Gutes tun – seit 20 Jahren
12.07.2024 Merenschwand, Region OberfreiamtHalbe Million gespendet
«Das Wohl von geistig und körperlich behinderten Kindern und Erwachsenen (…) fördern» – zu diesem Zweck hat der Merenschwander Unternehmer Emil Brun vor 20 Jahren die Brun-Stofer-Stiftung gegründet. Im ...
Halbe Million gespendet
«Das Wohl von geistig und körperlich behinderten Kindern und Erwachsenen (…) fördern» – zu diesem Zweck hat der Merenschwander Unternehmer Emil Brun vor 20 Jahren die Brun-Stofer-Stiftung gegründet. Im Stiftungsrat war bis zu ihrem Eintritt in den Bundesrat auch Doris Leuthard vertreten.
In diesen 20 Jahren hat die Stiftung wiederholt das Roth-Haus in Muri und die St. Josef-Stiftung in Bremgarten unterstützt, aber auch das kulturelle und gesellschaftliche Leben in Merenschwand gefördert. Insgesamt wurde so fast eine halbe Million Franken investiert. Dies im Sinne der Allgemeinheit, für Projekte, wie sie sonst in dieser Form kaum hätten realisiert werden können. Das Haus und das Anwesen der Stifterfamilie dürften künftig noch zusätzliches Kapital liefern. --tst
Die Stiftung Brun-Stofer in Merenschwand unterstützt Kultur und Institutionen für Beeinträchtigte
Die gemeinnützige Stiftung in Merenschwand hat insgesamt schon fast eine halbe Million Franken vergeben. Das Roth-Haus in Muri durfte sich ebenso über Zuwendungen freuen wie das Josefsheim in Bremgarten.
Thomas Stöckli
Vor dem Haus an der Chilefeldstrasse in Merenschwand blühen die Hortensien in bunter Pracht. Das stolze Anwesen, mit Wintergarten und grosser Rasenfläche, wird dereinst auch in den Bestand der Stiftung Brun-Stofer einfliessen, die hier vor 20 Jahren ihren Anfang nahm. Eine Stiftung, die seither die St. Josef-Stiftung in Bremgarten, das Roth-Haus in Muri und das kulturelle Leben in Merenschwand mit insgesamt fast einer halben Million Franken gefördert und unterstützt hat. So erhielt das Roth-Haus etwa 2016 knapp 100 000 Franken für einen neuen Rollstuhlbus und fünf Jahre später im Rahmen der Sanierung der Wohnungen 75 000 Franken für Mobiliar. Das Josefsheim durfte sich unter anderem über 150 000 Franken für die Wasserwelt in seinem Sinnesgarten freuen und jüngst ist die Erneuerung des sanierungsbedürftigen Pausenplatzes der heilpädagogischen Schule mit zweimal 40 000 Franken ermöglicht worden. Und für die Familien in Merenschwand beteiligte sich die Brun-Stofer-Stiftung 2019 mit 25 000 Franken am Kinderspielplatz zwischen Kirche und Ortsmuseum. Das Ortsmuseum hatte seinerseits ein Jahr zuvor 11 400 Franken für Präsentationstechnik erhalten.
Nachlass eines Unternehmers
Hinter der wohltätigen Stiftung steht Emil Brun. Er hat sich nach dem Zweiten Weltkrieg als Besenfabrikant und innovativer Chemieunternehmer Ansehen und Wohlstand erarbeitet, wovon das stolze Anwesen in Merenschwand heute noch zeugt. Vier Jahre vor seinem Tod berichtete er 2002 in einem Videointerview mit Dorfchronist Bruno Käppeli aus seinem Leben. Von den 3000 bis 5000 Besen, die er monatlich an die Stadt Zürich liefern durfte, in einer Zeit, als das ganze Stadtgebiet noch von Hand gewischt wurde. Und von seinen Plänen einer Sprengstofffabrik in Sins, die schon weit vorangeschritten waren, als sich mit der neuen Frästechnik eine Innovation ankündigte, die den Bedarf an Sprengstoff im Tunnelbau zusammenfallen liess. Das in die Planung investierte Geld war damit zwar verloren, das Landstück an der Reussegg konnte dafür 2016 zugunsten des Stiftungsvermögens gewinnbringend veräussert werden.
Im Haus in Merenschwand wohnen heute Oskar Brun, «Göttibueb» von Emil und Margrit Brun, sowie seine Cousine Therese Meier-Brun. Sie kümmerten sich hier nach dem Tod des Stifterpaars um das Wohlergehen von dessen Tochter, solange es ihnen altershalber möglich war. Heute lebt diese Tochter, seit einer Hirnhautentzündung in jungen Jahren geistig beeinträchtigt, in der Pflegi Muri. «Es war nicht einfach, sie abzugeben», verrät Therese Meier-Brun.
Doris Leuthard als Mitgründerin
Tochter Margrit war es auch, die vor 20 Jahren den Anstoss zur Gründung der Stiftung gegeben hat, wie der Stiftungszweck gemäss Handelsregister deutlich macht. So gehe es darum, «das Wohl von geistig und körperlich behinderten Kindern und Erwachsenen (…) zu fördern». Gründungsmitglieder waren damals unter anderen Doris Leuthard, die bis zu ihrem Eintritt in den Bundesrat 2006 dabeiblieb, Alt-Grossrat Hansruedi Brun und Pirmin Wyss, die nach wie vor im Stiftungsrat mitwirken. In beratender Funktion nimmt Urs Hänggli, Notar in Brugg und Willensvollstrecker, nach wie vor regen Anteil am Gedeihen der Stiftung. Das Präsidium hat vor 14 Jahren Othmar Baumann, ein Neffe des Stifterpaars, von Oskar Brun übernommen. Der Bezug zur Familie oder zum Ort Merenschwand ist denn auch heute noch ein wichtiges Kriterium bei der Besetzung der Stiftungsratsmandate, die – abgesehen vom Sitzungsgeld – nicht entschädigt werden. Dieses Jahr haben Karl Suter, Präsident der örtlichen Kulturkommission, und Stefanie Brun, Hedingen, das Gremium verjüngt. Ein Gremium, dessen Aufgabe es ist, geeignete Projekte im Sinne des Stiftungszwecks zu finden und die Mittel in der Zwischenzeit gewinnbringend anzulegen.
Familienanwesen in Aussicht
Im Gegensatz zu anderen Stiftungen vergibt die Brun-Stofer-Stiftung nicht nur ihre Erträge, sondern grundsätzlich auch ihr Kapital. In welchem Zeithorizont sie das tut, ist derzeit noch offen. Zu Lebzeiten von Margrit Brun bleibt das Anwesen in Merenschwand in Familienbesitz. Danach geht es an die Stiftung über. «Das wird der nächste grosse Schritt sein», sagt Othmar Baumann. Dann werde es darum gehen, die Liegenschaft schätzen zu lassen und zu entscheiden, ob die verbleibenden Mittel nach dem Liegenschaftenverkauf zeitnahe in grosse Projekte der begünstigten Heime und ins kulturelle Leben von Merenschwand investiert oder über eine längere Dauer über kleinere Projekte verteilt werden sollen.
Aber das hat hoffentlich noch Zeit. Margrit Brun gehe es gut in der Pflegi Muri, verrät Therese Meier-Brun. Und sie werde dort auch sehr geschätzt, merkt sie an.