Mit viel Freude am Genuss
29.07.2025 Gewerbe, MuriDen Traum verwirklicht
Hanspeter Luzio führt Vinazion-Laden in Muri
Selbstständig zu sein, das war über viele Jahre sein grosser Traum. Vor zehn Jahren hat Hanspeter Luzio sich diesen verwirklicht und führt seither im ...
Den Traum verwirklicht
Hanspeter Luzio führt Vinazion-Laden in Muri
Selbstständig zu sein, das war über viele Jahre sein grosser Traum. Vor zehn Jahren hat Hanspeter Luzio sich diesen verwirklicht und führt seither im Franchising-Modell den Vinazion-Laden in Muri. «Ich liebe Wein und guten Grappa», sagt der 61-Jährige. Die Liebe zum Wein stand am Ursprung seiner Selbstständigkeit als Wein- und Spirituosenhändler. «Lange fehlte mir der Mut, alles auf eine Karte zu setzen», erzählt Luzio. --ake
Sommerserie «Mein eigener Chef»: Im Vinazion-Laden verkauft Hanspeter Luzio Wein und vieles mehr
Wein, Spirituosen und Geschenke – das ist seine Welt. Seit zehn Jahren führt Hanspeter Luzio in Muri den Vinazion-Laden. «Ich mache das, wovon ich vorher 20 Jahre lang geträumt habe», sagt er. Längst habe er gelernt, mit der Unsicherheit und dem Druck umzugehen. «Ich habe diesen Schritt nie bereut», betont er.
Annemarie Keusch
Fruchtig, lieblich. So mögen seine Kundinnen und Kunden den Wein am liebsten. «Und das hat sich seit zehn Jahren kaum verändert», sagt Hanspeter Luzio. Aber in seinem Laden steht nicht nur, was die Mehrheit bevorzugt. «Ich versuche, im Kleinen eine grosse Vielfalt zu bieten», sagt er. 300 verschiedene Weinsorten sind es, als Franchising-Nehmer der Vinazion-Gruppe kann er auf total 550 bis 600 Weine zugreifen. Bis zu hundert Whisky-, je 20 Grappa-, Rum- und Gin- und wenige Cognac-Sorten komplettieren sein Angebot. Auch Bier bietet er an. Und natürlich die Geschenke, die italienischen Spezialitäten. Wer in den Vinazion-Laden in Muri eintritt, taucht in eine Genusswelt ein. Eine Welt, wie sie sich Hanspeter Luzio viele Jahre erträumte. Angesprochen darauf, was er in seiner Freizeit gerne tut, sagt er nur ein Wort: «Geniessen.»
In seinem Laden bietet er ganz viele Möglichkeiten, damit seine Kundschaft genau das tun kann. Seit zehn Jahren führt Luzio sein Geschäft an der Aarauerstrasse. Wein und Geschenke sind sein Kerngeschäft. «Ich hatte schon immer eine Leidenschaft für Weine», sagt er. Das anfänglich rein private Interesse wuchs über die Jahre. Und doch fehlte ihm lange der Mut, das in die Tat umzusetzen, was er sich seit langer Zeit wünschte: Selbstständigkeit im Bereich Wein und Spirituosen.
Verzichten, um Traum zu leben
Hanspeter Luzio ist gelernter Koch. Seit über 30 Jahren ist der Detailhandel sein berufliches Zuhause. «Ich musste mich entscheiden, ob ich selbst ein Restaurant führen oder einen ganz anderen Weg einschlagen will», blickt er zurück. Detailhandel habe ihm immer gefallen. «Der Umgang mit den Leuten, aber auch mit den Waren.» Im Denner in Wohlen, im Coop in Villmergen, in Wohlen, in Wettingen und in Muri – Luzio hat über die Jahre viel Erfahrung gesammelt, ob als Ladenleiter und zwischenzeitlich auch als Verkaufsleiter. Als er 50-jährig war, sah er sich nochmals nach Möglichkeiten um, seinen grossen Wunsch der Selbstständigkeit zu verwirklichen. Das Franchising-Modell der Vinazion-Gruppe war für ihn damals ideal. «Ist es heute noch. Allen Wein selber einzukaufen, das wäre kaum möglich.» Er habe viel aufs Spiel gesetzt, das weiss Hanspeter Luzio. Die Sicherheit ist weg, stattdessen sind die Präsenzzeiten deutlich höher. «Ich musste mich entscheiden, ob ich meinen Traum leben und dafür auch auf Gewisses verzichten will, oder ob ich weiter arbeite, quasi nur um Geld zu verdienen.» Luzio entschied sich für Ersteres. «Bereut habe ich das nie, auch weil meine Frau und die Familie immer hinter mir stehen.»
Denn die Präsenzzeit ist hoch. Montag bis Freitag, von 9 bis 18.30 Uhr ist der Laden mit einem eineinhalbstündigen Unterbruch über den Mittag geöffnet. Hinzu kommt der Samstag, 8 bis 17 Uhr. «Natürlich sind nicht ständig Kundinnen und Kunden im Laden und ich verbringe viel Zeit alleine», erzählt er. Das störe ihn nicht, auch weil Luzio administrative Aufgaben für die Vinazion Gruppe übernimmt. Artikel- und Kundenpflege, Vorbestellungen einholen, mitreden bei der Aufnahme neuer Artikel. «Ich hätte nie gedacht, dass mir auch das Administrative so viel Spass macht.» Das Herzstück aber ist der Laden. Das Beraten etwa. «Damit kann ich mich abheben, gerade von Grossverteilern oder vom Internet», sagt Luzio. Aber auch dem Sortiment widmet er viel Aufmerksamkeit. Einmal jährlich passt er dieses an, nimmt neue Produkte auf, löst damit andere ab. Was ihm dabei besonders wichtig ist: «Ich kenne alle Produkte, weiss, wie sie schmecken. Bevor ein Wein in meinen Laden kommt, degustiere ich ihn. Schliesslich will ich wissen, was ich meiner Kundschaft verkaufe.»
Pandemie als «Segen»
Gut zehn Jahre sind vergangen, seit Hanspeter Luzio den Laden an der Aarauerstrasse eröffnete. Verändert hat sich vieles. Gerade auch wegen der Pandemie. «Ich darf es fast nicht sagen, aber für uns war die Pandemie ein Segen. Die Leute gingen weniger auswärts essen, tranken ihr Glas Wein zu Hause. Alles wurde lokaler.» Aber seither habe sich vieles wieder verändert.
Gerade auch, was die Planbarkeit angehe. «Ich habe mittlerweile gelernt, immer erst am 31. Dezember abzurechnen und zu entscheiden, ob das Jahr ein gutes war oder nicht.» Gründe für Schwankungen seien kaum mehr eruierbar. Und was auch Luzio spürt: den Trend zu gesundheitsbewussterem Leben und weniger Alkoholkonsum. «Ich führe im Sortiment auch verschiedene alkoholfreie Produkte. Biere, Weine, auch Aperitifs», betont er.
Veränderungen stellt Luzio aber auch im Kaufverhalten fest. «Schweizer Wein hat in den letzten Jahren stark an Beliebtheit gewonnen.» Rotweine aus Italien und Spanien seien dagegen immer beliebt. Aber auch in seinem Laden gilt die Faustregel: 20 Prozent der Produkte bringen rund 80 Prozent des Umsatzes.
Kennt viele Winzer persönlich
Nichtsdestotrotz legt Hanspeter Luzio viel Wert auf Vielfalt. Und auch auf die Optik seines Ladens. «Die Leute sollen spüren, ob es Winter, Herbst oder Frühling ist, wenn sie bei mir einkaufen», sagt er. Dekoration ist ihm wichtig, Kreativität sowieso. Diese lebt er auch beim Zusammenstellen der Geschenkartikel aus. Überhaupt, sei es die Abwechslung in seinem Alltag, die ihn sagen lässt: «Ich bin froh, diesen Schritt vor zehn Jahren gewagt zu haben.» Aus dem Hafen der sicheren Anstellung in die teils raue See der Selbstständigkeit. Vom Grossverteiler zum kleinen eigenen Laden. Diese Unterschiede zelebriert er gerne. «Ich kenne quasi jedes Weingut, dessen Wein ich verkaufe. Nicht wenige gar persönlich.» Und die wenigen freien Tage pro Jahr nutzt er jeweils auch dafür, neue Weingüter kennenzulernen.
Die Leidenschaft ist deutlich spürbar. Für die Weine, für seinen eigenen Laden. Kürzlich hat Hanspeter Luzio den Franchising-Vertrag für fünf weitere Jahre verlängert. «Nachher entscheide ich, ob und wie es weitergeht», sagt der 61-Jährige. Ob er sich beruflich oder privat mehr dem Genuss widmet. «Momentan passt die Balance», sagt er und lacht