Kollegialer «Chrampfer»
06.02.2026 Mühlau, Region Oberfreiamt, Musik, Porträt50 Jahre am Musizieren
Ein halbes Jahrhundert ist es her, dass Albin Räber aus Mühlau als 16-Jähriger der örtlichen Musikgesellschaft beigetreten ist. Mit ihr hat er diverse Erfolge gefeiert, bis hin zum Schweizer-Meister-Titel der 3. ...
50 Jahre am Musizieren
Ein halbes Jahrhundert ist es her, dass Albin Räber aus Mühlau als 16-Jähriger der örtlichen Musikgesellschaft beigetreten ist. Mit ihr hat er diverse Erfolge gefeiert, bis hin zum Schweizer-Meister-Titel der 3. Stärkeklasse. Als Bauchef organisierte er darüber hinaus zwei Musikfeste mit, nahm dreimal am Eidgenössischen und einmal gar an einem Brass-Contest in England teil. Besonders in Erinnerung blieben ihm die geselligen Momente. --tst
Albin Räber engagiert sich seit 50 Jahren für die Musikgesellschaft Mühlau
Zuverlässig, anpackend, gesellig – Albin Räber vereint diese zentralen Eigenschaften für erfolgreiche Vereinstätigkeit. Er habe die Musikgesellschaft Mühlau seit seinem Eintritt 1976 stark geprägt, attestieren ihm seine Weggefährten.
Thomas Stöckli
Seit 25 Jahren ist er jedes Jahr dabei am Skiweekend der Musikgesellschaft Mühlau. Dabei fährt er gar nicht Ski. So läuft er jeweils den Berg hoch, um beim gemeinsamen Fondueessen dabei zu sein. Ein auf den ersten Blick unspektakuläres Detail, das doch die Verbundenheit von Albin Räber zu seiner Musikgesellschaft exemplarisch auf den Punkt bringt: «Pflichtbewusster als er, das geht nicht», fasst es Jürg Syfrig, Mitglied der Musikkommission und ehemaliger Präsident der Gesellschaft, in Worte. Gemeinsam haben sie im Vorstand geamtet. Dort kümmerte sich Räber gewissenhaft um das Material und machte sich bei verschiedenen Anlässen als Bauchef verdient. «Zuverlässig und mit extremem Einsatz», attestiert im Syfrig. Wobei er auf die Unterstützung der Familie zählen durfte, gibt Albin Räber das Lob weiter. So habe seine Frau ihm immer Rückendeckung gegeben und an Anlässen mitgeholfen.
Nicht nur als «Chrampfer» schätzt der ehemalige Präsident seinen langjährigen Wegbegleiter, sondern auch als Stimme der Vernunft: «Wenn ich eine Idee für den Verein hatte, sagte er mir deutlich, was er davon hielt» – und meist habe seine pointierte Aussage dann auch die Mehrheitsmeinung in der Musikgesellschaft abgebildet.
Der Verein als Lebensschule
«Schon als Kinder sind wir bei den Marschmusikproben hinterhergelaufen», erinnert sich Albin Räber an die 60er-Jahre. Mit der Instrumentalausbildung begann er als Oberstufenschüler in Sins. Als 16-Jähriger durfte er dann 1976 endlich der Musikgesellschaft beitreten. Von der allerersten Probe ist ihm noch das Stück «Bergfahrt» von Albert Benz in Erinnerung geblieben. Genauso wichtig wie das Musikalische war ihm allerdings schon da das Gesellige, Kameradschaftliche: «Damals war im Dorf noch nicht viel los. Die ‹Musig› war die einzige Möglichkeit, in den Ausgang zu gehen.»
Das hat der Jubilar denn auch richtig ausgekostet: «Es kam schon mal vor, dass am Morgen nach einer Probe sein Wecker zu Hause klingelte, er aber noch gar nicht da war», beschreibt der drei Jahre jüngere Martin Räber. Miteinander haben die Brüder fast ihr ganzes Leben Musik gemacht – und natürlich auch gefeiert. «Zuzügern empfehle ich immer: geht in einen Verein», sagt Albin Räber: «So lernt man das Dorf und die Leute kennen – und ist sehr schnell integriert.» Umso mehr findet er es bedauerlich, dass die meisten Vereine Nachwuchssorgen haben. Gerade für junge Leute sei es wertvoll, in einer altersdurchmischten Gruppe über alles Mögliche reden zu können und Verantwortung übernehmen zu dürfen. «Das ist eine Lebensschule», beschreibt er.
Mit viel Bier nach Südengland
«Ich habe viel Schönes erlebt», blickt Albin Räber auf seine 50 Jahre in der Musikgesellschaft zurück. Als frühes Highlight nennt er seine erste Teilnahme am Eidgenössischen, 1981 in Lausanne. Erst kurz zuvor hatte die Musikgesellschaft ihr Profil geschärft, von einer «Mischmasch-Harmonie», wie es Albin Räber bezeichnet, hin zur Brassband. In den Jahren 1995 und 2010, in denen Mühlau die Region zu Musiktagen einlud, war der Jubilar im OK für die Bauten zuständig. Dafür hat er dann jeweils zwei, drei Wochen Ferien genommen.
In sein Gedächtnis eingebrannt hat sich auch die Carreise für vier Tage nach Südengland, wo die Musikgesellschaft Mühlau 2014 als einzige ausländische Formation an einem regionalen Contest teilnehmen durfte. 20 Stunden dauerte allein die Hinfahrt. Kein Hinderungsgrund für die Mühlauer: «Wir haben genug Bier mitgenommen», sagt Albin Räber und lacht. Fast geht nebst den geselligen Geschichten unter, dass die exotischen Gäste in der Brassband-Hochburg auch musikalisch zu überzeugen vermochten: Die Mühlauer brachten einen Pokal für Rang drei mit nach Hause.
Bis zum Schweizer-Meister-Titel
Getoppt wurde das Resultat neun Jahre später durch den Titel in der 3. Stärkeklasse am nationalen Brass-Band-Wettbewerb Luzern, der im KKL ausgetragen wurde. «Musikalisch war das das absolute Highlight», so Albin Räber, «da sind wir richtig ausgeflippt.» Als Erfolgsgeheimnis nennt der Jubilar den Zusammenhalt im Verein. «Wir sind ein super Team, von Jung bis Alt verbunden», beschreibt er. Dazu passe auch der neue Dirigent, der es verstehe, das Maximum aus jedem herauszuholen.
Die Erfolgserlebnisse entschädigen für die jahrelange Disziplin beim Proben. Dass nicht immer alles rund laufen kann, versteht sich von selbst. «Wir wurden auch schon Letzte von 15 Vereinen», sagt der Jubilar, doch selbst daraus könne man lernen. Schwierig sei jeweils der Neustart nach einem Grossereignis, auf das man lange hingearbeitet habe. Dann sei man ausgelaugt. «Es gab auch bei mir Tage, an denen ich mich überwinden musste», gibt Albin Räber unumwunden zu. Dass ihm dies fast immer gelang – neben der Familie und bis zu seinem flexiblen Altersrücktritt vor gut fünf Jahren seiner stressigen Arbeit als Hochbau-Polier – beweisen die zahlreichen Auszeichnungen für lückenlosen Probenbesuch.
Quer durch die Register
Angefangen hat Albin Räber als Cornettist. Später wechselte er aufs Euphonium, dann spielte er Bariton und schliesslich Bass. «Leuten mit Musik eine Freude zu bereiten, ist etwas Schönes», sagt er. Das müsse nicht ein Auftritt im KKL, sondern könne auch ein einfaches Quartierständchen sein. Mit solchen will die Musikgesellschaft ihr Kulturgut der wachsenden Dorfgemeinschaft näherbringen.
Im Ausgang ist der Jubilar mittlerweile etwas gemässigter unterwegs. Schliesslich seien nun auch zwei seiner vier Kinder in der Musikgesellschaft dabei, «da kann man im Ausgang nicht mehr wie ein ‹Löli› tun», sagt er und lacht. Als sie frisch dazukamen, habe er schon darauf geachtet, dass sie gut nach Hause kommen. Allerdings finde er es auch wichtig für junge Leute, mal ein Bierchen trinken zu dürfen, ohne dass der Vater zuschaut.
Nun ans Eidgenössische in Biel
«Wie lange noch?», natürlich muss auch diese Frage gestellt sein. Sein Vater hat mit 65 Jahren aufgehört. Für Albin Räber ist das noch kein Thema: «Ich bleibe, solange ich dem Verein nicht zur Last falle», sagt er, die nächsten fünf, sechs Jahre gedenke er sicher noch zu bleiben. Einerseits, weil es ihm gefällt und ihm guttut: «Das Musizieren hält einen jung», sagt er und verweist auf das Notenlesen und die Fingerfertigkeit als Hirntraining. Andererseits will er im Verein auch nicht eine Lücke hinterlassen.
«Man kann sich kein besseres Vereinsmitglied wünschen», sagt Jürg Syfrig über Albin Räber. Das haben natürlich auch andere Vereine aus der Region längst erkannt. Sie müssen sich allerdings gedulden. In absehbarer Zukunft hängt sich Albin Räber voll für seine Musikgesellschaft Mühlau rein. Als nächstes grosses Ziel steht dieses Jahr vom 14. bis 17. Mai das Eidgenössische in Biel auf dem Programm. Dafür wird aktuell zweimal in der Woche geprobt. Mit obligater Verlängerung im «Storchen».



