«Nicht das, wofür ich gekommen bin»
13.03.2026 Berikon, MutschellenNach dem Nein zum Stellenplan verlässt Verwaltungsleiter Patrick Vogel die Gemeinde Berikon
Die Urnenabstimmung vom 8. März hat in Berikon unmittelbare Konsequenzen für die Gemeindeverwaltung. Nach dem klaren Nein zur geplanten Erhöhung des ...
Nach dem Nein zum Stellenplan verlässt Verwaltungsleiter Patrick Vogel die Gemeinde Berikon
Die Urnenabstimmung vom 8. März hat in Berikon unmittelbare Konsequenzen für die Gemeindeverwaltung. Nach dem klaren Nein zur geplanten Erhöhung des Stellenplans hat Verwaltungsleiter und Gemeindeschreiber Patrick Vogel die Kündigung eingereicht.
Sabrina Salm
Die Niederlage über die verlorene Abstimmung ist noch nicht annähernd verdaut, erhält der Gemeinderat Berikon schon den nächsten Dämpfer. Als Konsequenz des deutlichen Nein zur Aufstockung des Stellenplans auf der Gemeindeverwaltung um 100 Prozent beendet Verwaltungsleiter und Gemeindeschreiber Patrick Vogel seine Arbeit auf der Gemeinde. Dementsprechend überrascht, aber nicht völlig unvorbereitet, hat der Gemeinderat die Kündigung von Vogel aufgenommen. «Wir hatten vor dem Abstimmungsresultat auch dieses Szenario auf dem Schirm, hätten aber natürlich gehofft, dass diese Variante nicht eintrifft», sagt Frau Gemeindeammann Petra Oggenfuss Feldgrill.
Bereits zum zweiten Mal versuchte der Gemeinderat den Souverän zu überzeugen, dass das Verwaltungsleitungsmodell das Richtige für Berikon ist. Faktisch arbeitet die Gemeinde seit November 2023 mit diesem Modell. Damals wurde Patrick Vogel als Verwaltungsleiter angestellt. Nach der ersten Referendumsabstimmung 2024 übernahm er zusätzlich die Funktion des Gemeindeschreibers. Nun wollte der Gemeinderat erneut die Grundlagen für das Verwaltungsleitungsmodell schaffen – mit einer Stellenplanerhöhung. Doch wieder fand sie keine Mehrheit.
Entscheid fiel nicht leicht
Für Patrick Vogel bedeutet dies, dass die Stelle, für die er ursprünglich angestellt wurde, künftig nicht mehr existiert. «Ich wurde als Verwaltungsleiter angestellt. Da ich diese Aufgabe nun nicht übernehmen kann, ist meine Stelle somit weg», sagt Vogel. Auf eigenen Wunsch und unter Berücksichtigung seiner Ferien- und Mehrstundenguthaben verlässt er deshalb per Ende April 2026 die Gemeindeverwaltung. Der Entscheid, die Gemeinde zu verlassen, sei ihm nicht leicht gefallen. «Ich hatte eine gute Zusammenarbeit mit den Gemeinderäten, den Verwaltungsmitarbeitenden und der Bevölkerung», sagt Vogel. In den vergangenen zweieinhalb Jahren habe er zahlreiche Projekte angestossen und realisiert und die Verwaltung in neue Strukturen überführt. Er habe gehofft, dass dieser Einsatz Früchte tragen und gesehen werde. «Wir konnten viele Optimierungen erzielen in dieser Zeit.» Gleichzeitig sei die Doppelrolle langfristig nicht tragbar gewesen. «Die Doppelrolle als Gemeindeschreiber und Verwaltungsleiter war von Anfang an eine Übergangslösung», erklärt er. Die vergangenen Jahre seien intensiv gewesen. «Es waren nicht selten sehr lange Tage. Das ging auch an die Substanz.»
Eine Weiterführung seiner Tätigkeit ausschliesslich als Gemeindeschreiber sei für ihn keine Option gewesen. «Klar hätte ich als Gemeindeschreiber weitermachen können. Aber das ist nicht das, wofür ich gekommen bin.» Er bedaure es, die Gemeindeverwaltung zu verlassen, aber er müsse sich ein stückweit treu bleiben.
Verständnis im Gemeinderat
Petra Oggenfuss Feldgrill zeigt Verständnis für den Entscheid. «Natürlich ist es schade, dass sich Patrick Vogel dafür entschieden hat, uns zu verlassen. Aber es ist auch nachvollziehbar», sagt sie. Die aktuelle Situation lasse ihm wenig Spielraum: «So wie die Situation jetzt ist, kann er nicht die Aufgaben wahrnehmen, für die er eigentlich angestellt wurde.» Sie und die weiteren Gemeinderäte halten fest, dass Vogel die Schnittstelle zwischen Politik und Verwaltung mit grosser Umsicht geführt habe. «Er war dem Gemeinderat eine wichtige Stütze.» Die Fachkompetenz und das Engagement von Patrick Vogel seien sowohl innerhalb der Verwaltung als auch von der Bevölkerung sehr geschätzt worden. «Wir bedauern seinen Weggang sehr.»
Nach dem Entscheid der Stimmberechtigten muss die Gemeindeverwaltung nun neu organisiert werden. Geplant ist, die operative Führung künftig einem Gemeindeschreiber oder einer Gemeindeschreiberin zu übertragen. Bis eine neue Person gefunden ist, übernimmt eine externe Gemeindeschreiberin ab 1. April die Aufgaben im Rahmen eines temporären Einsatzes.
Viele organisatorische Fragen
Gleichzeitig steht der Gemeinderat vor der Frage zur Neuverteilung der Aufgaben. «Es ist aus Kapazitätsgründen noch festzulegen, welche Aufgaben an den Gemeinderat, an Mitarbeitende oder an Externe übertragen werden», sagt Oggenfuss Feldgrill. Auch müsse entschieden werden, «worauf künftig verzichtet wird». Offen ist unter anderem, wer künftig juristische Fragen bearbeitet oder bereichsübergreifende Projekte koordiniert. Auch für Themen wie Personaladministration, IT und die Weiterführung der Digitalisierung müssen Lösungen gefunden werden, da die Personalressourcen auf der Gemeinde zu knapp sind. «Grundsätzlich haben wir nun keine Personalressourcen mehr für die Weiterentwicklung der Verwaltung. Ich spreche hier von Organisationsentwicklung, Optimierung der Prozesse, Identifikation von Effizienzpotenzial.» Es fehle auch an Ressourcen für die operative Umsetzung von strategischen Entscheiden des Gemeinderates.
Blick nach vorn
Der Gemeinderat will sich mit diesen Fragen noch im März an einer Klausur befassen. Ziel sei es, eine umfassende Auslegeordnung vorzunehmen. Patrick Vogel wiederum will bis zu seinem Austritt eine geordnete Übergabe sicherstellen. «Mir ist wichtig, dass der Betrieb weiterhin gut läuft und gut gemanagt ist», sagt er. Für seine persönliche Zukunft hat er sich bewusst noch nicht festgelegt. «Ich habe noch nichts Neues. Das ist aber auch gut so. Ich brauche jetzt zuerst eine Pause.» Trotz seines Weggangs blickt Vogel mit guten Gefühlen auf seine Zeit in Berikon zurück. «Ich hege keinen Groll wegen der Abstimmung. Ich bin schon lange in diesem Business und weiss, wie man mit demokratischen Entscheiden umgeht», sagt der 40-Jährige. Der Entscheid der Bevölkerung sei zu akzeptieren. So wie jetzt sein Entscheid zu akzeptieren sei. Sein Wunsch für die Gemeinde bleibt dennoch klar: «Ich hoffe, dass Berikon wieder in ruhigere Gewässer kommt und man gemeinsam in die Zukunft gehen kann.»

