Er macht die Musik

Fr, 31. Jul. 2020
Lars Christen alias «Lars the music guy» in seinem Studio in Schlieren. Bilder: Stefan Sprenger

Lars Christen ist seit 10 Jahren Musikproduzent

Lars Christen arbeitet mit den grossen Namen der Schweizer Musiklandschaft zusammen. Der 32-Jährige mag es dabei, im Hintergrund zu stehen.

Die Werke von Lars Christen kennt jeder. Doch kaum einer kennt ihn. Vor zehn Jahren machte er sich als Musikproduzent selbstständig und hat sich mittlerweile einen Namen gemacht in der Musikindustrie. «Lars the music guy» produziert in seinem Studio in Schlieren die Hits der Schweizer Stars wie Lo & Leduc, Damian Lynn oder Loco Escrito. Bis zu seinem 8. Lebensjahr wohnte er auf dem Mutschellen, bevor er mit der Familie nach Wohlen zügelte. --spr


Meister der Tonkunst

Der Wohler Lars Christen lebt als Musikproduzent seinen Traum

Marc Sway, Lo & Leduc oder Loco Escrito: Viele Schweizer Musikgrössen arbeiten mit Lars Christen zusammen. Der Wohler ist erfolgreicher Musikproduzent. Sein Weg an die Spitze der Musikszene ist eindrücklich.

Stefan Sprenger

«Komm rein, setz dich, wie gehts?» Lars Christen ist ein lockerer, sympathischer und positiver Typ. Er empfängt diese Zeitung zum Gespräch in seinem Studio in Schlieren. Sein «Musiklabor» befindet sich – ganz unscheinbar – in einem alten Haus. Hier gehen die Stars der Schweizer Musikszene ein und aus. Hier bastelt er an den Songs. Und hier lebt er seinen Traum.

Halde, Kanti, Möbelhaus, Musikproduzent

Aufgewachsen ist er auf dem Mutschellen. Mitte der 90er-Jahre zügelt die Familie Christen nach Wohlen an den Rummelring. Lars Christen geht ins Haldenschulhaus, absolviert die Bezirksschule und geht später an die Kanti in Wohlen. Er stammt aus einer musikalischen Familie. Der Vater war Schlagzeuger, der Onkel Gitarrist – und Lars Christen ist schnell in einer Schülerband. In der Kantizeit wird die Band «Sonic Delivery» geboren. Die Musik ist seine Leidenschaft und es wäre für ihn ein Traum, einmal davon zu leben.

Doch Anfang seiner 20er sieht die Realität anders aus. Studieren wollte er nicht. «Ich habe den Sinn darin nicht gesehen», sagt er. Er hält sich mit Nebenjobs über Wasser. Beispielsweise in einem Möbelhaus. Obwohl er dort «Karriere» machte und es vom Lagermitarbeiter zum Verkäufer schaffte, war dies gar nichts für ihn. «Ich war nicht am richtigen Ort», blickt er zurück. Aber: «Diese Zeit war wichtig. Ich habe gespürt, wie wichtig es ist, dass man seine Arbeit liebt.»

Nach einem «künstlerischen Burnout» wechselt er die Seiten. Vom Musiker zum Produzenten. Das erste Album, das er aktiv mitgestaltet, ist von der Aargauer Band «Al Pride». In seinem Zuhause in Wohlen produziert er die Songs. Es folgen weitere Engagements als Musikproduzent. Er absolviert die Tontechnikerschule. Es geht immer weiter aufwärts. Lars Christen macht sich einen Namen. «Rund drei Jahre später konnte ich davon leben», erzählt er.

Die Musik war ihm in die Wiege gelegt. «Die Beziehung zur Musik war von klein auf da. Es war eine natürliche Anziehung», meint Lars Christen. So ging er einfach seinen Weg, folgte seinem Herzen, seiner Leidenschaft. Und ist heute ein erfolgreicher Musikproduzent. Er ist in der Szene bekannt als «Lars the music guy».

Eine Woche für einen Song

Was beinhaltet seine Arbeit genau? Der 32-Jährige erklärt: «Ich bin zusammen mit dem Künstler verantwortlich, ein tolles Produkt abzuliefern.» Manchmal kommt ein Musiker mit einer Zeile zu ihm ins Studio und sie komplettieren gemeinsam den Song. Und manchmal braucht es nur noch kleine Finessen, damit ein Lied geboren ist. Manchmal dauert es Stunden, manchmal Tage. «Das ist sehr unterschiedlich.» Durchschnittlich dauert es eine Woche – von der Idee bis zum fertigen Song. Christen schreibt auch Lieder selber. Auf Englisch. Und mit einem Programm sorgt er für die klangvolle Umrahmung. In seinem Studio hat er Gitarre, Bass und ein Klavier. «Ich bin für das Kreative zuständig. Als Produzent ist man künstlerisch tätig.» In den zehn Jahren als Produzent hat er zwischen 300 und 400 Songs mitgestaltet.

Man kennt seine Arbeit, aber nicht ihn

Die Liste der Schweizer Musikgrössen, mit denen er zusammenarbeitete, ist lang. Sehr lang. Bastian Baker, Damian Lynn, Fleur Magali, James Gruntz, Kunz, Lo & Leduc, Loco Escrito, Marc Sway, Michael von der Heide, Nemo, Noah Veraguth, Pegasus – und viele mehr. Auch mit der Migros oder dem Schweizer Fernsehen hat er schon kollaboriert. Mit der Vermarktung hat er jeweils nichts zu tun, nur mit der Entstehung der neuen Werke. Er will auch nicht auf der Bühne stehen. «Das überlasse ich den Künstlern, die das können. Ich bin mehr im Hintergrund tätig und das passt mir.» So kennen die Musikliebhaber zwar seine Arbeit, aber nicht ihn selber. «Macht nichts», sagt der zurückhaltende Christen.

Wenn alle jubeln

Christen ist glücklich, dass er mit seiner Leidenschaft sein Geld verdienen kann. «Ich könnte mir nichts Besseres vorstellen.» Das schönste Gefühl sei es jeweils, wenn man gemeinsam an einem Song arbeitet und dann etwas kreiert, das sich einfach nur geil anhört. «Wenn dann alle im Raum jubeln und Freude haben, ist das ein unbeschreibliches Gefühl.» Ebenfalls besonders: Wenn er die von ihm produzierten Songs im Radio hört.

Lars Christen lebt mittlerweile mit seiner Freundin in Schlieren. «Meine Wurzeln sind und bleiben in Wohlen. Meine Familie und einige Freunde leben da. Wohlen ist meine Heimat.» Und «sein» Dorf ist ihm auch heute noch wichtig. Anfragen von anderen Zeitungen schlägt er auch mal aus. Er will nicht in den Mittelpunkt. «Wenn aber der Wohler Anzeiger kommt, dann finde ich das einfach toll und ich bin gerne dabei.»

Die Freude an der Musik, sie treibt ihn immer weiter im Leben. «Ich bin voll am richtigen Ort und mache genau das, was ich will. Ich bin mein eigener Chef», sagt Christen stolz. Ein nächstes, grosses Ziel: Er will in die USA und dort mit Künstlern vor Ort zusammenarbeiten. Aufgrund der Coronakrise ist dies allerdings gerade schwierig. «Kommt Zeit, kommt Rat», sagt «the music guy» und fügt mit einem zufriedenen Lachen an: «Solange ich mit Spass zur Arbeit gehe, kann es Schlieren oder Los Angeles sein, das spielt keine Rolle.»

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