutschellen spielt, ändert er seine Meinung. Mittlerweile ist Angelo 30 und ist auf Triathlon umgestiegen. Die 27-jährige Tochter Michaela betreibt Eiskunstlauf. Bruno Fröhli hat mehr oder weniger mit dem Fussball abgeschlossen. «Früher war ich FCZ-Fan und ging an die Spiele. Oder ins San Siro nach Mailand, um dem AC Milan zuzusehen», erzählt er. Mittlerweile gönnt er sich solche Ausflüge selten. Zur WM 2006 fuhr er nach Deutschland, um sich einige Spiele anzuschauen. «Das war mehr des Erlebnisses wegen. Wenn der FC Zürich heute verliert, kann ich gut schlafen.» Er betont, dass er die heutigen Kader nicht gut kennt. Genauso wie viele Bands, die heutzutage im Letzigrund auftreten. «Es gibt gute Konzerte. Aber nicht mehr viele Künstler, die ein Letzigrund-Stadion füllen können.»

Bruno Fröhli trauert der alten Zeit nicht nach. Er kann auch heute einen Stadiontrip an ein Fussballspiel oder ein Konzert geniessen. In den 1980er-Jahren hat er die Blüte in beiden Bereichen miterlebt. Diese Erinnerungen und Erlebnisse kann ihm niemand nehmen.

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