Musikalische Magie
21.01.2025 Bünzen, Region OberfreiamtZirkusspektakel in Bünzen
Magisches Jahreskonzert der Musikgesellschaft
Seit je zieht der Zirkus Gross und Klein in seinen Bann. Vielen ist dabei kaum bewusst, dass die Musik ein wichtiges Puzzleteil ist, das zum Gesamterlebnis beiträgt. Sie ...
Zirkusspektakel in Bünzen
Magisches Jahreskonzert der Musikgesellschaft
Seit je zieht der Zirkus Gross und Klein in seinen Bann. Vielen ist dabei kaum bewusst, dass die Musik ein wichtiges Puzzleteil ist, das zum Gesamterlebnis beiträgt. Sie transportiert Emotionen, setzt in besonders dramatischen Momenten Akzente und prägt das emotionale Erlebnis. Dass dieser Zauber auch ohne Hochseil, Sägemehl und Jonglage wirkt, das hat die Musikgesellschaft Bünzen bewiesen. An ihrem Jahreskonzert unter dem Titel «Zirkus Bunzina» liess sie allein durch die Akustik Spektakel aufkommen und bereitete dem Publikum vergnügliche Stunden. Obwohl: Auch fürs Auge wurde etwas geboten: mit bunten Kostümen und Tischzauberei in der Pause. --tst
Die Musikgesellschaft verzauberte als Zirkus Bunzina in der Mehrzweckhalle Bünzen
Zur klassischen Zirkusatmosphäre gehört die Musik dazu. In Bünzen hat die Musikgesellschaft nun auch bewiesen, wie stark Klänge die Fantasie beflügeln und Emotionen wecken.
Thomas Stöckli
«A Kind of Magic» – was hätte besser gepasst, um das Programm des «Zirkus Bunzina» abzuschliessen, als der «Queen»-Hit? Los geht es mit dem bekannten Thema, die Musikantinnen und Musikanten schnippen dazu mit den Fingern. Und dann legen sie so richtig los, lassen die Mehrzweckhalle noch einmal vor Zirkus-Magie knistern. Belohnt werden sie mit lang anhaltendem, frenetischem Applaus. Nein, ohne Zugabe wird die Musikgesellschaft sicher nicht von der Bühne gelassen.
Start mit dem Nachwuchs
Den Abend eröffnet hat einmal mehr der Musikanten-Nachwuchs von der Waltenschwiler Brass Gäng. Wobei der Name trügt. Auch die Jugend von Sarmenstorf, Hägglingen und Bünzen darf in der Formation mitspielen. Letztere stellen denn auch fast die Hälfte der elf Musizierenden auf der Bühne. Bei «Up in the Sky» von 77 Bombay Street sind die Kinder hinter den Notenständern noch kaum zu sehen. Beim zweiten Song zeigt sich ein Gesangstrio um «Hippigschpängschtli» Lea Kuhn, bei «Dorfkinder» singen dann alle mit und als Zugabe ist noch «Chliini Händ» zu hören.
«Es liegt uns sehr am Herzen, möglichst viele Kinder für die Blasmusik zu begeistern», betont Rahel Bircher, Vorstandsmitglied der Musikgesellschaft Bünzen. Dazu habe man auch schon an der Schule Präsenz markieren und die Kinder Instrumente ausprobieren lassen dürfen.
Gladiatoren und Showmen
Mit dem «Einzug der Gladiatoren», dem pompösen Marsch von Julius Fucik, wandelte sich die Bühne dann zur Manege. Hier sollten die Zuhörer in den nächsten anderthalb Stunden erleben, wie Klänge es vermögen, die Fantasie zu beflügeln und Emotionen auszulösen. Dazu trug auch Ansager Roland Debrunner seinen Teil bei: «Unsere Gladiatoren sind die Musiker», hielt er als Anspielung auf den Titel des Marschs fest. «Sie kämpfen allerdings nicht gegeneinander, sondern miteinander – gegen die Noten», so Debrunner. Ein Kampf – so viel sei verraten – aus dem die Musikerinnen und Musiker als Sieger hervorgehen sollten.
Mit «The Greatest Showman» hängt die Musikgesellschaft lückenlos an ihren jüngsten Erfolg vom Musiktag in Oberrüti an. Äusserst klar und sauber führt Dirigent Flavio Killer durch das Stück mit seinen auch rhythmisch anspruchsvollen Dynamikwechseln. Wobei sich gerade in den langsamen, zurückhaltenden Passagen die Qualität zeigt. Hier, wo jeder falsche Ton, jeder verpasste Einsatz auffallen würde. Entsprechend wird der Einsatz mit lauten Jubelrufen honoriert.
Spassmacher und Zauberer
Natürlich dürfen im Zirkus auch die Spassmacher nicht fehlen. Mit «Send in the Clowns» hat Musical-Komponist Stephen Sondheim eigentlich an ein Theater-Rezept angeknüpft: Wenn die Show nicht gut laufe, solle man demnach die Clowns reinschicken, also auf Humor setzen. Das hat die MG Bünzen definitiv nicht nötig. Im Gegenteil: Rahel Bircher überzeugt mit ihrem Solo am Flügelhorn. Zum burlesque-anrüchigen «Can Can» von Jacques Offenbach fliegen dem Publikum von der Bühne dann Luftschlangen entgegen und «Alegria» – ein Stück echter Zirkus-Magie mit internationalen Einflüssen vom Cirque du Soleil – rundet den ersten Konzertteil ab.
Im echten Zirkus ist die Musik ein wichtiger Bestandteil der Show. Im Gegensatz zur Zirkusband unterstützt die Musikgesellschaft mit ihren Instrumenten nicht nur die Spannung und das emotionale Erlebnis, sondern steuert gleich auch noch die Akrobatik und die weiteren Zutaten für ein Zirkuserlebnis bei. Einzig für die Magie hat man sich in der Person von Zauberer «Lucas mit C» Verstärkung in die Halle geholt. Er unterhält in der Pause mit Tischzauberei, klaubt hier eine Zehnernote aus einem herumliegenden Bierdeckel und verblüfft da mit einem Kartentrick.
Tierische Vielfalt
Mit «Come follow the Band» von Cy Coleman starten die Musikantinnen und Musikanten in den zweiten Konzertteil, bevor im «Carnaval des animaux» von Camille Saint-Saëns die wilden Tiere Einzug halten und Dirigent Flavio Killer ungeahnte Talente als Dompteur beweist. Vom majestätischen Löwen über den Schwan – dem Florian Weibel als Eufonium-Solist gekonnt Konturen verleiht – bis hin zu den Elefanten präsentiert sich alles, was heute aus Tierschutzgründen in der Manege nicht mehr geht.
Locker leicht klingt dann auch der zweitletzte Song an. Dass sich hinter der lachenden Maske auch andere Gefühle verbergen können, das offenbart sich im Stevie-Wonder-Hit «The Tears of a Clown» erst mit der Zeit, wenn sich die schwere Melancholie hinter der Heiterkeit bemerkbar macht.
Die dunkle Wolke bleibt in der Mehrzweckhalle nicht hängen. «Hat es Ihnen gefallen?», fragt Zirkusdirektor Lukas Müller. Das Publikum antwortet ihm mit Applaus und Jubel. «Uns hat es auch sehr viel Spass gemacht, vor voller Halle zu spielen», gibt der Musikgesellschafts-Präsident zurück. Ein allseits gelungener Abend also. Oder nach den Worten von Freddie Mercury: «It’s a Kind of Magic!»
Jahr der grossen Investitionen
Letztmals präsentierte sich die Musikgesellschaft Bünzen in ihrem mittlerweile 30 Jahre alten Gewand – zumindest in der ersten Konzerthälfte. Zur zweiten marschierten die Musikerinnen und Musiker nämlich in bunter Vielfalt durchs Publikum auf die Bühne, als Akrobaten im Muskel-Anzug und exotische Schönheiten, als Clowns und Hippies, in farbenprächtige Uniformen oder Tierkostüme gewandet.
Die neue Uniform sei bereits ausgewählt und bestellt, verriet Präsident Lukas Müller. Pünktlich zum Dorffest soll sie im Juni präsentiert werden. In der Zwischenzeit sucht die Musikgesellschaft noch Sponsoren. Rund 65 000 Franken soll die Neuuniformierung kosten. Dazu werden weitere 70 000 Franken benötigt, um ältere Instrumente zu ersetzen. Gregor Kuhn etwa spielte das Konzert mit einem Ersatzinstrument, ausgeliehen von der Musikgesellschaft Beinwil, weil seine eigene Tuba kaputtging. Dafür gab es ein lautstarkes «Danke, Beuel!» --tst
Weitere Infos zur Neuuniformierung und zum Instrumente-Teilersatz unter www.mg-buenzen.ch/sponsoring-2024/.