Mit Strom gegen den Marder
08.07.2025 Auw, Region OberfreiamtEr kennt den Marder
Sommerserie: «Mein eigener Chef»
Marcel Villiger kennt man vor allen Dingen wegen seiner sportlichen Vergangenheit. Er ist Eidgenosse, holte am meisten Kränze in der 100-jährigen Clubgeschichte des Schwingklubs ...
Er kennt den Marder
Sommerserie: «Mein eigener Chef»
Marcel Villiger kennt man vor allen Dingen wegen seiner sportlichen Vergangenheit. Er ist Eidgenosse, holte am meisten Kränze in der 100-jährigen Clubgeschichte des Schwingklubs Freiamt. Villiger aus Rüstenschwil ist heute Experte für den Marderschutz und installiert mit seiner Firma elektrische Marderschutzsysteme. Er sagt: «Ich habe keine Sekunde bereut. Es ist eine herrliche Arbeit.» Den Marder sieht er nicht als Feind. «Ohne ihn hätte ich den Job nicht mehr», so Villiger lachend. --spr
Sommerserie «Mein eigener Chef»: Marcel Villiger aus Rüstenschwil (Auw) ist Marderschutzexperte
Zieht der Marder ein, ist der Schaden nicht weit. Das Raubtier richtet oft grosse Schäden an. Der frühere Spitzenschwinger Marcel Villiger hat eine eigene Firma, die ein besonderes Schutzsystem anbietet. «Wenn ich das installiert habe, dann ist Ruhe», sagt der 55-Jährige.
Stefan Sprenger
Er ist gerade erst aus Südfrankreich nach Hause gekommen. Marcel Villiger war dort nicht etwa im Urlaub, sondern hat das Ferienhaus eines Kunden aus dem Kanton Zug mardersicher gemacht. Innert zwei Tagen hat er das Haus verdrahtet und sein System installiert. «Die Leute versuchen es mit Ultraschall, Gerüchen oder ähnlichen Abwehrmechanismen. Dies nützt jedoch nur kurzfristig – und bald schon ist der nächste Marder eingezogen. Denn wenn der Marder einmal drin war, dann kommt er immer wieder. Und oftmals richten sie einen Riesenschaden an. Am verlässlichsten ist das System, das ich anwende», erklärt Marcel Villiger.
Vorgänger Schelbert hat es erfunden
Es bewährt sich seit 30 Jahren. «Erfunden hat das Villiger-Marderschutzsystem mein Vorgänger Othmar Schelbert», so Villiger. Schelbert wohnt in Mühlau, war ein Elektriker und ein Tüftler. Kurz erklärt: Villiger installiert Elektrodrähte, die dem kletterstarken Marder Stromschläge verpassen, wenn er wieder in sein Versteck will. «Wenn es installiert ist, dann hat man Ruhe. 100 Prozent. Da gebe ich eine Garantie darauf», erklärt der frühere Spitzenschwinger (53 Kränze) und Eidgenosse des Schwingklubs Freiamt. Ganz selten gelingt es trotz des ausgeklügelten Marderschutzsystems dem Tier, wieder einzudringen. «Dann muss ich nachbessern und spätestens dann ist man den Marder los.»
Marcel Villiger wurde 1969 in Sins geboren. Dort wuchs er auf, mit Vater Alois, Mutter Hildegard und je zwei Brüdern und zwei Schwestern. Als junger Bursche macht er die Lehre zum Landwirt bei der Familie Hagenbuch in Oberlunkhofen und der Familie Käppeli in Rickenbach (Merenschwand). Villiger, der in Rüstenschwil (Auw) mit Partnerin Andrea Wolf und den zwei gemeinsamen Kindern Kevin (Jahrgang 2010) und Larissa (2011) wohnt, arbeitete danach fast 30 Jahre bei einer Holzbau-Firma als Zimmermann. Othmar Schelbert ist ein Kumpel von Villiger, sie gehen oft zusammen biken. Und immer wieder erzählt Schelbert von seinem Marderschutzsystem. «So bin ich reingerutscht in diese Thematik. Ich war fasziniert davon», so Villiger.
Marder nicht verletzen, aber nachhaltig abschrecken
Er steigt in das Unternehmen ein, Patron Othmar Schelbert führt ihn ein, erklärt ihm all sein Wissen. Und als Schelbert 2022 pensioniert wird, übernimmt Marcel Villiger, macht sich selbstständig mit der Villiger Marderschutz GmbH und ist fortan sein eigener Chef.
Villiger sagt: «Ich habe keine Sekunde bereut. Es ist eine herrliche Arbeit.» Den Marder sieht er nicht als Feind. «Ohne ihn hätte ich den Job nicht mehr», sagt Villiger lachend. Wichtig für ihn: Er will den Tieren keinen Schaden zufügen, sondern sie nur vertreiben. Das Drahtseil, das rings um das Dach, die Scheune oder das Haus gespannt wird, verpasst dem Marder einen Stromschlag, der ihn nicht verletzt, aber nachhaltig abschreckt. Kaum sichtbar, aber effektiv. Übrigens: Von April bis Juni ist Schonzeit der Marder. Dann bringen sie ihre Jungtiere zur Welt und Villiger darf in jener Zeit keine neuen Systeme installieren.
Schützenhaus Benzenschwil und Schulhaus Geltwil
Das Schützenhaus in Benzenschwil war eines der ersten Gebäude, wo er das Marderschutzsystem installiert hat. Bald ist er beim Schulhaus in Geltwil im Einsatz. Aber seine Kunden stammen aus der ganzen Schweiz, sogar aus dem benachbarten Ausland. Pro Jahr installiert er rund 30 der Schutzsysteme, darunter sind auch Mehrfamilienhäuser und Wohnblöcke, wofür er dann teilweise mehrere Wochen im Einsatz steht. «Die Arbeit macht mir riesigen Spass. Und mein eigener Chef zu sein, hat natürlich viele Vorteile. Ich geniesse Freiheiten. Ich musste zuerst lernen, selbst die Verantwortung für ein Unternehmen zu tragen. Aber ich habe bislang keine einzige Minute bereut. Wenn ich falsch kalkuliere, bin ich selbst der Depp. Dafür redet mir niemand rein und ich entscheide alles selbst», erklärt Villiger.
Auch Partnerin ist selbstständig
So hat er auch den Internetauftritt der Firma selbst eingerichtet und die Werkstatt befindet sich in seinem Zuhause in Rüstenschwil. Zudem hilft ihm seine Partnerin Andrea Wolf – die ebenfalls selbstständig ist und ein Malergeschäft führt – bei den administrativen Arbeiten. «Wir sind ein eingespieltes Team», sagt er.
Das Marderschutzsystem bringt er immer wieder auf den neusten Stand der Technik. Seine eigene Leidenschaft für den Job ist ohnehin riesig und stets «up to date». So sagt Villiger: «Ich besitze viel Know-how. Ich denke wie ein Marder, spüre im Winter mit der Wärmebildkamera seine Spuren auf und weiss, wo seine Lieblingsstellen sind, um in eine Liegenschaft zu gelangen.» Es ist zu spüren: Marcel
Villiger hat für sein Unternehmen und den Marderschutz genauso viel Leidenschaft wie einst in den 90er-Jahren für den Schwingsport. Und bei beiden Dingen gehörte er zu den Besten des Landes.
Die Serie
In der Sommerserie «Mein eigener Chef» oder «Meine eigene Chefin» porträtiert die Redaktion Menschen aus dem Freiamt, die sich selbstständig gemacht haben, ohne die Einmischung eines Vorgesetzten ihr eigenes Unternehmen führen und sich damit einen Traum erfüllten. --red