Mit Liebe und Leichtigkeit
03.06.2025 Wohlen, Theater«Sechs Beine», die Eigeninszenierung des Sternensaal-Teams, kommt sehr gut an – eine Bilanz
Die Zwischenbilanz fällt äusserst positiv aus. Die gesamte Sternensaal-Crew ist happy, denn das Stück «Sechs Beine» weiss zu begeistern. ...
«Sechs Beine», die Eigeninszenierung des Sternensaal-Teams, kommt sehr gut an – eine Bilanz
Die Zwischenbilanz fällt äusserst positiv aus. Die gesamte Sternensaal-Crew ist happy, denn das Stück «Sechs Beine» weiss zu begeistern. Der Publikumsaufmarsch ist sehr gut. Und ein Podium widmet sich dem aktuellen Thema Biodiversität.
Daniel Marti
Acht Vorstellungen sind gespielt, fast die Hälfte der Aufführungen sind vorbei. «Es geht alles rasend schnell und Schlag auf Schlag», erklärt Hans Melliger vom Produktionsteam. Dabei konnte die Sternensaal-Truppe immer vor ausverkauftem Haus beziehungsweise Vereinslokal spielen. Ein schöner Erfolg.
Aufgrund der grossen Nachfrage wurde der Zuschauerraum nun mit fünf Drehstühlen aufgestockt. Auch diese Plätze sind jeweils rasch weg. So hat es für die nächsten vier Vorstellungen nur ganz wenige Plätze frei. Und gegen Ende des Programms füllen sich die Plätze auch langsam, aber sicher auf. «Des trotz Jugendfest und riesigem Veranstaltungskalender im Freiamt.»
Anfängliche Skepsis ist verflogen
Hans Melliger und sein Team haben also allen Grund zu Freude. Die Zwischenbilanz sieht nur positiv aus. «Neben dem grossen Publikumsaufmarsch machen uns die bisherigen Publikumsreaktionen grosse Freude. Von den unterschiedlichsten Leuten bekommen wir so positive und lobende Reaktionen, dass wir es ein Stück weit gar nicht richtig glauben können, wie das Theaterstück, die Inszenierung und das ganze Rundherum einschlägt», sagt Hans Melliger. Seine anfängliche Skepsis, Inhalt und Inszenierung seien allenfalls «zu schwere Kost und die Moralkeule sei zu fest hörbar oder sichtbar, ist völlig verflogen», so Melliger weiter. «Das Publikum hat grosse Freude an den Figuren und der locker aufgereihten Thematik rund um die Insekten, die nicht nur Inhalte transportiert, sondern köstlich unterhält.» Unzählige Reaktionen zielen genau in diese Richtung und belohnen «unseren Mut und das Wagnis, das Stück in dieser Form auf die Bühne zu bringen».
So bekam die Sternensaal-Truppe auch von einem «richtigen» Entomologen ein Feedback. Hans-Peter Wymann, Entomologischer Verein Bern, ist begeistert. «Das tut uns allen natürlich unglaublich gut und motiviert und beflügelt uns für die restlichen Vorstellungen», sagt Melliger. Zum Originalton von Wymann: Er spricht von einem fantastischen Theaterabend in Wohlen. «Grossartig, wie es dem Autor, dem Regisseur, den Schauspielerinnen und Schauspielern, der ganze Equipe gelungen ist, eine schwierige Problematik, das stille Sterben der Insekten, mit einer schwebenden Leichtigkeit zu verbinden.»
Podium als Begleitanlass zum Stück «Sechs Beine»
Eine grosse Kunst sei es, der Liebe zu den kleinen Tierchen und all den Protagonisten derart Tiefgang und Ernsthaftigkeit zu verleihen, so Weymann. Die zweifellos vorhandene unfreiwillige Komik vieler Figuren in der Entomologie-Szene werde nicht ins Lächerliche gezogen. «Die Kurve zur bitteren Realität wurde immer perfekt erwischt. Oft blieb das Lachen im Hals stecken.»
Noch ist «Sechs Beine» bis am Samstag, 28. Juni, im Kulturwerk Bleichi zu bestaunen. Am Sonntag, 15. Juni, 10.30 Uhr, wird im Kulturwerk Bleichi ein Diskussionspodium zum Stück «Sechs Beine» durchgeführt «Biodiversität als Lebensversicherung» heisst der Titel des Podiums. Biodiversität ist unter Druck. Die Gründe dafür sind vielfältig. Wenn auch ein wissenschaftlicher Konsens besteht, was die Ursachen für die Biodiversitätsverluste sind, besteht noch lange kein gesellschaftlicher Konsens.
Immer wieder neu stellt sich die Frage, was die Menschen von der Natur, von der Landschaft wollen. Wie weit sich die Menschen in den Dienst der Bedürfnisse nach billigen Lebensmitteln, schneller Mobilität und grossflächigem Wohnen stellen. Oder ob die Menschen ihr Räume zugestehen, in denen sie sich aufgrund ihrer eigenen Regeln entwickeln kann. Biodiversität ist zunächst für Menschen lebensnotwendig.
Vereinbar mit den Menschen?
«Biodiversität ist eine Art Lebensversicherung. Oder doppelter Boden», sagt eine Figur im Stück «Sechs Beine». Doch was hat es mit dieser «Lebensversicherung» auf sich? Und ist eine «biodiverse» Welt mit der Lebensweise der Menschen überhaupt vereinbar?
Solche und ähnliche Fragen werden am Diskussionspodium mit ausgewiesenen Fachpersonen diskutieren. Diese sind: Daniela Pauli, Abteilungsleiterin Lebensräume und Schutzgebiete bei BirdLife Schweiz; Stefan Eggenberg, Direktor von infoflora, dem nationalen Daten- und Informationszentrum der Schweizer Flora; Patrick Schmid, Lehrer, Ornithologe und Gemeinderatskandidat. Die Moderation übernimmt der Autor des Stücks Guy Krneta.