Gemeinsamkeit motiviert
02.04.2026 WohlenDanza Zentrum: «Move and Dance with Parkinson» für mehr Beweglichkeit im Alltag
Parkinson ist eine unheilbare Krankheit, doch mit gezielten Übungen kann man Beweglichkeit und Sicherheit ein Stück weit zurückgewinnen. Genau das ist das Ziel ...
Danza Zentrum: «Move and Dance with Parkinson» für mehr Beweglichkeit im Alltag
Parkinson ist eine unheilbare Krankheit, doch mit gezielten Übungen kann man Beweglichkeit und Sicherheit ein Stück weit zurückgewinnen. Genau das ist das Ziel von Mariella Farrés Kurs.
Monica Rast
Roland Schneider betritt das Tanzstudio von Mariella Farré. Mit seinem hohen Alter, den etwas unsicheren Schritten, leicht gebeugter Haltung und zittrigen Händen entspricht er nicht gerade dem Bild eines Tanzschülers. Kurzum, er leidet an der Parkinsonkrankheit (PD), einer fortschreitenden neurodegenerativen Erkrankung.
Vor rund zwei Jahren las er einen Artikel in dieser Zeitung über das Angebot «Move and Dance with Parkinson» der Tanzschule Danza Zentrum. Daraufhin absolvierte er bei Mariella Farré ein Probetraining. «Und es hat mir gleich den Ärmel hineingezogen», erzählt er strahlend. Seither besucht Schneider die Lektionen und findet das Angebot sehr gut. «Es spricht all das an, was die Krankheit einschränkt – Beweglichkeit und Koordination. Ich komme sehr gerne», erzählt der Rentner.
Ähnlich erging es Heidi Hasler. Sie bekam den Artikel von ihrer Tochter zu lesen. «‹Das wäre doch was für dich›, meinte meine Tochter damals.» Etwas unsicher reagierte Hasler aber auf die Bezeichnung Tanzen. «Ich meinte, man soll tanzen. Dabei geht es um die Bewegung», ergänzt die Seniorin lachend. Dieses Missverständnis war auch der Grund, warum Mariella Farré den Kurs in «Move and Dance» umbenannte.
Herzlicher Umgang unter den Teilnehmenden spürbar
Seit zwei Jahren bietet die Tanzlehrerin den Kurs für Parkinson-Erkrankte an. Mit zehn Teilnehmern startete sie den Kurs in Wohlen. Inzwischen ist die Teilnehmerzahl auf sechs geschrumpft. «Gleich vier mussten krankheitshalber den Kurs verlassen», teilt Farré mit.
Die Gruppe bedauert jeweils, wenn jemand nicht mehr erscheint. Ist doch der Umgang untereinander sehr herzlich und vor allem persönlich. Zudem verbindet die Krankheit. Es gibt kein Anstarren, bemitleidende Blicke oder anderweitige Reaktionen. Alle im Raum wissen, was die Krankheit mit dem Körper anstellen kann. Umso freudiger ist es, wenn eine Übung mal etwas leichter geht. Man unterstützt sich gegenseitig.
So sind auch die Partner der Kursbesucher willkommen. Angelina Joho begleitet ihren Mann jeweils in die Stunden. «Auch mir tun die Übungen gut», erzählt sie lachend. «Jeder macht sie, so gut er eben kann», sagt sie und schaut dabei liebevoll ihren Mann Edi an. Er ist bereits sehr stark eingeschränkt in der Bewegung. Doch die Gemeinsamkeit mit den anderen Teilnehmenden motiviert. «Besonders die gute Stimmung und die Übungen zur Musik gefallen mir», erklärt Edi Joho.
Noch nicht lange dabei ist Angela Huwiler. Sie ist mit 57 Jahren die Jüngste in der Gruppe. «Ich komme immer, wenn es die Krankheit zulässt», erzählt sie und dabei zittern ihre Hände sehr stark. «Mir gefallen die Stunden. Besonders die speziellen Übungen für Parkinson-Erkrankte sind sehr gut. Und dann ist es noch mit Musik.»
Dass die Stunden etwas bringen, beweist Otto Meier. Er muss, um nach Wohlen zu kommen, vom Heim in Sins eine Viertelstunde zu Fuss zur Busstation laufen. Danach mit dem Zug nach Wohlen. Vom Bahnhof aus ins Danza Zentrum gegenüber dem Manor. «Das geht immer besser. Gäll, Otto», erzählt Mariella Farré und streicht ihm liebevoll und sichtlich stolz über den Rücken. «Seit er einen Rollator hat, kommt er nun regelmässig zu mir.»
So hat jeder Teilnehmer seine eigene Geschichte und unterschiedliche Stadien der Krankheit. Doch gemeinsam sind sie stark. Kämpfen um jeden Zentimeter mehr Bewegung. «Ich kann verstehen, wenn es für Betroffene Überwindung braucht, einen solchen Kurs zu besuchen», meint Angelina Joho, «doch hier haben alle das gleiche Ziel: mehr Bewegung und mehr Sicherheit im Alltag.»
Einfache Übungen mit grossem Nutzen
Arme kreisen, Finger spreizen, dehnen, aufstehen und setzen, mit dem Finger die Nase berühren, Stirn runzeln, Lippen spitzen, abwechselnd Wangen aufblasen, Nase rümpfen, im Sitzen Füsse berühren – alltägliche Bewegungen, die für einen Parkinson-Erkrankten zu einer Herausforderung werden können.
Doch Mariella Farré motiviert, lobt, unterstützt und hilft, wenn es nötig ist. Für sie ist der Kurs nicht nur ein Projekt. «Ich habe mein Herz verloren. Ich finde es wunderbar, mit den Menschen zu arbeiten», erklärt die Tanzlehrerin. «Für mich ist der Kurs Zukunft. Ich werde auch älter und sie geben mir so viel zurück. Wenn die Teilnehmer lachend nach Hause gehen, habe ich mein Ziel erreicht.» Es sind einfache Übungen, doch sie setzen eine enorme Kraft frei. So ist das Zittern bei Angela Huwiler plötzlich weg. Zielsicher halten ihre Fingerspitzen den Ballon in der Luft. Mariella Farré erklärt das so: «Sie müssen sich eine Stunde nicht mit der Krankheit beschäftigen und können sich auf andere Dinge konzentrieren.»
Kapazität vorhanden
Noch ist im Kurs «Move and Dance with Parkinson» Kapazität vorhanden und es dürfen laut Farré gerne mehr sein. «Konzentrationsspiele werden dadurch interessanter», meint sie. «Wichtig bei der Krankheit ist, dass man etwas macht, damit man möglichst auf dem jetzigen Level bleibt.» Sie empfiehlt, dass man die Übungen auch zu Hause macht.
Das kann Heidi Hasler nur bestätigen. Sie nimmt sich die Zeit und macht jeden Tag zwei bis drei der Übungen. «Doch es ist halt nicht das Gleiche wie in der Gruppe.» Die Stunde geht viel zu schnell zu Ende. Es ist kein Training wie bei einem herkömmlichen Sportler und doch merken die Teilnehmerinnen und Teilnehmer, dass sie sich bewegt haben.
Die Betroffenen spüren, wie gut ihnen die Stunde tut, und freuen sich bereits auf die nächste.
Infos: www.danzazentrum.ch
Krankheitsbild
Parkinson (Morbus Parkinson) ist eine fortschreitende, unheilbare neurodegenerative Erkrankung, bei der Dopamin-produzierende Nervenzellen im Gehirn absterben. Sie führt zu Bewegungsstörungen wie Akinese (Verlangsamung), Rigor (Muskelsteifheit) und oft Tremor (Zittern). Obwohl nicht heilbar, ist Parkinson durch Medikamente und Therapien behandelbar.



