Fusion von Bünztal und Seetal?
09.01.2026 WohlenStrategie der Abwasserentsorgung 2030: Abwassertechnische Zusammenschlüsse, die etliche ARAs betreffen
Mit dem «Konzept Abwasserreinigung» soll die Abwasserreinigung im Kanton Aargau optimiert werden: ein Maximum an Gewässerschutz mit einem Minimum an ...
Strategie der Abwasserentsorgung 2030: Abwassertechnische Zusammenschlüsse, die etliche ARAs betreffen
Mit dem «Konzept Abwasserreinigung» soll die Abwasserreinigung im Kanton Aargau optimiert werden: ein Maximum an Gewässerschutz mit einem Minimum an Kosten durch regionale Zusammenarbeit und Zusammenschluss von Anlagen. So reduzierte sich die Anzahl der Abwasserreinigungsanlagen im Aargau auf heute 41. Auch die ARA «Im Blettler» Wohlen und weitere Anlagen im Freiamt sind von diesem Vorhaben betroffen.
Richard Gähwiler
Auf Initiative des Departements Bau, Verkehr und Umwelt, Abteilung für Umwelt (AfU), erstellte das Ingenieurbüro Hunziker Betatech AG, Winterthur, die Studie «Konzept Abwasserreinigung». Ziel war es, in enger Zusammenarbeit zwischen dem Kanton und den ARA-Betreibern Zusammenschlüsse zu erarbeiten und umzusetzen.
Der Plan regionaler Zusammenschlüsse im Freiamt
Diese Studie zeigte auf, wie die Abwasserreinigung im Kanton Aargau sowohl wirtschaftlich wie auch aus ökologischer Sicht optimiert werden kann. Parallel dazu soll auch die Elimination von Mikroverunreinigungen (MV) gemäss den Vorgaben des Bundesamtes für Umwelt (BAFU) umgesetzt werden – ein anspruchsvolles Unterfangen. Unter der Leitung von Fachspezialisten von der AfU und Ingenieuren der Arbeitsgemeinschaft Holinger/Porta diskutierten Vertreter der verschiedenen Abwasserverbände das weitere regionale Vorgehen.
Aare, Bünz oder Reuss – die Menge machts
Trotz gesetzeskonformer Reinigungsleistung erfüllte das in der ARA Wohlen gereinigte Abwasser die Grenzwerte zum Einleiten in den kleinen Vorfluter der Bünz nicht. Seit 2004 wird dieses daher über einen Ablaufkanal in die Aare bei Wildegg eingeleitet. In der «gleichen Röhre» fliesst auch das gereinigte Abwasser der ARA Falkenmatt in Hendschiken. In Wildegg erfolgt dann der Zusammenfluss mit dem gereinigten Abwasser aus der ARA Langmatt. Auf der «Langmatt» haben die Verantwortlichen für die Gesamtheit dieser Abwässer die Elimination der Mikroverunreinigungen (MV) vorgesehen, zusammen mit einem Ausbau der Anlage.
Ebenfalls im Bünztal steht die ARA Muri. Diese Anlage war technisch und bezüglich Kapazität an Grenzen angelangt – ein Ausbau drängte sich auf. Sozusagen als Schnellschuss favorisierten die Verantwortlichen eine Ableitung des gereinigten Abwassers durch eine 22,5 Kilometer lange Leitung in die Reuss. Denn das Einleiten in die Bünz wäre bezüglich Mikroverunreinigungen (MV) nicht zugelassen. In einem zweiten Schritt besann man sich eines Besseren und realisierte zusammen mit dem ARA-Ausbau auch die vierte Reinigungsstufe zur MV-Elimination und konnte so in die Bünz einleiten.
Für die ARA Chlostermatte in Bünzen, eine kleinere ARA zwischen Wohlen und Muri, war ein Zusammenschluss naheliegend. Die Anschlussvariante nach Muri, damals noch ohne MV-Stufe in der Planung, konnte die Chlostermatte-Delegierten nicht befriedigen. Es war der Umweltgedanke, Nachhaltigkeit und die reichlich zur Verfügung stehende Zeit, welche Delegierte und Vorstand schliesslich zu einem Anschluss nach Wohlen bewogen – Zeithorizont 2030 oder später.
Abwarten im Oberfreiamt
Anlagen, die ihr gereinigtes Abwasser in einen grossen Vorfluter (Fluss, See) leiten, können dank dem Verdünnungseffekt (vorläufig) auf eine vierte Reinigungsstufe verzichten. In dieser Lage ist die ARA Sins im Oberfreiamt mit der Anlage unmittelbar an der Reuss. Im Verband mit den Gemeinden Auw, Mühlau und Abtwil wird die ARA in Sins auch weiterhin eigenständig bleiben. Schliesslich zuoberst im Freiamt, die ARA Oberrüti-Dietwil. Die Anlage hat die Kapazitätsgrenze erreicht, wodurch ein Zusammenschluss naheliegend ist. Entweder mit der ARA in Sins oder Anschluss an die regionale Grosskläranlage ARA Schönau in Cham ZG. Letzteres wird aus verschiedenen Gründen favorisiert. Ein Entscheid wird frühestens Ende 2026 erwartet.
Weitere kantonsübergreifende Zusammenschlüsse sind geplant. In der zürcherischen ARA Obfelden wird das Abwasser der Gemeinden Obfelden und Maschwanden sowie des Weilers Dachlissen (Mettmenstetten) gereinigt. Die Anlage wurde 1996 das letzte Mal erweitert und viele Anlageteile haben das Ende ihrer Lebensdauer erreicht. Man suchte daher nach einer langfristigen Lösung, die auch die gesetzlichen Anforderungen für die kommenden 25 Jahre sicherstellt. Als beste Variante hat sich ein Anschluss an die ARA Reuss-Schachen in Merenschwand erwiesen. Hier werden aktuell die Abwässer der Gemeinden Merenschwand, Aristau und Beinwil gereinigt. Auch auf dieser Anlage gibt es Sanierungsbedarf. Ein Zusammenschluss wurde daher auch hier positiv beurteilt. Ein Bauprojekt wurde geprüft und ist in Bearbeitung. Gerechnet wird mit Gesamtbaukosten von 31,25 Millionen Franken. Bereits vollzogen ist der organisatorische Zusammenschluss mit dem Abwasserverband Reuss-Schachen. So ist seit 1. Januar die Gemeinde Obfelden als Verbandsgemeinde Teil des Abwasserverbands und im Vorstand vertreten. Hingegen ist die Baubewilligung der zuständigen kantonalen Stelle noch ausstehend.
Die Anfang der Siebzigerjahre erstellte ARA Kelleramt in Unterlunkhofen reinigt heute die Abwässer der im Zweckverband Kelleramt/Säuliamt zusammengeschlossenen Gemeinden Arni, Islisberg, Oberlunkhofen, Oberwil-Lieli, Rottenschwil, Unterlunkhofen, Ottenbach und Jonen. Nach mehreren Ausbauten und Optimierungen wurde die Reinigungsleistung der ARA für 21 000 Einwohnerwerte ausgelegt und bereits stehen weitere Investitionen an – sowohl bei der Kläranlage wie bei der Infrastruktur der Zuleiter.
Dasselbe gilt für den Abwasserverband Bremgarten-Mutschellen (Kläranlage Kessel). Auch die ARA Bremgarten hat aufgrund des Bevölkerungswachstums und der aktuellen Gesetzgebung ihre Leistungskapazität erreicht und muss erweitert werden. Neben dem Alleingang der beiden Anlagen haben deren Verbände einen gemeinsamen Ausbau ins Auge gefasst und die Ausarbeitung eines Vorprojektes für rund 1,1 Millionen Franken beschlossen. Entstehen würde eine Anlage für 65 000 Einwohnerwerte. Als Zeitplan sehen die Verantwortlichen sechs bis zehn Jahre. Der Startschuss erfolgte: Alle 13 betroffenen Gemeinden haben an ihren Wintergemeinden dem Verpflichtungskredit für das Vorprojekt zugestimmt.
Noch eine Nummer grösser
Bereits im Zusammenhang mit dem Abwasser aus der ARA im Blettler, Wohlen, wurde die ARA Langmatt, Wildegg, erwähnt. Hier werden die Abwässer des Abwasserverbandes Region Lenzburg aufgearbeitet und anschliessend in die Aare geleitet, dies zusammen mit dem gereinigten Wasser aus dem Ablaufkanal aus Wohlen.
Die ARA Langmatt ist in die Jahre gekommen und es ist Handlungsbedarf angesagt. Wie schon im «Konzept Abwasserreinigung» aufgezeigt, mache es Sinn, die Kooperation der Gemeinden im Seetal zu verstärken und nur noch eine, statt mehrere ARAs zu betreiben. Aber auch dies erfordert hohe Investitionen, besonders mit der Erweiterung um eine zusätzliche Reinigungsstufe für Mikroverunreinigungen (MV-Stufe).
Ein Gemeinschaftsprojekt
Basierend auf kantonsübergreifenden Abklärungen (Aargau und Luzern) und gemäss Beschreibung im entsprechenden Factsheet soll «eine moderne, hocheffiziente Anlage mit 38 angeschlossenen Gemeinden entstehen». Die ARA Langmatt soll zur ARA Seetal ausgebaut werden. Mehrere Anlagen im Seetal und auch die «Falkenmatt» in Hendschiken könnten mit dieser Erweiterung aufgehoben und eine zusätzliche Reinigungsstufe für Mikroverunreinigungen (MV-Stufe) realisiert werden – hierbei wären dann auch die Wohler Abwässer mit einbezogen.
Ein Umweltprojekt dieser Grössenordnung erfordert eine differenzierte Planung und viel Überzeugungsarbeit bei verschiedensten Interessengruppen. So überrascht es nicht, dass sich die Volksabstimmungen im Luzerner Seetal verzögern und dadurch die Road Map angepasst werden musste. Mit gestaffeltem Vorgehen rechnet man mit Inbetriebnahmen bis 2035.
Projekte in der Pipeline
Fazit: Man ist abwassertechnisch auf gutem Wege, das Ziel aber noch fern. Denn während noch zahlreiche Ausund Umbauten von ARAs in der Pipeline sind, sehen Wissenschaftler bereits neue Problemstoffe im Abwasser: genannt werden PFAS sowie Mikround Nano-Plastik.

