Herbstlauf geht auch im Frühling
21.04.2026 Kultur, Muri, KunstTeil eines Spielfilms sein
Der Murianer Filmemacher Andreas Meienberg dreht in Muri und sucht Statisten
Für Andreas Meienberg ist der Abschlussfilm eine riesige Chance. Auch für die Bevölkerung – als Statist ...
Teil eines Spielfilms sein
Der Murianer Filmemacher Andreas Meienberg dreht in Muri und sucht Statisten
Für Andreas Meienberg ist der Abschlussfilm eine riesige Chance. Auch für die Bevölkerung – als Statist mitzuwirken.
Annemarie Keusch
Andreas Meienberg hat seine Passion gefunden. Das hat das Filmstudium, das er bald abschliesst, nur noch mehr gefestigt. «Auch wenn die Branche schwierig ist», sagt der Murianer. Ob er dereinst vom Filmemachen leben kann? «Das ist noch weit weg.» Der Abschlussfilm, ein rund 45-minütiger Spielfilm, ist eine der grossen Chancen auf diesem Weg. Weil er sich damit einem grösseren Publikum präsentieren kann. Weil er damit erstmals in Spielfilmdauer zeigen kann, was er drauf hat.
In den nächsten Tagen starten die Dreharbeiten zum Film, den er mit seinem Mitstudenten Even Ambasager dreht und produziert. Dafür ist die Crew in der halben Schweiz unterwegs – am 9. Mai macht sie einen Tag lang halt in Muri. «Es ist ein Vorteil, wenn man die Begebenheiten vor Ort genau kennt», sagt Andreas Meienberg. Gedreht wird in einem Goldschmiede-Geschäft und auf der Sportanlage Bachmatten. «Wir verwandeln diese kurzerhand so, als wäre am 9. Mai der Herbstlauf», meint Andreas Meienberg lachend. Was noch fehlt: Statistinnen und Statisten, die Fans oder Läuferinnen und Läufer mimen. «Rund hundert wären schön», sagt Meienberg und verspricht einmalige Einblicke in die sonst ferne Filmwelt.
Der Murianer Filmstudent Andreas Meienberg dreht Szenen seines Abschlussfilmes in Muri
Bei der L. Zülly Goldschmiede GmbH und auf der Sportanlage Bachmatten – am 9. Mai wird Muri zur Filmkulisse. Andreas Meienberg sucht dafür nun viele Statistinnen und Statisten. Der 45-minütige Spielfilm ist der Abschluss seines Studiums und soll Türen in die Filmbranche öffnen.
Annemarie Keusch
Das Herzblut ist spürbar. Die Akribie, mit der Andreas Meienberg am Werk ist, ebenfalls. «Es ist meine grosse Chance», sagt der Murianer. Sein erster grosser Spielfilm. 45 Minuten werden es am Schluss wohl in etwa sein. Dabei will er das Maximum herausholen, die Grenzen ausloten, sich zum Bestmöglichen pushen. Denn Meienberg weiss: «Der Weg in die Filmbranche ist ein harter.» Und er ist mit einer abgeschlossenen Diplomausbildung nicht abgeschlossen. Seit zwei Jahren studiert er Film, bis zum Bachelor wären es weitere eineinhalb Jahre, bis zum Master nochmals gleich lang. «Ursprünglich war der Bachelor das Ziel.» Davon ist Meienberg weggekommen.
Zu sehr mag er die Praxis. Zu sehr will er jetzt in der Filmbranche Fuss fassen. Zu sehr will er sich auf die Produktion und nicht auf weitere Theorie fokussieren. «Ich spüre, dass ich am richtigen Ort bin und will Vollgas geben.» Gleich wie ihm gehe es auch Studienkollege Even Ambasager, mit dem Meienberg nun den Abschlussfilm realisiert.
Ohne Schreiner-Pensum ginge es nicht
Dabei bewegen sich die beiden jungen Filmemacher im Genre Romantic und Comedy. «Locker, lustig», ergänzt Andreas Meienberg. Komplex ist die Geschichte nicht, stattdessen soll sie unterhalten. Ein junger Mann, eine junge Frau. Das Streben nach sozialem Aufstieg. Eine zweite junge Frau. Und der anstehende Entscheid: immer mehr zu wollen oder zufrieden zu sein, mit dem was man hat. Davon handelt die Geschichte. Das Drehbuch steht, der Cast, die Drehorte und die Crew ebenfalls. «Zum Glück helfen viele ehrenamtlich mit», sagt Andreas Meienberg. Löhne zahlen zu können, davon ist er noch weit entfernt. Stattdessen ist er angewiesen auf Sponsoren – nur schon beispielsweise für die kulinarische Verpflegung an den Drehtagen.
Meienberg ist durchaus klar, dass sich dies mit dem Studienabschluss nicht vom einen Tag auf den anderen verändern wird. Würde er nicht 60 Prozent als Schreiner arbeiten, wäre das Filmemachen nicht möglich. «Ja, umso grösser muss die Leidenschaft sein», gesteht er. In Zukunft einmal vom Film leben zu können, das bleibt noch ein Traum. Aber der Murianer weiss: «Ohne vollen Einsatz bleibt dieses Ziel unerreicht.» Und er weiss auch, dass Kontakte dabei sehr wichtig sind. Solche hat er während des Studiums und mit jedem einzelnen Filmprojekt gesammelt. «Die Szene in der Schweiz ist klein.» In jedes einzelne Projekt viel Herzblut und viel Perfektionismus zu investieren, ist zudem sein Weg zum Ziel.
Mindestens 100 Statisten sollen es sein
So auch beim Abschlussfilm. Ende Juli muss dieser fertig sein. Anfang Mai starten die Dreharbeiten. 10 bis 20 Minuten waren die Vorgabe. Dass Meienberg und Ambasager 45 Minuten abliefern werden, ist ein Zeichen ihrer Ambitionen. Die beiden werden die fertige Version im nächsten Jahr auch an Filmfestivals einreichen. «Entweder gekürzt oder in einer verlängerten Form», sagt Meienberg. An Filmfestivals gibt es zwei Kategorien: Kurzfilm und Spielfilm. Wobei zweiterer rund 70 Minuten dauern sollte. «Das überlegen wir dann später. Vorerst liegt der Fokus auf anderem», meint Andreas Meienberg und lacht.
Der Fokus liegt natürlich auf den bevorstehenden Dreharbeiten. Und diese finden unter anderem in Muri statt. Bei der L. Zülly Goldschmiede GmbH einerseits. «Hier drehen wir die Szene eines Ringkaufes», erklärt der Produzent. Nur mit Schauspielern, ohne Statisten. «Leonardy Zülly sagte sofort zu. Entsprechend freuten wir uns.» Der grosse Dreh folgt dann am selben Tag in der Bachmatten. Am 9. Mai wird es sein, wenn dort eine grosse Laufsport-Szene dargestellt wird. «Angelehnt an den Herbstlauf», erklärt Andreas Meienberg. Natürlich mit den Schauspielern, aber mit möglichst auch gegen hundert Statistinnen und Statisten – als Sportlerinnen und Sportler, aber auch als Publikum. «Hier ist die Murianer Bevölkerung gefragt», meint Meienberg lachend. Wer am 9. Mai, nachmittags noch nichts loshat, kann Teil des Filmdrehs werden und hinter die Kulissen schauen. «Eine einzigartige Erfahrung.» Und die Möglichkeit, sich später auf der Leinwand zu erspähen. «Wer mitwirkt, wird natürlich zur Erstaufführung eingeladen.» Wann und wo diese stattfindet, ist noch unklar. «Sicher nicht in Muri, weil das hiesige Kino dafür zu klein ist.» 100 Statistinnen und Statisten alleine für die Muri-Szene, hinzu kommen weitere an den Drehtagen in Luzern, Zürich, Zug, Cham oder St. Gallen.
Setzt auch auf die Musik
Trotzdem hofft Meienberg, dass sein erster grosser Spielfilm dann vielleicht auch im Kino Mansarde gezeigt wird. «Das ist alles Zukunftsmusik.» Jetzt überwiegt die Anspannung, ob für die anstehenden Drehtage alles optimal vorbereitet ist. Ob an den Drehtagen alles nach Plan läuft. Ob die knapp eingerechnete Zeit für Schnitt und so weiter ausreichen wird.
Trotzdem hat der Begriff Zukunftsmusik eine doppelte Bedeutung, wenn Andreas Meienberg ihn benutzt. Denn seine Leidenschaft gilt nicht nur dem Film, sondern auch der Musik – und wenig überraschend speziell der Filmmusik. Soeben hat er ein grösseres Musikprojekt für einen Film in Deutschland realisiert. «Ich möchte weiterhin möglichst auf beiden Spuren unterwegs sein», sagt er. Dass er die Musik zu seinem Abschlussfilm selber komponierte, liegt umso mehr auf der Hand.
Mehr Infos und Anmeldung für Statisten, aber auch für Sponsoring: www.andreas-meienberg.com/statisten.



