Die richtigen Fragen stellen

Fr, 08. Okt. 2021
Songwriterin Sarah Huber (links im Bild) und Autorin Andrea Keller schauen auf ein ganzes Leben zurück - in Form von Text, Musik und Bildern. Bild: Barbara Bamberger

«Dein ganzes Leben»: Neues Album und Buch der Dintiker Sängerin Sarah Huber

Was steht auf deiner Geburtsanzeige? Wie ungesund ist das Leben, das du führst? Worüber kannst du herzhaft lachen? Hat sich dein Bild vom Tod verändert? Die beiden Künstlerinnen Sarah Huber und Andrea Keller stellen in ihrem Buch viele Fragen. Und liefern Inspiration in Liedern und Texten.

Chregi Hansen

Nein, es ist kein Corona-Projekt. «Die erste Idee dazu hatte ich vor drei Jahren», erklärt Sarah Huber. Doch ohne Pandemie hätte sie vermutlich nicht die Zeit und Kraft gehabt, das Ganze zu realisieren. «Ich dachte mir, wenn ich schon zu unbezahltem Urlaub verdonnert werde, dann kann ich diese Zeit auch positiv nutzen», lacht sie.

Dabei war ihr lange nicht zum Lachen. Die ehemalige Dintikerin, die heute in Lenzburg lebt, arbeitet seit zehn Jahren als selbstständige Sängerin. Sie ist Mitglied verschiedener Formationen. Und war nach dem Ausbruch der Pandemie zur Untätigkeit verdammt. «Es tat schon weh zu erfahren, dass man als Künstlerin nicht systemrelevant ist», erzählt sie. Und ja, es gab Phasen, in denen es ihr schlecht ging. Aber umso mehr Zeit und Energie hat sie in ihr neues Projekt «Dein ganzes Leben» gesteckt. Ein Buch. Nein, mehr als ein Buch. Ein einzigartiges Werk mit zehn Kapiteln, zwölf Mundart-Songs und 100 biografischen Impulsen.

Erste Liebe, Berufswahl, graue Haare, Tod

Ein ganzes Leben, unterteilt in zehn Abschnitten von jeweils ungefähr zehn Jahren. Ein Leben von der Geburt bis zum Tod. Die erste Liebe. Der Auszug von zu Hause. Die Berufswahl. Das erste graue Haar. Der Abschied von lieben Menschen. Der Tod. «Das Buch ist eine Reise, vom ersten bis zum letzten Atemzug. Und unterwegs erheben wir uns, erleben wir erste Schritte und Themen, die uns bewegen», erläutert Sarah Huber. Dabei enthält jedes Kapitel einen Text, einen eigenen Song und endet mit zehn Fragen zum betreffenden Lebensalter. Antworten gibt es keine. «Die soll sich der Leser selber geben. Schliesslich geht es um sein Leben», schmunzelt die Künstlerin. Dazu stehen extra leere Seiten zur Verfügung.

Doch wie kommen zwei noch eher junge Frauen dazu, auf ein ganzes Leben zurückzuschauen? «Es klingt vielleicht makaber, aber ich trete sehr gerne an Verabschiedungen auf. Ich mag es, wenn auf das Leben eines Menschen zurückgeschaut wird», erzählt Huber. Keller wiederum hat einen Masterabschluss in «Biographischem Schreiben» und gibt Kurse, in denen die Teilnehmenden ihren eigenen Nachruf schreiben. Sich über das Leben Gedanken zu machen, sei doch unabhängig vom Alter möglich. «Wir schauen ja nicht selber zurück. Wir geben lediglich Inputs in Form von Text und Musik. Die Gedanken dazu muss sich jeder selber machen.»

18 Kunstschaffende involviert

Zwölf Songs hat Sarah Huber für das Buch geschrieben und zusammen mit hochkarätigen Schweizer Musikern aufgenommen. «Mehrheitlich im Homeoffice. Wegen der Pandemie musste jeder seinen Part selber aufnehmen. Es war am Schluss wie ein grosses Puzzle», lacht sie. Den Text hat sie gemeinsam mit der Zürcher Autorin Andrea Keller gestaltet. «Wir kennen uns schon lange und ergänzen uns gut. Ihr ist es gelungen, die grossen Fragen des Lebens in alltagstaugliche Bilder zu verpacken», lobt sie ihre Kollegin.

Die beiden Künstlerinnen verbindet die Liebe zur Sprache und zur Musik. Obwohl sich die beiden Macherinnen schon lange kennen, ist «Dein ganzes Leben» ihr erstes gemeinsames Projekt. «Die Idee ist von mir, aber das Konzept für das Buch hat sich im gegenseitigen Wechselspiel immer weiter entwickelt und verfeinert», stellt Huber fest, die von einem spannenden Prozess spricht. So kamen weitere Kulturschaffende dazu. Mit der grafischen Gestaltung gab es neben Text und Musik plötzlich eine weitere Ebene, es wurden Videos produziert, dafür extra Kleider geschneidert. Am Schluss waren 18 Künstler und Künstlerinnen am Projekt beteiligt. «Unglaublich, was alles passiert ist. So viele kreative Menschen, die sich gemeinsam für ein Projekt einsetzen. Mein Projekt», schwärmt Huber, die man in der Region vor allem durch ihre Auftritte in Monti’s Variété kennt.

Und nun hält sie also ihr Buch in den Händen. Erschienen im Eigenverlag. Am 28. Oktober feiert sie im Salzhaus Brugg ihre Buchtaufe. Sie tritt dabei mit einer siebenköpfigen Band auf die Bühne. Und sie hofft, dass dann im Frühling eine Tour möglich ist. Bis dahin gibt es mit dem Buch auch ihre Musik. Entweder als CD. Oder zum Herunterladen. Zwölf neue Songs, alle in Mundart. «Früher habe ich immer in Englisch geschrieben. Aber in Mundart kann ich mich ganz anders ausdrücken», erklärt die Sängerin, die den Grossteil der Lieder auch selber arrangiert hat. «Ich habe zum ersten Mal in meinem Leben Noten für ein Cello geschrieben», lacht sie. Und freut sich, dass sie nun auch wieder auftreten kann. «Das Ganze hat mehr Aufwand nach sich gezogen als gedacht. Und am Schluss wurde tatsächlich die Zeit knapp», erzählt die ehemalige Dintikerin.

Überwältigende Reaktionen

Umso glücklicher ist sie, hat alles geklappt. «Und die ersten Reaktionen sind einfach überwältigend», sagt sie gerührt. «Dein ganzes Leben» wird ganz sicher auch ihr Leben verändern. Aber letztlich soll es eine Einladung an alle Leser und Zuhörer sein, über das eigene Dasein nachzudenken. «Leben, was bist du?», fragen die beiden Autorinnen zum Auftakt des Buches. «Und was bist du noch?», heisst es schliesslich ganz am Schluss. Die Antworten dazu muss jeder selber finden.

Das Buch kann direkt bei den Künstlerinnen auf www.deinganzesleben.ch bestellt werden. Die Buchtaufe findet am 2. Oktober, 20 Uhr, im Salzhaus Brugg statt.

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