Kunstraum feierlich eröffnet
20.01.2026 Wohlen, Kunst, KulturKunstkommission Wohlen konnte im Kulturwerk Bleichi viele Gäste begrüssen
Die Bleichi in Wohlen entwickelt sich immer mehr zu einem regionalen Kulturzentrum, das nun auch den neuen Kunstraum der Kunstkommission Wohlen beherbergt.
...Kunstkommission Wohlen konnte im Kulturwerk Bleichi viele Gäste begrüssen
Die Bleichi in Wohlen entwickelt sich immer mehr zu einem regionalen Kulturzentrum, das nun auch den neuen Kunstraum der Kunstkommission Wohlen beherbergt.
Walter Minder
Damit hatte wohl das Co-Präsidium Verena Schütz und Robert Keller nicht gerechnet: an die 100 Besucherinnen und Besucher folgten der Einladung zur Eröffnung des neuen Kunstraums, begrüsst von den sanften Klängen der Musikerin Lara Dogan. Aus Sicherheitsgründen – der Kunstraum bietet Platz für 50 Personen – startete der Anlass mit der Begrüssung durch Schütz im benachbarten Bleichi-Raum. Kunst wolle sich zeigen, dazu brauche es Räume, Wände und Böden, und das sei die Idee hinter dem von der Kunstkommission initiierten Kunstraum Wohlen. Zugleich soll ein Raum als Wertschätzung der regionalen Kunstschaffenden geschaffen werden, in dem sie ihre Arbeiten der Öffentlichkeit präsentieren können. «Freude entsteht durch die Vernetzung Künstler-Kunst-Betrachter, mit dem Kunstraum realisieren wir ein entsprechendes Experimentalprojekt – vorläufig für ein Jahr.» Die ehemalige Bleicherei habe sich zu einem Kultur-Hotspot entwickelt, in dem Kultur in allen Formen zusammenkommt und so auch Neues entstehen lässt. Dann erinnerte Schütz an ein paar kommende Termine. Am Mittwoch, 11. Februar, sind regionale Künstlerinnen und Künstler auf 19 Uhr zu einem Infoanlass über die Möglichkeiten der aktiven Benutzung des Kunstraums eingeladen. Vom 7. bis am 23. März findet die Ausstellung «Farbe. Freude. Freunde» von Brindarica Bose statt, an dem über 300 Werke ihrer Malschülerinnen und -schüler zu entdecken sind. Und vom 4. bis am 27. September präsentiert der ebenfalls anwesende Dottiker Künstler Carl-W. Röhrig, bekannt als Maler des Phantastischen Naturalismus, eine Auswahl seiner faszinierenden Werke.
Ein bekannter Name
Schütz: «Ein Kunstschaffender, der sein Leben der Kunst gewidmet hat wie die ebenfalls anwesende Wohler Künstlerin Heidi Widmer.» Ein von ihm gestalteter Jahreskalender wurde unter dem Publikum verlost mit der glücklichen Gewinnerin und Kunstschaffenden Hedy Baudenbacher aus Wildegg.
Bevor es Richtung Kunstraum ging, in dem sieben Werke des grossen Wohler Scherenschnittkünstlers Walter Burkart den Eröffnungstag bereicherten, stellte Co-Präsident Keller dessen spannenden und nicht immer einfachen Lebensweg vor. Der 1923 geborene Burkart wuchs in Wohlen auf und schon als Schulbub machte er die ersten Scherenschnitte, und zwar in erster Linie Hühner. Sein Atelier war die Stube seiner Mutter, so zeigt ihn ein Scherenschnitt, wie er unter der Nähmaschine aktiv ist. Er lernte später Dekorateur, wurde in einem Modegeschäft in Biel Chefdekorateur – und schmiss 1949 den Job hin. Zu Fuss machte er sich auf den Weg via Marseille nach Algier. Für seinen Lebensunterhalt verkaufte er in Freudenhäusern den Mädchen seine Scherenschnitte. Nach seiner Rückkehr arbeitete er kurze Zeit bei einem Weinbauern und anschliessend als Bäckereiausläufer im Baselbiet. Es hielt ihn aber nur kurze Zeit in seiner Heimat, die Fahrt ging weiter Richtung Senegal, Mali und Guinea.
Erlebnisse verarbeitet
Zu Hause verarbeitete Burkart seine Erlebnisse in Form von Scherenschnitt-Collagen. Als Künstler stand er plötzlich hoch im Kurs, aber Geld mit seiner Kunst zu machen, war nicht seine Welt, zumal seine Arbeiten sehr zeitintensiv waren. So investierte er volle fünf Arbeitsjahre in den bekannten «Güggel» im Wohler Gemeindehaus. 1978 durfte er seine Werke erstmals auch im Kunsthaus in Aarau ausstellen. Für sein Schaffen erhielt er 2005 den Wohler Kulturpreis, 2009 starb er selbstbestimmt im Reusspark.
Nach den informativen Ausführungen von Co-Präsident Keller wurde der neue Kunstraum mit den beeindruckenden Werken von Walter Burkart besichtigt, wo zudem ein kleiner Apéro zum Verweilen und Gesprächen einlud.


