«Mehr ausverkauft geht gar nicht»
08.07.2025 WohlenInterview mit Hans Melliger: Fazit zur Sternensaal-Eigenproduktion «Sechs Beine»
Die Eigenproduktion des Sternensaals war eine Theaterexpedition und eine Besonderheit. Sowie ein Wagnis – weil «Sechs Beine» eine neue Art des Theaters darstellt. ...
Interview mit Hans Melliger: Fazit zur Sternensaal-Eigenproduktion «Sechs Beine»
Die Eigenproduktion des Sternensaals war eine Theaterexpedition und eine Besonderheit. Sowie ein Wagnis – weil «Sechs Beine» eine neue Art des Theaters darstellt. Das Fazit fällt sehr positiv aus. «Alle haben ihr Bestes gegeben», sagt Hans Melliger, er ist Teil des Produktionsteams, Schauspieler und Mediensprecher.
Daniel Marti
Wie sieht Ihre persönliche Bilanz zu «Sechs Beine» aus?
Hans Melliger: Die Leistung des Sternensaalteams war grossartig. Alle haben sich eingebracht und haben, im Rahmen ihrer Möglichkeiten, das Beste für eine gelungene Produktion beigetragen. Das hat mir grosse Freude bereitet. Beim Spiel war es ebenfalls grossartig, dass alle ihr Bestes gegeben haben. Dass niemand verletzt war. Dass alle Aufführungen ohne Probleme gespielt werden konnten. Und ich verspüre Freude, dass wir es gewagt haben, etwas Neues auszuprobieren.
Was wird vor allem in Erinnerung bleiben und Spuren hinterlassen?
Was mir bleibt: Die spezielle Bühne. Die Bleichi und das Kulturwerk als einmalige Kulisse. Die Bleichi sollte unbedingt mehr als Beiz genutzt werden. Dafür müsste aber die Küche dringend saniert werden. Die Gartenbeiz mutete wie in einer Grossstadt an. Weiter in Erinnerung bleiben wird das Gesamtkunstwerk, zusammen entwickelt von den verschiedenen Profis, also die sechseckige Bühne, das Lichtkonzept, die Projektionen, die Kostüme, die Choreografie, die Maske, die Musik/Geräusche zusammen mit der Regie, und das alles für die Laienspielerinnen und -spieler mittendrin. Dass die eigentlich traurige Tatsache vom Insektenschwund mit ihren Folgen beim Publikum so gut ankommt, zum Denken anregt und trotzdem unterhaltsam sein kann – auch das wird Spuren hinterlassen.
Können Sie etwas zur Auslastung, also zum Publikumsaufmarsch, sagen?
Wir haben 18 Vorstellungen à 107 Plätze, also insgesamt 1926 Plätze, ursprünglich geplant und angeboten. Mit der Aufstockung um fünf Sitzplätze nach fünf Vorstellungen und dem Ausverkauf der Dernière sind schliesslich insgesamt 1961 Sitzplätze gebucht worden, dazu noch 1033 Essen. Also mehr ausverkauft geht gar nicht.
Die Beiz hat ebenfalls zum Auftritt der Sterensaal-Truppe gehört. Wie ist dort die Zufriedenheit?
Eigentlich unglaublich, was schliesslich alles möglich geworden ist: Wir haben die Bleichi-Küche mit Entgegenkommen der Gemeinde doch noch nützen können. Das ist ja übrigens ein extrem wichtiger Raum auch für die Zukunft dieses tollen Bleichi-Kulturwerks, der unbedingt sanft renoviert werden müsste, damit er auch parallel und problemlos zur Vermietung des Saales genutzt werden kann. Der riesige Einsatz des eingespielten Duos Erika Melliger und Bettina Weber, die bei jeder Vorstellung, vom Empfang der Gäste an bis zum letzten Aufräumen spät in der Nacht, mit ihrem Charme und ihrer Präsenz alles gemanagt haben. Die Tatsache, dass jeden Abend von einem Kochteam mit uneigennützigem Engagement ein feines Theatermenü auf den Tisch gezaubert wurde, ist ein feines Puzzle von unterschiedlichen Menschen, die gerne kochen und unser Projekt unterstützt haben. Die unzähligen Helferinnen und Helfer, die im Service, im Ausschank hinter dem Tresen, in der Küche als Rüsthilfe dazu beigetragen haben, dass alles ineinander greifen konnte.
Wie lautete das beste Feedback?
Der Entomologe Hans-Peter Wymann schrieb: «Übrigens kann ich kaum glauben, dass dieser Verein ein rein fiktives Gebilde ist, die Charaktere wurden so fantastisch interpretiert, dass ich mich bei der Rückfahrt nach Bern in den Arm kneifen musste, um mir sicher zu sein, dass da nicht richtige Entomologie-Begeisterte auf der Bühne agierten.»
Gibt es weitere solche Müsterchen?
Natürlich. HR. und L. haben uns Folgendes wissen lassen: «Wir sind begeistert von allem, was wir erlebt, gesehen und gehört haben. Wir waren bis zuletzt der Meinung, der Entomologische Verein Wohlen feiere wirklich das 125-Jahr-Jubiläum (haha). In diesem Verein muss es ganz potente Mitglieder geben, die es schaffen, ein höchst interessantes Seminar über Insekten und Biodiversität auf diese Art und Weise zu kreieren. Wie all die Themen klar verständlich, wunderbar anschaulich und mit Esprit erklärt und dargestellt wurden … So genial die Inszenierung – und wir mittendrin. Einmalig, bewegend, glücklich machend.»
Und wie lautete das kritischste Feedback?
Die kritischen Feedbacks gab es sicher auch, sie kamen dieses Mal aber gar nicht gross zu uns. Vereinzelt war von Bauern gegenüber Armin Lämmli geäussert worden, die Landwirtschaft komme bei der Gerichtsverhandlung durch ihn schlecht weg, was aber auch eher ironisch ausgelegt werden kann. Sicher gab der Schluss zu reden. Aber eben auch hier wurden wir für den Mut und die Art der Umsetzung viel gelobt.
Nun muss die besondere Bühne wieder weg. Eigentlich schade. Oder gibt es einen speziellen Platz für sie?
Die Bühne ist bereits komplett zerlegt und abholbereit palettiert. Alles aufund weggeräumt, als hätte «Sechs Beine» gar nie stattgefunden. Der Bau für die Fertigstellung des Kulturwerks Bleichi geht wieder weiter. Die offizielle Eröffnung ist irgendwann im Oktober. Stefan Hegi hat bereits die Arbeitspläne zum Eintragen der freiwilligen Helferinnen und Helfer parat.
Wann steigt die nächste Eigenproduktion des Sternensaals?
Es ist von verschiedenen Seiten angeregt worden, dieses Stück unbedingt an anderen und grösseren Orten zu spielen, tatsächlich. Aber das gehört auch unter die Rubrik: schönes Kompliment. Die Sternensaalcrew soll jetzt erst mal zum Verschnaufen kommen, wobei gerade jetzt das Programm für die Kleintheatersaison in Druck geht. Also nichts mit grossem Verschnaufen. Sollten wir aber irgend in fünf oder acht Jahren wieder eine Eigenproduktion starten, dann würde es diese Zeitung natürlich zuallererst erfahren.