Prägend fürs Dorfzentrum
03.04.2024 Merenschwand, Region OberfreiamtDie ersten Mieter sind in den Landi-Bau eingezogen, im Volg läuft der Innenausbau
Ein Volg, eine Drogerie, ein Café und eine Tankstelle. Die Läden der neuen Überbauung im Zentrum von Merenschwand eröffnen im Juni. Von den 20 Wohnungen ist nur noch ...
Die ersten Mieter sind in den Landi-Bau eingezogen, im Volg läuft der Innenausbau
Ein Volg, eine Drogerie, ein Café und eine Tankstelle. Die Läden der neuen Überbauung im Zentrum von Merenschwand eröffnen im Juni. Von den 20 Wohnungen ist nur noch eine auf dem Markt.
Thomas Stöckli
«Momentan ist es nicht so eine Kunst, Neuwohnungen im Freiamt zu vermieten», sagt Daniel Strebel und führt in die 3½-Zimmer-Wohnung im zweiten Stock, die als einzige noch zu haben ist. «Wieder zu haben ist», präzisiert der Geschäftsleiter der Landi Freiamt, die als Bauherrin hinter dem Grossprojekt steht. Der Grund für die Kündigung vor dem Einzug sei persönlicher Natur, erklärt er auf Nachfrage. Wie alle anderen verfügt die Wohnung über einen Parkettboden und grosse Fensterflächen, Komfortlüftung und Einbauschränke sowie ein Reduit mit Waschmaschine und Tumbler. «Fast Eigentumswohnungs-Standard», findet Strebel. Und begründet: «Die Wohnungen sollen widerspiegeln, was die Aussenansicht verspricht.»
Eine Überbauung wie viele andere? Wer genauer hinschaut, dem dürfte die Liebe zum Detail auffallen. Etwa die Muster aus kreisrunden Öffnungen in der Fassade, die den Baukörper auflockern und durch die das Sonnenlicht Schattenspiele an die dahinterliegenden Innenwände projizieren kann. Oder das Sandstrahl-Streifendekor an den Sichtbetonwänden sowie der Edelkies-Belag im Durchgang zwischen den Gebäuden. Selbst die Gestaltung des Bushäuschens und der Tankstelle fügen sich ins Gesamtkonzept ein. «Wir haben wohl das schönste Tankstellendach auf der Alpennordseite», sagt Strebel. Zunächst wird man hier fossile Treibstoffe erhalten, doch auch für Elektro-Schnellladestationen seien alle Vorbereitungen getroffen. Aktuell erlaubt der Kanton Aargau den Betrieb von Strom und Sprit am selben Ort noch nicht. «Doch das dürfte nur noch eine Frage der Zeit sein», meint Strebel, schliesslich sei dies etwa im Kanton Zürich bereits möglich.
Ausgeklügelte Haustechnik
Die Baustellenbesichtigung hat in der Tiefgarage begonnen, in die man von der Zürichstrasse her einfährt. Von den insgesamt 49 Parkplätzen verfügen fünf bereits über eine Elektro-Ladestation. Weitere lassen sich bei Bedarf einfach anschliessen. Den Strom liefert die Fotovoltaikanlage, die in beide Dächer integriert ist. Sie speist auch die Kompressoren für die Kühlung. Selbst die Abwärme des Systems wird über Plattentauscher genutzt, in erster Linie fürs Brauchwasser – deshalb steht eine grosse Boilerkapazität zur Verfügung –, dann für die Heizung und was im Sommer an Wärme übrigbleibt, geht zurück in den Boden. Diese Regeneration erhöht die Nutzungsdauer von Erdsonden und macht sie so noch nachhaltiger.
Das energetische Gesamtkonzept sei nicht nur ökologisch, sondern angesichts der gestiegenen Energiekosten auch wirtschaftlich sinnvoll, führt Strebel aus. Rund 27 Millionen kostet der Bau insgesamt. Knapp neun Prozent mehr als geplant. Als Gründe für die Mehrkosten nennt Strebel einerseits einen überraschenden Wassereinbruch, andererseits habe die internationale Teuerung den Preis nach oben schiessen lassen: «Allein für Armierungseisen mussten wir eine halbe Million mehr bezahlen.»
Herzstück der Überbauung wird der Volg-Laden sein. Da läuft aktuell der Innenausbau. Anfang letzter Woche wurden die ersten Kühlregale angeliefert. Mittlerweile stehen auch die Verkaufsregale. «Ursprünglich war die Ladeneröffnung für den 11. April geplant», so der Landi-Geschäftsführer. Um den Ausbau in Ruhe angehen zu können, wurde der Termin auf den 20. Juni verschoben.
Künftig auch eine Post-Agentur
Auf 312 Quadratmetern Ladenfläche wird der Volg einiges bieten können. Dazu kommen die 63 Quadratmeter der eingegliederten Metzgerei. An die Verkaufsfläche schliessen sich im Hintergrund vier Kühlzellen, Büro, Lager und Pausenraum an. Auf Letzteren dürften sich die Mitarbeitenden freuen. «Ich ziehe den Hut vor ihnen», sagt Daniel Strebel. «Zusätzlich zu ihrer Kernaufgabe im Verkauf bieten sie künftig die wichtigsten Post-Geschäfte an.»
Neben den Kassen wird nämlich die Postagentur eingerichtet, die Poststelle im Dorf ist letztmals am Dienstag, 9. April, geöffnet, wie der «Gelbe Riese» mitgeteilt hat. Vom 10. April bis zum 19. Juni steht in Merenschwand demnach kein Post-Angebot zur Verfügung. Avisierte Pakete und eingeschriebene Briefe können in dieser Übergangszeit im Volg-Provisorium an der Luzernerstrasse 2 abgeholt werden, für alle übrigen Postgeschäfte muss man nach Muri respektive den Onlinedienst «pick@home» nutzen, mit dem man Pakete zu Hause oder im Büro abholen lassen kann.
Zusammenarbeit über die Kantonsgrenze
Für die angrenzende Gewerbefläche konnte die Landi Freiamt die Vitalis-Drogerie, die schon in Affoltern und Mettmenstetten domiziliert ist, als Mieterin gewinnen. Weiter ist ein Café des «Albis-Beck» vorgesehen. «Mit der Landi Albis verbindet uns schon eine Zusammenarbeitsvereinbarung», sagt Strebel.
Die überkantonale Bindung dürfte künftig sogar noch enger werden. Die Zustimmung der Mitglieder vorausgesetzt, könnte es auf eine Fusion der Landi Freiamt mit der Landi Albis und der Landi Obfelden hinauslaufen. «Nötig wäre dies noch nicht», betont Daniel Strebel, «aber zusammen hätten wir noch mehr Potenzial. Und die vorausblickende Planung war schon in der Vergangenheit unsere Stärke.»